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Schaeffler kommt nicht zur Ruhe
Schaeffler kommt nicht zur Ruhe
29.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Gerold Hammes

Bühl - Die Unruhe und Verunsicherung in der Schaeffler-Belegschaft nimmt weiter zu. Nach den Schließtagen zwischen Weihnachten 2018 und Dreikönig erreichte die 5 500 Mitarbeiter an den Standorten Bühl, Sasbach und Kappelrodeck gestern Morgen eine weitere Hiobsbotschaft: Die Geschäftsleitung hat den geplanten Neubau des Entwicklungsgebäudes der Automotive-Sparte am Headquarter-Standort Bühl im nördlichen Gewerbegebiet Bußmatten, für das am 22. September vergangenen Jahres bereits der obligatorische Spatenstich vollzogen wurde, "bis auf Weiteres zurückgestellt".

Hintergrund ist die anhaltende Absatzkrise in der Automobilindustrie und die damit verbundene "deutliche Ergebnisabschwächung" der Automotive-Sparte. Dazu heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens, die unter anderem vom Vorstand Automotive OEM, Matthias Zink, und dem Leiter Operation, Trudbert Kraus, unterschrieben ist: "Wie andere Unternehmen in unserer Branche spüren wir die andauernden negativen Auswirkungen der Fahrzeugzulassungsprobleme durch den neuen WLTP-Zyklus in Europa, die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich Handelszöllen und ein rückläufiges Marktwachstum in China. In der momentanen Situation sind wir daher grundsätzlich aufgefordert, eine strenge Kostendisziplin an den Tag zu legen und hier auch die Investitionen zu überdenken."

Damit nicht genug mit dem Ungemach bei Schaeffler. Die Geschäftsleitung erwartet von der Belegschaft weitere acht Schließtage, und zwar an diesem Freitag und Samstag, am 21. und 22. Juni, am 16. und 17. August sowie am 4. und 5. Oktober. Diese sollen vorrangig dem Abbau von Zeitkonten dienen. Das operative Geschäft und die Belieferung der Kunden sollen dabei nicht beeinträchtigt werden.

Wie es in dem Schreiben der Bühler Geschäftsleitung weiter heißt, liege die Geschäftsentwicklung bei Schaeffler "deutlich hinter Plan". Die Annahme, dass sich die Lage im Frühjahr entspannen könnte, habe sich bislang nicht bestätigt. "Die Situation ist weiter sehr herausfordernd. Wir sind aus diesem Grund gezwungen, ein größeres Sparprogramm aufzulegen, um die Ergebnisse abzusichern." Dieses Ziel sei unter anderem durch die Reduzierung der Zeit- und Urlaubskonten zu erreichen. "Oberste Priorität des Sparprogramms ist, die Arbeitsplätze der Zukunft zu sichern."

In einer Sondersitzung des Betriebsrats vergangenen Freitag lehnte dieser den Antrag auf Schließtage über eine Betriebsvereinbarung ab. Die Begründung: Schaeffler in Bühl habe vergleichsweise hohe (Gleit)Zeitkontenstände. Es gebe Mitarbeiter mit mehreren hundert "gespeicherten" Stunden, aber auch solche mit Negativkonten. Und diese würden durch Schließtage noch zunehmen. Benachteiligt würden all jene Beschäftigten, die sich an ihre Arbeitszeit hielten und über ein ausgeglichenes Konto verfügen würden. Der Betriebsrat fordert ein "stimmiges Gesamtkonzept, wie mit unterschiedlich hohen Zeitkonten umgegangen wird".

Schließtage auf



freiwilliger Basis

Generell anerkennt der Bühler Schaeffler-Betriebsrat die aktuelle missliche wirtschaftliche Lage und lehnt Schließtage auch nicht kategorisch ab. Favorisiert werden allerdings "freiwillige Lösungen".

Norbert Göbelsmann, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Offenburg, rät der Geschäftsleitung, den Betriebsrat in die "Optimierung des Betriebsergebnisses" und in das Sparprogramm einzubeziehen. Schließtage stellten "erhebliche Eingriffe in die Zeitplanung der Arbeitgeber" dar.

Die Verschiebung des Neubaus nannte ein Insider des Unternehmens ein "schlechtes Signal" und wertet dies als Zeichen, dass die Geschäftsleitung in Herzogenaurach nicht davon ausgeht, dass mit der E-Mobilität bis auf Weiteres Geld zu verdienen sei.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr ließ über Pressesprecher Matthias Buschert ausrichten, dass dies "keine schöne Nachricht" sei, diese Entscheidung aber der aktuellen wirtschaftlichen Lage geschuldet sei. Andererseits gab er den unerschrockenen Optimisten: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

In dem Neubau sollte die Entwicklungsabteilung für das Bühler Headquarter Automotive untergebracht werden. Bis zu 350 neue Arbeitsplätze sollten am Standort Bühl geschaffen werden. Rund 60 Millionen Euro waren als Investitionssumme für die neue Bühler Unternehmenszentrale vorgesehen. Der Baubeginn war ursprünglich für dieses Frühjahr, der Bezug für Ende 2020 eingetaktet.

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