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Auf frischer Tat ertappt
Auf frischer Tat ertappt
10.05.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (bgt) - Der Rückblick auf sein Leben, den der Angeklagte am Amtsgericht in Bühl offenbarte, stimmte ihn selbst sichtlich nachdenklich: Schicksalsschläge, Alkoholsucht, Drogenkonsum, Scheidung. Das alles habe zu der Entwicklung seiner desolaten Situation beigetragen, die irgendwann zur Beschaffungskriminalität geführt habe. Und letztendlich auch zum Verfahren wegen Diebstahls mit Waffen, dessentwegen er nun vor Gericht stand.

Die "Waffen", die bei ihm gefunden worden waren, als man ihn auf frischer Tat beim Diebstahl von elektronischen Waren (Gesamtwert: 60 Euro) in einem Kaufhaus erwischt hatte, erwiesen sich als zwei Taschenmesser. Mit dem einen soll er die Verpackung aufgeschlitzt haben, um anschließend den Inhalt in seinen Taschen zu verstauen. Nach eigenen Angaben hatte der 41-jährige Arbeiter aus Usbekistan mit inzwischen deutscher Staatsangehörigkeit bei der Tat erheblich unter Alkoholeinfluss gestanden. Deshalb könne er sich auch gar nicht mehr genau daran erinnern, ob oder inwieweit er ein Messer überhaupt benutzt habe.

"Weshalb haben Sie die Waren gestohlen?", wollte Richter Hannes Schrägle wissen. "Ich wollte die Sachen zu Geld machen, um mir Alkohol zu besorgen", lautete die Antwort, und es folgte eine Schilderung seines Konsums. "Ich habe in der Regel jeden Tag sechs Flaschen Wein konsumiert, und manchmal des Abends noch Schnaps und Bier."

Auch habe er eine ganze Zeit lang Drogen genommen, doch zwischenzeitlich sei er absolut clean gewesen. Erst nach seiner Scheidung sei es dann wieder steil bergab gegangen. "Wissen Sie Herr Richter, ich hatte erst einen schweren Unfall, dann habe ich geheiratet, und in dieser Zeit habe ich überhaupt nichts genommen. Aber dann...!". Mit weit ausholenden Gesten versuchte er, den katastrophalen Absturz seines Lebens deutlich zu machen. "Aber ich versuche, immer wieder aufzustehen, damit ich nicht noch tiefer runterfalle", beteuerte er dem Richter. Inzwischen befindet sich der Angeklagte seit einigen Wochen stationär in einer Entzugsklinik.

Für den Staatsanwalt erwies sich, wie er argumentierte, der Tatvorwurf als bestätigt, auch wenn nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden könne, dass der Angeklagte das Messer benutzt habe. Es genüge die "abstrakte Gefährlichkeit" des bloßen Vorhandenseins der Messer. Auch könne er hier nicht von einem minder schweren Fall ausgehen. Der Angeklagte sei es gewohnt gewesen zu trinken, und somit sei dessen Einsichtsfähigkeit in die Tat nicht eingeschränkt.

Unter Berücksichtigung der fünf einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von elf Monaten, die wegen der günstigen Sozialprognose auf Bewährung ausgesetzt werden könnte.

Der Verteidiger ging von einem minderschweren Fall aus und forderte sechs Monate, doch der Richter schloss sich der Argumentation des Staatsanwalts an. Sein Urteil lautete auf acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, mit der Auflage eines Nachweises einer abgeschlossenen Therapie.

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