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Jobgarantie in schwierigen Zeiten
Jobgarantie in schwierigen Zeiten
10.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Bühl - Das Bühler Bosch-Werk hat im vergangenen Jahr einen Rekord aufgestellt. Erstmals wurden dort 100 Millionen Motoren und Antriebe gefertigt. "Das war richtig, richtig gut", sagte der kaufmännische Werkleiter Ulrich Vogel gestern beim Jahrespressegespräch des Standorts Bühl/Bühlertal. Allerdings gingen die Auftragszahlen in der zweiten Jahreshälfte zurück. Für 2019 erwartet Vogel schwierige Bedingungen. Die 4 200 Mitarbeiter müssen aber nicht um ihre Jobs fürchten. Bis 2023 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Das ist ein Eckpfeiler einer neuen Betriebsvereinbarung.

Wie Vogel gestern erklärte, sei die Vereinbarung bereits im Januar mit dem Betriebsrat abgeschlossen worden. Der Werkleiter bezeichnete dies als "Meilenstein" in einer schwierigen konjunkturellen Lage. Der Konzern verpflichte sich außerdem, in den kommenden fünf Jahren 100 Millionen Euro in neue Produktionslinien und in den Gebäudeerhalt in Bühl und Bühlertal zu investieren.

Wie der technische Werkleiter Gregoire Jedrzychowski erläuterte, sollen allein im aktuellen Jahr 40 Millionen Euro in den Standort fließen. Neben der Fertigstellung des Campus entlang der B 3 bis zum Jahresende stünden Investitionen in neue Fertigungslinien und Produkte auf dem Plan.

Vogel rechnet damit, dass die Produktion 2019 erneut die Stückzahl von 100 Millionen erreichen wird. Dazu zählten die "etablierten Erzeugnisse" wie Motoren für Fensterheber, Schiebedächer, zur Sitzverstellung oder Scheibenwischersysteme, die in Fahrzeugen benötigt werden, unabhängig ob diese elektrisch oder mit Verbrennungsmotor angetrieben werden. Das Wachstum sollen neue Produkte sichern, wie eine Wasserpumpe, die in der Thermokontrolle von Elektromotoren zum Einsatz kommt. Zum Portfolio gehört mittlerweile auch ein Lenkungsmotor für das autonome Fahren.

Das Thema Elektrifizierung spielt für Bosch nicht nur im Automobilbereich eine große Rolle, sondern auch bei Fahrrädern, Elektro- und künftig verstärkt auch bei Tretrollern. Produktmanager Johannes Kähm stellte gestern außerdem einen ganz neuen Einsatzbereich vor: einen Kinderwagen, bei dem ein Elektroantrieb dafür sorgt, dass die Eltern auch am Berg nicht ins Schwitzen geraten. Außerdem erfüllt der Antrieb Sicherheitsfunktionen und verhindert zum Beispiel, dass der Kinderwagen bei abschüssigem Gelände davonrollt. Seine Energie speist der Antrieb aus einem handelsüblichen Akku, wie er beispielsweise bei einem Bohrschrauber zum Einsatz kommt. "Die Kunden können sich einen Ersatzakku einfach im Baumarkt holen", sagte Kähm. Die ersten Kinderwagen, bei dem das System zum Einsatz kommt, will ein schwedischer Hersteller Anfang kommenden Jahres auf den Markt bringen.

Vogel gibt sich angesichts solcher Entwicklungen selbstbewusst: "Wir haben innovative Produkte und konkurrenzfähige Preise." Allerdings herrsche am Markt ein hoher Wettbewerbsdruck. Die globalen Entwicklungen machten vor Bühl nicht Halt.

"Keine Impulse für baldige Besserung"

Auf die weltweite Marktlage ging Bernhard Straub ein, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Electrical Drives (ED). Dieser umfasst 20 Werke mit rund 19 000 Mitarbeitern. Der Standort Bühl/Bühlertal ist dabei als sogenanntes Leitwerk die Keimzelle für neue Produkte und Fertigungsprozesse. "2019 wird ein schwieriges Jahr", sagte Straub. Der Geschäftsbereich kämpfe mit starkem Gegenwind. Während bislang vor allem die Regionen Nordamerika und China schwächelten, verschärfe sich die Situation nun zunehmend auch in Europa. "Und wir sehen keine Impulse für eine baldige Besserung", sagte Straub. Da es sich nicht nur um eine Konjunkturdelle handle, sei es umso wichtiger, das Kostenmanagement an den einzelnen Standorten konsequent weiterzuverfolgen. Die Sparmaßnahmen reichten von der Optimierung vorhandener Produktionslinien bis hin zur Umrüstung des Hallenlichts auf LED-Technik und den Austausch von ineffizienten Geschirrspülern in der Kantine.

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