http://www.ausbildungsmesse-baden-baden.de/
Neue Wege für Windel-Rohstoff
17.05.2019 - 00:00 Uhr
Rheinmünster (sie) - Neben dem silbernen Tank scheinen die Nachbargebäude des Chemieparks in Greffern förmlich zu verblassen. 20 Meter ragt das Edelstahlbauwerk in den Himmel, seine noch makellose Oberfläche reflektiert die Sonnenstrahlen. Errichten lassen hat den Tank das Unternehmen Evonik. Er ist Bestandteil eines Großprojekts, von dem auch die Anwohner profitieren sollen: der Ausbau des Rheinhafens.

Evonik hatte im Jahr 2006 von der Dow die Produktion sogenannter Superabsorber in Greffern übernommen. Dabei handelt es sich um ein Granulat, das große Mengen Flüssigkeit aufnehmen kann. Haupteinsatzbereich sind Windeln. Ein wichtiger Rohstoff dafür ist Natronlauge. Zwischen 40 000 und 45 000 Tonnen werden laut Evonik-Standortleiter Harald Plöchinger pro Jahr verarbeitet. Hauptlieferweg war bislang die Schiene mit einem Volumen von mehr als 600 Kesselwagen. Hinzu kamen rund 200 Lkw.

Künftig soll der Transport der Lauge weitestgehend auf dem Wasserweg erfolgen. Um Züge und Lastwagen komplett zu ersetzen, wären 42 Schiffe notwendig. Ob das klappt, hängt allerdings vom Pegelstand ab: "Führt der Rhein zuviel oder zu wenig Wasser, müssen wir weiter auf Schiene oder Straße ausweichen", sagt Plöchinger.

Die notwendige Infrastruktur ist seit Mitte Dezember in Betrieb. Von den sechs ansässigen Unternehmen im Chemiepark nutzte bislang nur die Dow den Hafen zur Anlieferung von Rohstoffen für die Latex-Produktion. Jetzt ließ Evonik eine zweite Entladestation errichten. Eineinhalb Jahre dauerte die Umsetzung. Projektmanager Stefan Rosenau spricht von einem "sehr anspruchsvollen Genehmigungsverfahren". Grund dafür war unter anderem eine 600 Meter lange Pipeline, durch die die Natronlauge vom Hafen in den neu errichteten Tank gepumpt wird. Rund ein Drittel der Strecke verläuft über NATO-Straße und Rheinseitenkanal auf öffentlichem Grund.

Wie Plöchinger versichert, gelten höchste Sicherheitsstandards. Natronlauge sei eine stark ätzende Chemikalie: "Das wollen sie nicht in der Hand haben." Die Pipeline sei komplett geschweißt und mit einem Leckageband ummantelt, so dass auch im Fall einer undichten Stelle nichts von dem Stoff in die Umwelt gelangt. "Das ist der Hosenträger zum Gürtel", sagt Plöchinger.

Die Schiffe haben eine Kapazität von rund 1 000 Tonnen. Bis eine komplette Ladung in den Tank geflossen ist, dauert es acht Stunden. In dieser Zeit ist der kleine Hafen blockiert. Platz für ein zweites Schiff ist nicht. Da das Aufkommen dort aber gering ist - die Dow hat deutlich weniger Lieferungen als künftig Evonik - führt das nicht zu Engpässen.

Dass der Schiffsverkehr in Greffern mittelfristig stark zunimmt, ist nicht zu erwarten. Die Anlieferung weiterer Rohstoffe über den Rhein ist vorerst nicht geplant. Neben Natronlauge kommen für die Superabsorber-Produktion große Mengen an Acrylsäure zum Einsatz. Aufgrund seiner Eigenschaften hätte dieser Stoff aber den Bau zusätzlicher Hafen-Infrastruktur erfordert. "Wir haben das geprüft. Aber das würde sich nicht rechnen", sagt Plöchinger. Für das jetzt abgeschlossene Projekt habe Evonik einen mittleren einstelligen Millionenbetrag investiert.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Lichtenau
Anlegestelle für ´Kreuzfahrtschiffe´

20.04.2019
Kreuzfahrtschiffe legen künftig an
Lichtenau (ar) - Fast 20 Jahre lang gab es für Spaziergänger am Rheindamm bei Grauelsbaum den vertrauten Anblick von Rheinschiffen, auf die Kies und Sand geladen wurden. Am ehemaligen Kieswerkhafen Sehring werden künftig Kreuzfahrtschiffe anlegen (Foto: Gangl). »-Mehr
Bühl
Flitterwochen in der Antarktis

02.03.2019
Dujmovits zurück von der Antarktis
Bühl (jo) - Fünf Wochen verbrachte das Profibergsteigerpaar Ralf Dujmovits und Nancy Hansen in der Antarktis. "Wir haben ein paar fantastische Skitouren gemacht, aber bergsteigerisch ging nicht viel", berichtet Dujmovits. Schuld war ein Schaden an einem Segelmotorschiff (Foto: duj). »-Mehr
Baden-Baden
´Jeder kann persönlichen Beitrag leisten, um die Luft zu verbessern´

02.02.2019
Lungenarzt zu Grenzwerten
Baden-Baden (nie) - In die Debatte um Luftschadstoff-Grenzwerte haben sich jüngst einige Experten zu Wort gemeldet, die Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Grenzwerte äußern. Das BT hat den Baden-Badener Lungenfacharzt Dr. Jens Mathews nach seiner Meinung gefragt (Foto: pr) »-Mehr
Bühlertal
Zeit zum Lachen und zum Innehalten

31.12.2018
Geborener Experte der Unterhaltung
Bühlertal (hap) - Hansy Vogt ist geborener Experte in der Disziplin, Menschen zu begeistern. Seine Fähigkeiten demonstrierte er am Freitagabend erneut bei der "Klingenden Bergweihnacht" im Haus des Gastes in Bühlertal. Mit dabei waren zahlreiche musikalische Gäste (Foto: hap). »-Mehr
Karlsruhe
Festgefahren bei ´kleinem Wasser´

01.12.2018
Niedrigwasser bremst Schiffer
Karlsruhe (red) - Seit mehr als sechs Wochen liegt Ewald Hellwig mit seinem Frachter "Gilla" im Karlsruher Ölhafen fest. Der Grund: Anhaltendes Niedrigwasser, das die Binnenschiffahrt ausbremst. So extrem haben das bisher weder Hellwig noch der Hafenmeister erlebt (Foto: Jehle). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.los-rastatt.de
Umfrage

Ein Bündnis will mit einem Volksbegehren ein Gesetz zum besseren Schutz der Bienen durchsetzen. Würden Sie sich daran beteiligen?

Ja.
Nein.
Weiß nicht.


https://www.eyesandmore.de
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1