http://www.spk-bbg.de
"Renate-Stollen" bewährt sich
22.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl/Bühlertal - Gegen 14 Uhr machte sich das 17 Millionen Euro teure Jahrhundert-Bauwerk bewährt: Der unterirdische Flutkanal, zwischen Altschweier und Eisental zu Beginn des Jahrzehnts bergmännisch errichtet, ging erstmals regulär in Betrieb - ausgelöst von einem Pegel, der meldete, dass in der Bühlot der Wasserstand von 1,30 Meter erreicht war. Alles, was darüber hinausging, wurde ab diesem Zeitpunkt abgeleitet. Diese Einrichtung schützte die Bühler Innenstadt sprichwörtlich vor dem Absaufen.



"Der Flutkanal hat sich ordnungsgemäß geöffnet", berichtete Viviane Walzok, Geschäftsführerin des Zweckverbands Hochwasserschutz Baden-Baden/Bühl, zufrieden. Die Steuerung sei vollautomatisch durch die am Hessensteg verbaute hydraulisch-elektronische Regulierungstechnik erfolgt. Das überschüssige Wasser floss über die lange Übertrittsschwelle in den Eingangsschacht des "Renate-Stollens", wie die Röhre während der Bauzeit mit Bezug zur Tunnelpatin Renate Striebel hieß.

Westlich der alten B3 schoss die braune Brühe wieder ans Tageslicht, wo sie sich ins Hochwasserrückhaltebecken Neumatten, nördlich der Kernstadt, ergoss. Im Jahr 2013 hatte der Flutkanal schon einmal und unkontrolliert Wasser geführt und dabei die Bühler Innenstadt vermutlich vor einer Überflutung bewahrt; seinerzeit liefen an der Einlassstelle noch die Bauarbeiten.

Am Johannesplatz brachte die Feuerwehr gestern bereits um 7 Uhr jene Entlastungspumpen in Stellung, die sich in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach bewährt hatten. Nicht der Bach ist hier das Problem, sondern eine überlastete Oberflächenwasser-Kanalisation. Um "Land unter" zu verhindern, wurden je nach Regenintensität per Pumpenkraft bis zu 30 000 Liter pro Minute aus dem Sammler in die Bühlot umgeleitet.

Die Hochwasserschutz-Chefin erlebte trotz anhaltenden Dauerregens keine Überraschungen an den verschiedenen Verbandseinrichtungen. Walzok: "Alle Anlagen laufen vernünftig." Das heißt: Die Hochwasserrückhaltebecken zwischen dem Baden-Badener Rebland und Bühl füllten sich planmäßig. Ein voller Einstau von einem oder mehreren Becken zeichnete sich nicht ab.

In den Jahren 1978 und 1998 hatten Überflutungen in der Zwetschgenstadt einen Schaden von insgesamt 23 Millionen Euro angerichtet. Das Land und die Kommune finanzierten daraufhin einen 100-jährlichen Hochwasserschutz in den Ausbau der Bühlot.

Kein Bach, sondern vielmehr ein Entwässerungsgraben lief gestern Vormittag am Rande des Gewerbegebiets Vimbuch über. Die Folgen waren enorm. Mehrere Fahrzeuge, die im Untergeschoss eines angrenzenden Gebäudes geparkt waren, standen im Wasser. In mindestens einem Fall entstand Totalschaden.

Böse Überraschung

in der Garage

Als die Angestellten der Naturkosmetikfirma Verima am Vormittag zur Arbeit kamen, schien die Welt - abgesehen vom Dauerregen - noch in Ordnung. Sie parkten wie gewöhnlich ihre Autos in der Garage im angemieteten Teil des Hallenuntergeschosses. Unbemerkt kroch das Wasser über die Wiese heran und sammelte sich im Keller. Eine Angestellte, die wegfahren wollte, bemerkte das Malheur. Die Fahrzeuge standen bereits tief im Wasser. Mit vereinten Kräften wurden sie aus der Garage geschoben und müssen nun getrocknet und technisch gecheckt werden, berichtete Verima-Geschäftsführer Werner Klein. Bei einem älteren Modell indes attestierte ein Pannenhelfer Totalschaden.

Im großen Keller der Halle parkten noch weitere Fahrzeuge von Dritten, die ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden. Betroffen war in der Nähe auch ein Autohaus an der Einmündung der Straße "Liechtersmatten" in die K3763, wo mit Sandsäcken eine Schutzbarriere errichtet wurde.

