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Von Ungeziefer, Aas und Trichinen
Von Ungeziefer, Aas und Trichinen
07.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Udo Barth

Bühl - Manchen Bühler Bürgern ist der Straßenname schon aufgrund des dort befindlichen Finanzamts unsympathisch. Aber was der Historiker Volker Ilgen am Mittwochabend im Bürgerhaus Neuer Markt über den Bühler Bürgersohn und Namensgeber der Alban-Stolz-Straße unweit des Bahnhofes zu berichten wusste, ist schlichtweg ungeheuerlich.

Alban Stolz war schon vor einiger Zeit Thema in Freiburg, wo sich eine Kommission gebildet hatte, die sich Gedanken machte, welche der Personen, nach denen Plätze und Straßen benannt sind, schwarze Flecken in ihrer Biografie aufweisen. Dazu zählte auch der 1808 geborene katholische Theologe und Volksschriftsteller. Der Empfehlung der Kommission, die Alban-Stolz-Straße in Freiburg umzubenennen, schloss sich der dortige Gemeinderat in der Erkenntnis an, dass mit dieser Namensgebung kein demokratisches Feld zu beackern sei.

Schon klar - der bissige Kämpfer für die Rechte der katholischen Kirche im sogenannten "Kulturkampf" hegte bekanntermaßen ein abgründiges Misstrauen gegenüber dem weiblichen Geschlecht, sofern es sich nicht um Nonnen handelte. Aber der mit hohen Auflagen schreibende Stolz verbreitete eine weitaus menschenverachtendere Ideologie, die Anlass zu Diskussionen gibt, so auch bei der Informationsveranstaltung im Bürgerhaus, zu der die Stadtverwaltung eingeladen hatte.

In seinem aufschlussreichen, informativen, aber auch oftmals bedrückendem Vortrag hob Ilgen den latenten, ja gefährlichen Antisemitismus des Mannes im schwarzen Talar hervor. Stolz nutzte seine Popularität als Schriftsteller wie heutzutage die User der (as)sozialen Netzwerke, um Hass zu verbreiten. Dass im 19. Jahrhundert der überwiegende Teil der Intellektuellen antisemitisch eingestellt war, ist bekannt. Aber was dieser Kämpfer der katholischen Heilslehre da verbreitete, machte sprachlos. Seine antisemitischen Äußerungen kamen in den Kalendern, aber auch in seinen Tagebüchern zum Tragen. So schürte er das Feindbild vom "ewigen Juden". Er bereitete, zwar ohne Absicht, mit den Boden für die spätere Schoah im Dritten Reich.

Als eine spezielle Gruppe hatte Stolz besonders jene im Visier, die er als "Herrenjuden" bezeichnete, womit er das Judentum in den Städten meinte, das ihm anscheinend morphologisch zweifach verabscheuungswürdig schien, als Jude und als Städter. So ist die Rede von Ungeziefer, Aas und Trichinen, die es zu bekämpfen gelte.

In der Diskussion stellte sich heraus, dass Stolz diese Ideologie tausendfach multiplizierte. Viele Besucher wiesen darauf hin, dass eine bloße Tilgung des Straßennamens die Lösung nicht sein könne. Einig war man sich allerdings darin, dass dieser Name kein Vorbild für die Stadt sein dürfe. Michael Rumpf, Leiter des Stadtgeschichtlichen Instituts, merkte zum im Rathaus befindlichen Fenster mit dem Konterfei von Stolz an, dass dieses eine Info-Tafel erhalten solle. Wie auch immer der Gemeinderat im Fall der Straße entscheiden werde, bei einem Weiterbestand soll zumindest ein Zusatzschild angebracht werden. Und auch die Tage des Alban-Stolz-Hauses scheinen gezählt. Bei bei einem eventuellen Neubau soll auf die bisherige Namensgebung verzichtet werden.

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