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Drogendeal entpuppt sich als Luftnummer
Drogendeal entpuppt sich als Luftnummer
08.07.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden/Bühl (bgt) - Freunde, Verwandte und Bekannte der vier Angeklagten verfolgten auch am zweiten Verhandlungstag in hoher Zahl den Prozess vor dem Landgericht Baden-Baden. Den Männern mit Migrationshintergrund im Alter von 20, 21 und jeweils 26 Jahren wird bandenmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Ihre Festnahme im vergangenen Dezember in Vimbuch verlief spektakulär.

Bei drei von ihnen kommen die Anklagepunkte tätlicher Angriff auf Vollzugsbeamte und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr hinzu. Beim Zugriff der Polizei, als das Rauschgift übergeben werden sollte, hatte der 20-jährige Hauptangeklagte mit seinen beiden Kollegen im Wagen zu fliehen versucht. Das verhinderte ein Polizeibeamter durch gezielte Schüsse.

Zu der durch die Polizei inszenierten Scheinübergabe war es gekommen, nachdem sich der 21-Jährige, mit dem die drei anderen den Deal hatten abwickeln wollen, an das Landeskriminalamt gewandt und um Schutz gebeten hatte. Denn im Lauf der Verhandlungen mit den anderen Angeklagten, in denen es anfangs zunächst um 20 Kilogramm Marihuana für 60 000 Euro und schließlich um 50 Kilogramm für 70 000 Euro gegangen sein soll, habe das Trio nach seinen Worten eine zunehmend größere Drohkulisse aufgebaut. Er habe sogar schon in Erwartung des "Stoffs" eine Anzahlung von 15 000 Euro geleistet. Schließlich habe man ihm bei einem Treffen acht Säcke in einem Lieferwagen gezeigt, in denen "hochwertiges" Marihuana verpackt gewesen sein soll, für das die Männer aber nun weit mehr Geld hätten haben wollen. "Doch ich hatte nichts mehr. Aber sie erklärten, dass ich jetzt aus der Sache nicht mehr herauskäme", schilderte der geständige 21-Jährige die Situation. Doch man habe ihm gedroht, wenn er nicht für die "Clan-Familie" arbeite und weiter zahle, werde man ihn "kaltmachen". Schließlich habe man gefordert, dass er monatlich 10 000 Euro "Schutzgeld" zahlen müsse, für das er auch Marihuana in Kommission bekommen und dann weiterverkaufen könne.

Aus Angst bei Polizei Schutz gesucht

Das mit dem Schutzgeld wollte dem Richter nicht einleuchten. "Wenn ich für jemanden arbeite, dann zahle ich doch kein Schutzgeld", lautete sein Kommentar, doch der Angeklagte blieb bei seiner Darstellung und bekräftigte, dass ihm nichts anderes übrig geblieben sei, als sich von überall her Geld zu besorgen. Doch dann habe er Angst bekommen und sich nicht mehr anders zu helfen gewusst als bei der Polizei um Schutz nachzusuchen.

Der große Rauschgiftdeal für 70 000 Euro - was ohnehin hätte stutzig machen müssen, denn in der Regel wäre laut Auskunft des Landeskriminalamtes die Menge mehr als das Doppelte wert gewesen - entpuppte sich als Luftnummer. Nach Aussage der drei anderen Angeklagten hatten sie zu keinem Zeitpunkt über eine derartige Menge an Marihuana verfügt. Das Trio habe die Aktion nur gestartet, um an Geld zu gelangen. "Ich kenne da einen, den können wir abzocken", hatte es geheißen.

Die Verhandlung wird mit der Vernehmung der Zeugen fortgesetzt.

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