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Demonstranten müssen nicht nachsitzen
Demonstranten müssen nicht nachsitzen
09.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Bühl - Der Klimawandel erreicht Bühl in dieser Woche mit voller Wucht - zumindest thematisch. Für Freitag haben Schüler erstmals eine "Fridays for Future"-Demonstration angemeldet. Bereits morgen Abend wird der Bühler Gemeinderat in seiner Sitzung im Bürgerhaus wohl den Klimanotstand ausrufen. Dieser Schritt könnte konkrete Auswirkungen auf künftige Infrastrukturprojekte haben.

"Das ist keine launige Protest-Aktion, sondern ein wirkliches Anliegen", sagt Oberbürgermeister Hubert Schnurr über die geplante Schülerdemonstration. Beim Start um 10 Uhr auf dem Markt- und Kirchplatz will er vor Ort sein.

Auch die Bühler Schulleiter unterstützen das Anliegen der Jugendlichen. Wer am Freitagmorgen in Sachen Klimaschutz durch Bühl zieht, anstatt im Klassenzimmer zu sitzen, muss keine Strafen befürchten.

Andrea Körner, Rektorin des Windeck-Gymnasiums, sagt: "Wir sanktionieren die Teilnahme an der Demo nicht." Einfach so können die Schüler aber nicht auf den Unterricht pfeifen. Sie müssen sich vorher beim Lehrer abmelden und eine Unterschrift der Eltern vorlegen. "Das wird dann im Klassenbuch dokumentiert", sagt Körner. Sie findet den Einsatz der Schüler zwar lobenswert, würde es aber noch lieber sehen, wenn die Demos außerhalb der Unterrichtszeit am Freitagnachmittag oder auch samstags stattfänden. "Das würde das Engagement der Schüler noch glaubhafter machen", findet sie.

Diese Meinung teilt ihre Kollegin Constanze Velimvassakis von der Bachschlossschule nicht. Würden die Schüler außerhalb der Unterrichtszeit demonstrieren, wäre die öffentliche Aufmerksamkeit geringer, glaubt sie.

Auch sie kündigt an: "Wir werden unseren Schülern die Teilnahme ermöglichen." Das Anliegen der Kinder und Jugendlichen sei absolut unterstützenswert. "Ich finde es generell positiv, wenn sich junge Menschen engagieren und an der Demokratie teilhaben", sagt Velimvassakis.

Ins gleiche Horn stößt Bernd Jacobs, Konrektor der Handelslehranstalt. Da es in der Region bislang nur wenige Protestveranstaltungen gab, sei der Unterrichtsausfall allemal zu verkraften. "Es ist doch gut, dass sich die Jugendlichen für etwas einsetzen", sagt er. Bereits in der Vergangenheit hätten HLA-Schüler vereinzelt an "Fridays for Future"-Demos in Achern und Baden-Baden teilgenommen. Die Schüler mussten dafür ihren Klassenlehrer ansprechen, der die Fehlzeit dann mit einem entsprechenden Eintrag vermerkte. Sanktionen gab es nicht. "Das hat gut funktioniert", sagt Jacobs. Deshalb werde die Schule auch am Freitag so verfahren.

Claudia Jokerst, an deren Büro in der Aloys-Schreiber-Schule die Demonstration direkt vorbeiziehen wird, sieht den Einsatz der Schüler ebenfalls positiv. "Ich finde das toll", sagt die Rektorin. Sie kündigt außerdem an, dass die Themen Klimawandel und "Fridays for future"-Bewegung im kommenden Schuljahr auch noch einmal im Unterricht aufgegriffen werden sollen: "Wir wollen die Schüler ja ernst nehmen."

Eine gewisse Ernsthaftigkeit verlangt sie aber auch von den Kindern und Jugendlichen selbst. Wer am Freitag auf die Demo möchte, muss dafür eine schriftliche Begründung vorlegen. "Die Schüler sollen sich mit der Thematik auseinandersetzen", erklärt Jokerst diese Vorgabe. Außerdem müssen sie eine Entschuldigung der Eltern einreichen.

Auch Gewerbeschul-Rektor Martin Schilli kündigt an, mit dem Thema "pragmatisch umzugehen", also keine Sanktionen anzudrohen. Er erinnert allerdings auch daran, dass Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) klargestellt habe, dass eine grundsätzliche Freistellung der Schüler für die Demonstrationen nicht zulässig sei.

Nicht mit der Unterrichtszeit im Konflikt stünde ein Besuch der Gemeinderatssitzung morgen um 18 Uhr im Bürgerhaus. Dort steht die Erklärung des Klimanotstands auf der Tagesordnung. OB Schnurr steht diesem Schritt positiv gegenüber, der mehr als ein symbolischer Akt sei.

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