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Schnee, Sturm, Eisregen und jetzt der Käfer
17.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Gerold Hammes

Bühl/Schwarzwaldhochstraße - Erinnerungen werden wach an die Orkane Vivian, Wiebke (1990) und Lothar (1999). Auch in diesen Tagen zeigt sich in den Wäldern im Bereich Omerskopf und Unterstmatt ein Bild der "aufgeräumten Verwüstung". Seit Wochen sind Holzfäller-Rotten der städtischen Forstabteilung, unterstützt von einem privaten Unternehmer mit Vollernter im Einsatz, um das Sturm- und Schneebruchholz einzuschlagen und für den Abtransport in die Sägewerke oder als Industrieholz zu portionieren.



Revierförster Manfred Ruf ist seit 30 Jahren bei der Stadt, hat also auch das berühmt-berüchtigte Orkan-Trio hautnah erlebt, aber ein derart spezielles Schadensereignis wie im Januar war auch ihm bislang noch nicht untergekommen. Der meteorologische Gau hatte in der Nacht auf Dreikönig Lagen oberhalb von etwa 800 Metern erfasst. Tief André hatte einen Kessel Buntes im Gepäck: von Schnee bis gefrierendem Regen, der sich wie ein Eispanzer um die Äste legte. Heftige Sturmböen taten ihr Übriges und entwurzelten die Bäume wie Mikadostäbchen oder köpften fallbeilartig die Kronen. In der Folge waren die Omerskopfstraße und weitere Teile der B500 gesperrt, die Lifte außer Betrieb und zahlreiche Touristen in Hütten und Hotels von der Außenwelt abgeschnitten. Polizei und Feuerwehr organisierten eine geordnete Evakuierung über bestimmte Zeitfenster auf den Zufahrtsstraßen. Auch nun, während des Sonderhiebs, musste die K3765 für zwei Wochen komplett gesperrt werden. Der Verkehr auf der B500 zwischen Hundseck und Unterstmatt wurde in beide Richtungen über eine Ampel geregelt.

Allein in Rufs Revier Omerskopf mussten 2000 Festmeter Fichten, Tannen, Douglasien und Buchen aufgearbeitet werden. Er spricht von "verheerenden Schäden, wie wir sie in dieser Form noch nicht hatten". In der Summe entspricht dies etwa 3000 Bäumen.

Indes: Im Vergleich zum Jahrhundertorkan "Lothar" nehmen sich die "Kalamitäten" (Ruf) vom Januar mit einem Verlust von insgesamt 5000 Festmetern (das entspricht einem Drittel des städtischen Jahreshiebs) noch relativ übersichtlich aus. Damals lagen im Bühler Forstbezirk 150 000 Festmeter Sturmholz am Boden. Damals wie heute ist auch der Holzpreis eingeknickt.

Ruf und seine Kollegen aus dem Achertal dürfen indes auf die Solidarität umliegender kommunaler Waldbesitzer und des Landes setzen, die ihren Einschlag aufgrund des Sonderhiebs im Höhengebiet markant zurückgefahren oder gar ausgesetzt haben.

Ein "alter" Bekannter von Manfred Ruf ist Martin Schneider. Der Forstwirt aus Ottenhöfen ist mit seinem Vollernter ebenfalls im Bereich Omerskopf unterwegs. Eine halbe Million Euro hat er für das dreiachsige Ungetüm mit jeder Menge Hightech im Cockpit hinblättern müssen. Entsprechend zügig ist sein Arbeitstempo beim Sägen, Entasten, Vermessen und Poltern. Ruf hat nur beste Erinnerungen an den jungen Achertäler: Er war Prüfer, als Schneider am forstlichen Ausbildungszentrum Mattenhof in Gengenbach seine Prüfung im Fach Holzernte ablegte. Er bestand mit der Traumnote 1,0.

Auch auf Unterstmatt ist nichts mehr, wie es vorher war. Vor allem in der Bettelmannshalde und an den Abhängen des Hochkopfs gab es fast keinen Baum, der nicht geköpft war. Rund 70 Prozent von ihnen müssen raus, der Rest bleibt stehen, um die Bestände nicht weiter zu labilisieren und das Waldbild zu entfremden.

Inzwischen hat auch bereits die Abfuhr des Stammholzes begonnen. Eile ist geboten, weil es ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer ist. Ohnehin spricht auch 2019 vieles für eine massenhafte Population. Aber an unliebsame Überraschungen haben sich die Bühler Revierförster längst gewöhnen müssen und gehen damit professionell um.

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