Martin Bürkle von der Stadtverwaltung berichtete, dass sich das Wasser angestaut habe, weil der Sandbach, in den das Wasser abfließen sollte, bereits gut gefüllt war. Um die überschwemmten Bereiche zu entwässern, forderte Feuerwehr-Kommandant Günter Dußmann zusätzlich zur eigenen Ausrüstung eine große Pumpe des städtischen Bauhofs an, die erstmals ihren Zweck erfüllte.

Dem wolkenverhangenen Himmel galten zu diesem Zeitpunkt bange Blicke. Dußmann: "Der Regen kommt in Schüben und fällt relativ lokal." Sicherheitshalber wurde im Bauhof zusätzliche Sandsäcke gefüllt. Doch zu weiteren größeren Zwischenfällen kam es (bis Redaktionsschluss) nicht. Im Stadtteil Altschweier, wo die Bühlot zu einem reißenden Gewässer anschwoll, liefen ebenfalls Keller voll. 35 Freiwillige insgesamt stemmten die Bühler Einsätze.

Über Stunden hinweg war auch die Feuerwehr Bühlertal gefordert. Am Oberlauf der Bühlot drohten die Wassermassen die Brücke des Schafhofwegs mitzureißen. Holz hatte sich verkeilt und staute den Bach an. "Mit dem Einreißhaken konnten wir das Abflusshindernis beseitigen", berichtete Kommandant Michael Reith. In der Hirschbach lief ein Keller einen Meter hoch voll. Auch in weiteren Anwesen musste die Feuerwehr pumpen. Auf der L83, Höhe Waldeck, kam es zu einem Erdrutsch. Neben 35 Freiwilligen der Bühlertäler Feuerwehr war auch das Technische Hilfswerk Bühl in der Talgemeinde mit zehn Mann im Einsatz.

Blick ins Land

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gaggenau
Wo für das Berufs-Leben gelernt wird

21.05.2019
Lernen für das Berufs-Leben
Gaggenau (tom) -125 Jahre Automobilbau in Gaggenau werden in diesem Jahr gefeiert. Das Mercedes-Benz-Werk hat ein weiteres Jubiläum: 100 Jahre Ausbildung am Standort. In lockerer Atmosphäre wurde an den Beginn der beruflichen Bildung am 1. Juli 1919 erinnert (Foto: Mandic). »-Mehr
Karlsruhe
´Ketten-Kollision´ mit fünf Autos

20.05.2019
"Ketten-Kollision" mit fünf Autos
Karlsruhe (red) - Eine Autofahrerin ist am Sonntag in Karlsruhe bei einem Unfall gleich gegen vier Autos gestoßen. Die Frau wurde bei der "Ketten-Kollision" leicht verletzt. An den insgesamt fünf unfallbeteiligten Autos entstand ein Schaden von rund 15.000 Euro (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Karlsruhe
Immer mehr Oldtimer in Baden-Württemberg

20.05.2019
Zahl der Oldtimer im Land steigt
Karlsruhe (lsw) - In Baden-Württemberg gibt es deutlich mehr zugelassene Oldtimer als noch vor einem Jahr. Am 1. Januar 2019 waren rund 86.000 historische Fahrzeuge in dem Bundesland gemeldet - ein Plus von rund 10.000 im Vergleich zu 2018 (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Sinzheim
Vorsicht vor Autodieben: Polizei gibt Tipps

18.05.2019
Vorsicht vor Autodieben
Sinzheim (red) - Nach dem Diebstahl eines Range Rovers und eines Mercedes Geländewagens in Iffezheim sind nun auch in Kartung zwei BMW gestohlen worden. Drei der betroffenen Wagen waren mit Komfort-Schließsystem ausgestattet. Die Polizei gibt Tipps zur Sicherheit (Symbolfoto: Heimken/dpa/av). »-Mehr
Ötigheim
Wohnmobilplatz in Ötigheim eingeweiht

18.05.2019
Wohnmobilplatz eingeweiht
Ötigheim (manu) - Nach dreimonatiger Bauzeit hat der Ötigheimer Bürgermeister Frank Kiefer den in der Rheinstraße in direkter Nachbarschaft zum Tennisplatz hergestellten Wohnmobilstellplatz seiner Bestimmung übergeben (Foto: Behrendt). »-Mehr
Umfrage

In immer mehr Freibädern müssen Sicherheitsdienste für Ordnung sorgen. Fühlen Sie sich dort unsicherer als früher?

Ja.
Nein.
Ich gehe in kein Freibad.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1