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Mit Lesestab und Zaubertafel im Einsatz
Mit Lesestab und Zaubertafel im Einsatz
06.07.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (red) - Lesen mit Ina Huber, das genießen die Erstklässler der Aloys-Schreiber-Schule: Zwei Mal pro Woche kommt die Bühler Rentnerin in die Grundschule und kümmert sich parallel zum Deutschunterricht jeweils um ein Kind, das Hilfe benötigt. Ihre Schützlinge sind nicht etwa nur Flüchtlingskinder, wie die verwitwete Seniorin erzählt: Auch Deutsche sind dabei, manche mit Migrationshintergrund.

Ursprünglich freilich war Huber ausschließlich für Flüchtlinge im Einsatz, heißt es in der städtischen Mitteilung. Als ihr Mann starb und die entsprechenden Heime in Bühl voll belegt waren, erachtete sie es als sinnvoll, ihre Fähigkeiten ehrenamtlich einzubringen und den Neuankömmlingen auf dem Weg zur Integration zu helfen. Nicht nur um der Flüchtlinge willen, wie sie freimütig einräumt: "Auch ich selbst fand so wieder Inhalt und Ziel im täglichen Ablauf."

Zunächst widmete sie sich auf Vermittlung des Rathauses den ganz Kleinen in einer der Sammelunterkünfte: "Dort habe ich den Zwei- bis Vierjährigen spielerisch Deutsch beigebracht." Im Zuge der Auflösung des Heims wurde sie gebeten, Flüchtlinge an der Bachschlossschule in einer Vorbereitungsklasse zu unterrichten. "Dort hatte ich mit Teenagern zu tun. Ich fand einen meiner Erfahrung nach sehr effektiven Weg, ihnen Sprache und Land gleichzeitig nahe zu bringen, und zwar über die Kinderseite einer Zeitung, wo in einfachen Worten interessante Themen erklärt werden."

Aufgrund eines Sturzes zog sie sich zeitweise aus dem Engagement zurück. Als es ihr besser ging, bat die städtische Flüchtlingsbeauftragte Lisa Horcher sie, als Lesepatin an der Aloys-Schreiber-Schule aktiv zu werden, wie sie zurückblickt. "Es bereitet mir und den Kindern gleichermaßen Vergnügen", berichtet sie. "Da ich von Beruf Kinderkrankenschwester bin, bin ich im Umgang mit ihnen ja auch erfahren."

Lehrerin Isabel Turibio zeigt sich begeistert über die Idee der Lesepatenschaften. Der Bedarf bestehe auf jeden Fall, und die Kinder liebten es, in Huber eine Erwachsene zu haben, die "eins zu eins" für sie da sei. "So eine intensive Betreuung haben sie zu Hause oft nicht mehr, die Eltern sind teilweise beruflich sehr eingespannt. Und die meisten Schüler bleiben bis 16 Uhr an der Schule, im Normalfall in Gruppen, da ist für eine so individuelle, konzentrierte Zuwendung kaum Raum." Turibio erzählt auch eine kleine Erfolgsgeschichte: "Alles begann mit einem Flüchtlingsmädchen, das Unterstützung benötigte. Die Kleine hat bald so toll gelesen, dass sie keine Patin an ihrer Seite mehr brauchte. Aber es gab sogleich weitere Kandidaten." Aus der "Lesestunde" kommen die Kinder ihr zufolge nicht selten stolz zurück: "Sie haben das Gefühl, etwas geschafft zu haben." Die Kinder sind bei Huber zugleich ihren Mitschülern sehr nah, sitzen sie doch zwischen Lernatelier und Klassenraum, über große Glasfenster einsehbar. Huber fühlt sich übrigens nicht nur von den Kindern anerkannt ("Sie hängen sehr an mir"), sondern spürt auch Wertschätzung vonseiten der Schule. "Gesten der Anerkennung wie ein kleines Geschenk zu Weihnachten machen mir natürlich Freude."

Doch nun heißt es Lesen: Vor Ina Huber und Erstklässlerin Elaria liegen Lernmittel wie ein Lesestab oder eine Magnet-Zaubertafel. Zunächst einmal wiederholt Elaria aber einen Text aus ihrem Lesebuch. "Gabi und Gisela sind schon am Turm", geht sie Wort für Wort mit Huber durch. "Gut", lobt diese, und Elaria strahlt.

Neben den Lesepatenschaften bietet der Unterstützerkreis Bühl auch Sprachkurse und -tandems sowie Nachhilfe. Interessierte Ehrenamtliche können sich an Lisa Horcher wenden, (0 72 23) 9 35-5 01, E-Mail: l.horcher.stadt@buehl.de. Weitere Arbeitsfelder sind gesellschaftliche Integration, Arbeiten, Wohnen und Patenschaften.

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