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Emotionale Momente für die Nachfahren aus Israel
Emotionale Momente für die Nachfahren aus Israel
03.06.2019 - 06:30 Uhr
Bühl (eh) - Gewöhnlich ist das große Hoftor am Anwesenr Hauptstraße 68 geschlossen und verwehrt Einblicke in den Innenhof. Interessierte können noch bis 23. Juni rein, denn das Stadtgeschichtliche Institut zeigt in dem historischen Gebäude die Ausstellung "Fritz Schneckenburger - Lehrer und Künstler".

Als Abrundung bot der Leiter des Stadtgeschichtlichen Instituts/Stadtmuseum, Michael Rumpf, am Wochenende zwei spannende baugeschichtliche Führungen an. Ins Zentrum rückte die jüdische Familie Wertheimer, die über lange Zeit in Bühl beheimatet war.

Am Freitagabend nutzten 14 Interessierte die Gelegenheit, mehr über das denkmalgeschützte Gebäude, das zu den ältesten noch erhaltenen Häusern der Stadt zählt, zu erfahren. Rumpf lotste die Gruppe zunächst auf die gegenüberliegende Seite der Hauptstraße, um sich einen Eindruck von der Gebäudeansicht zu verschaffen. "Als Kind habe ich oft vor dem Schaufenster gestanden und die ausgestellte große Kaffeemühle bestaunt", erinnerte sich Rumpf. Diese stehe jetzt im Stadtmuseum. Im Ladenschaufenster habe die Firma Berko damals neben Kaffee auch Zigarren und edle Spirituosen ausgestellt.

Rumpf wies auf das kleine Schild an der Fassadenfront hin, das zeigt, dass das Gebäude Teil des jüdischen Stadtrundgangs ist. Dies habe ihn bewogen, die Historie des Hauses, die eng mit der Familie Wertheimer verwoben sei, näher zu erforschen. Im vergangenen Jahr seien Nachfahren der Familie aus Israel zu Besuch in Bühl gewesen. Man habe es ihnen ermöglichen können, sie durch das Gebäude zu führen. Rumpf: "Es war für die Gäste sehr emotional zu sehen, wie frühere Generationen ihrer Familie in Bühl gelebt haben."

Alte Baupläne hatte der Museumsleiter mitgebracht und seine Recherchen aus alten Dokumenten, aus denen hervorgeht, dass das Vorder- und Hinterhaus seit 1812 der Familie Wertheimer gehörten. Zuvor hätten sie ein kleines, altes hinteres Haus gekauft. Ein Grundbuch habe es damals nicht gegeben.

Neben den Gebäudebeschreibungen erklärte Rumpf auch, nach welchen Regelungen das Eigentum weitervererbt und zu welchen gewerblichen Zwecken alles genutzt wurde.

Als David Wertheimer das Anwesen 1861 erbte, gründete dieser e ine Eisenhandlung. Diese florierte so gut, dass er bald mehrere Lager am Güterbahnhof einrichtete und die Massenbach-Villa (heute Sparkasse) als Wohnhaus kaufte. Rumpf schilderte das weitere Schicksal des Unternehmers, der 1939 nach Mannheim zog und von dort deportiert wurde, während seine Frau nach Palästina ausreisen konnte. Sein Anwesen in der Hauptstraße 68 hatte er 1932 an Ludwig Bermannseder verkauft.

Dieser arbeitete als Geschäftsführer bei der Zigarrenfabrik Schweizer und machte sich 1942 mit der Firma Berko, die unter anderem auch Tabak verarbeitete, selbstständig. In der Hauptstraße sei nur das Lager gewesen, während in der Sternenstraße produziert worden sei, so Rumpf. Er führte in die Lagerräume, in denen jetzt die Ausstellung zu sehen ist. "Es wurde nie zu Wohnzwecken genutzt. Die massive Holzkonstruktion, wie sie für ein Eisenmagazin erforderlich war, ist noch original erhalten. Das ist ein echter Glücksfall", konstatierte Rumpf.

Ein weiterer Glücksfall sei eine original erhaltene Küche im ersten Obergeschoss mit einem Steinfußboden und einer offenen Feuerstelle. Da die Räume vermietet sind, konnten sie nicht von innen besichtigt werden. Das Anwesen habe vor Jahren ein Acherner erworben. Der derzeitige Mieter sei interessiert, das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und habe es ermöglicht, die Ausstellung einzurichten.

Spannend war auch die Besichtigung des Kellers mit uralten Eichenbalken und einem im Zweiten Weltkrieg eingerichteten, kleinen Luftschutzkeller.

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