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Fast keine Spur vom Langohr
19.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Bühl - Der Winzling, der das Großprojekt ins Wanken gebracht hat, scheint ausgeflogen zu sein. Bernd Matthias steht auf dem Dachboden des Klosters Neusatzeck und zeigt auf zwei unscheinbare Flecken auf dem Boden: "Das hier könnte Fledermauskot sein." Ansonsten ist vom Grauen Langohr keine Spur zu sehen. Das nur vier Zentimeter kleine Tier hat Matthias in den vergangenen Monaten große Kopfschmerzen bereitet. Es durchkreuzte die Pläne der Investoren, das Mutterhaus des Klosters abzureißen, um ein Altenpflegeheim zu errichten. Doch jetzt könnte sich das Problem von selbst erledigt haben.


Wie berichtet, hatten Gemeinde- und Ortschaftsrat den Plänen im vergangenen Jahr bereits zugestimmt. Doch dann entdeckte ein Gutachter sieben Langohren-Mütter mit fünf Jungtieren und ein Männchen im Dachstuhl - eine sogenannte Wochenstube der streng geschützten Tierart. Der Abriss schien damit vom Tisch zu sein. Der Investor wollte die Flinte aber nicht ins Korn werfen und plante um. Das Mutterhaus sollte erhalten und saniert werden, ergänzt durch einen Neubau. Dieses Konzept stieß jedoch auf breite Ablehnung im Ortschaftsrat. Am 8. Mai sollte das Thema noch einmal im Gemeinderat besprochen werden, doch der Tagesordnungspunkt wurde kurzfristig gestrichen. Denn Matthias hatte in der Zwischenzeit erfahren, dass es noch eine weitere Möglichkeit gibt: den Umzug der Fledermäuse.

Dafür benötigt er eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP). Ein erster Termin mit der Behörde steht in den kommenden Wochen an. Im Vorfeld stieg der Projektentwickler erneut mit dem Gutachter ganz nach oben unters Klosterdach. Die Bilanz der Langohr-Inspektion: "Wir haben kein einziges Tier gesichtet."

Angesichts dieser Beobachtung würde der Investor lieber heute als morgen handeln. Wenn das RP die Ausnahmegenehmigung erteilt, könnte schon bald schweres Gerät anrücken. Um vorbereitet zu sein, verhandelt Matthias bereits mit Abrissunternehmen. Seine Wunschvorstellung: Der 100-Zimmer-Klotz entlang der Schwarzwaldstraße wird noch vor dem Winter plattgemacht. Dann könnten im Frühjahr die Arbeiten für den Neubau beginnen, die Fertigstellung wäre Ende 2021.

Ein erneuter Grundsatzbeschluss des Gemeinderats dürfte nicht notwendig sein, da sich die Pläne weitgehend mit dem ursprünglichen Konzept decken, das das Gremium schon genehmigt hat. Es sieht anstelle des Mutterhauses ein Pflegeheim mit 100 Plätzen vor. Talwärts wird es flankiert von einem weiteren Neubau mit rund 40 Appartements für betreutes Wohnen. Ein Unterschied zum bekannten Konzept: Auch das benachbarte Ökonomiegebäude muss weichen. Das ursprüngliche Ansinnen, es zu erhalten, ist laut Matthias wegen Baumängeln nicht umsetzbar. Der an seiner Stelle geplante dritte Neubau entspricht in seinen Dimensionen ungefähr dem Bestand und soll unter anderem Raum für ein Tagespflegeangebot, ein Friseur- und Fußpflegestudio, einen Hofladen, Mitarbeiterwohnungen und Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige bieten.

Mit Plänen wieder am Anfang angelangt

Somit ist der Investor mit seinen Plänen fast wieder am Startpunkt seiner Odyssee durch Genehmigungsbehörden und Entscheidungsgremien angelangt. Er habe von der Möglichkeit, die Tiere mittels Ausnahmegenehmigung umzusiedeln, schlicht nichts gewusst. Die Umplanungen hätten ihn mehrere hundertausend Euro gekostet. Das sei zwar nur ein Bruchteil der Gesamtinvestitionskosten in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro, schmerze aber trotzdem. Schlimmer wiege jedoch der Zeitverlust. Seine potenziellen Geschäftspartner für das Großprojekt - Kandidaten für den Betrieb des Pflegeheims, Mieter für die Geschäftsräume und Investoren für die Appartements - seien trotzdem noch alle bei der Stange. Sie wissen offenbar, dass Matthias ziemlich hartnäckig sein kann.

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