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Schwaben-Marathon strapaziert Lachmuskeln
Schwaben-Marathon strapaziert Lachmuskeln
06.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Ursula Klöpfer

Bühl - Für Nicht-Schwaben ist die schwäbische Sprache zugegebenermaßen manchmal etwas unstimmig in sich. Vor allem, wenn sie so vielfältig vorgetragen wird. Hier sind die Wörter "Dohannadanna", "Dohobadoba", "Dohommadomma" oder "Dahondadonda" keine Artikulationsübungen von Logopäden, sondern eindeutige Lagebezeichnungen für bestimmte Dinge.

Am Freitagabend konnte man im Bürgerhaus Neuer Markt ein wenig Schwäbisch lernen oder einer Vielzahl von Schwobe beim Lästern, Schimpfen und Tratschen zuhören. Oder man konnte sich vor Lachen biegen. Einen regelrechten "Schwobe-Marathon" veranstaltete die "Schwoba Komede" mit ihrem Programm "Gschwätzt, xonga ond glacht".

Über drei Stunden lang wurde geratscht und xunga. Erst um 23.20 Uhr fiel der letzte Vorhang für die umjubelten Darsteller: "Das Bronnweiler Weib" Friedel Kehrer, die Kabarettisten Alois und Elsbeth Gscheidle, Markus Zipperle, Hillu Stoll und Franz Auber als "Hillus Herzdropfa", die "Kehrwoch Mafia" mit Buddy Bosch und Bernd "Stecki" Steckroth sowie die Speerspitze der schwäbischen Männerbefreiungsbewegung, Wulf Wager. Wirklich eine Menge Namen für einen einzigen Abend. Und vielleicht wäre ein bisschen weniger mehr gewesen. Obwohl die Qualität der meisten Mitwirkenden wirklich auf einem hohen Niveau lag.

Der schwäbische Humor ist nicht jedermanns Sache: oftmals nicht gerade jugendfrei und ziemlich derb obendrein. Eine Mischung aus Büttenreden und Schenkelklopfer-Witze. Doch das Bühler Publikum kam aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Alois und Elsbeth Gscheidle etwa brillierten als die "Scheinheiligen zwei Könige" und als Sanitäter beim Roten Kreuz. Seit 30 Jahren stehen sie zusammen auf der Bühne. Marcus Neuweiler und Birgit Pfeiffer sind Urgesteine des schwäbischen Kabaretts - deftig zwar, aber treffsicher beim Strapazieren der Lachmuskeln. So kann sich kein Besucher sicher sein, dass er nicht von der Elsbeth auf die Bühne gezerrt wird: Valentin aus Bühl wurde als Opfer ausgewählt. Stabile Seitenlage wurde geübt. "Nächstes Mal machen wir Mund-zu-Mund- Beatmung", drohte Elsbeth. Das Publikum prustete, Valentin eher nicht!

Die Dinge des täglichen Lebens leichter zu nehmen und über sich selbst zu lachen, sind wohl die Stärken von "Hillus Herzdropfa", Hillu Stoll und Franz Auber. Als Bäuerin Lena und Bauer Maddeis schimpften und feixten sie wie ein Ehepaar vom alten Schlag - da bleibt kein Auge trocken. Für den musischen Part sorgten in schwarzen Anzügen und Hüten sowie gelben Hemden die Musiker Buddy Bosch und Bernd "Stecki" Steckroth als die "Kehrwoch Mafia". Sie singen nicht nur, sondern spielen brillant Gitarre und bringen schwäbische Geschichten zu bekannten und selbstkomponierten Songs auf die Bühne.

Von den "Bronnweiler Weibern", zwei Frauen mit Kultstatus, bekannt aus dem SWR- Fernsehen, stand nur eine an diesem Abend auf der Bühne - Friedel Kehrer. Manche im Publikum mussten sich doch sehr anstrengen, um ihren deftigen Schwabendialekt zu verstehen. "Die Grünen haben früher nach Räucherstäbchen gstunke, jetzt stinketse nach Rheumasalb", lästert sie, bevor sie ihre Gitarre auspackt und das Lied von Dornröschen ("Dornarosl") singt. Ihre Stimme eine echte Überraschung - ein wenig Joan Baez auf Schwäbisch, naja fast!

So ging es Schlag auf Schlag. Ob mit Weisheiten von "dr Alb ra", den Stuttgarter "Heckascheißer", dem Gemeinderat oder Vereinsvorstand. Alles wurde durchexerziert. Es folgten noch Markus Zipperle mit grandioser Mimik und Stimmakrobatik und Wulf Wagner mit schrillem Anzug. Bei ihm konnten die Zuschauer Schwäbisch lernen. Allerdings nur Fortgeschrittene. Schließlich geht mit dem "Für immer Schwobe-Lied" und dem Badner-Lied (das natürlich zusammen geschmettert wird) auch der (wahrscheinlich) längste Schwaben-Langstreckenlauf der Bürgerhaus-Geschichte zu Ende. Fast möchte man seufzen: "Längr häd i's nemme ausgehalda."

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