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Sonne scheint, Himmel weint
13.07.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Das Wetter meinte es nicht gerade wohlwollend mit den jungen Klimaschützern zur Premiere der "Fridays-for-Future"-Demo gestern Vormittag in der Bühler Innenstadt. Immerhin: Von der Erderwärmung war nichts zu spüren. Dafür sorgten heftige Regenduschen und bisweilen auch Donner-Grollen. Aber es gab am Himmel auch Lichtblicke, und vor allem hinsichtlich der Resonanz schien in den Herzen der lautstarken Teilnehmer die Sonne. Der Leiter des Bühler Polizeireviers, Walter Kautz, sprach von 600 Demonstranten.


Auf den Kirchentreppen am Nordflügel von St. Peter und Paul stimmt eine CD über Lautsprecher sinnigerweise in die Klimakundgebung ein: Die Gruppe 2raumwohnung schmettert ihren Hit 36 Grad ("und es wird noch heißer, mach' den Beat nie wieder leiser"). Unter einem kleinen, burgunderroten Zelt einer Winzergenossenschaft stimmen die drei Organisatorinnen Sofie-Katrin Pfeifer (18), Maren Seiler (17) und Katrin Khandali (18, alle Windeck-Gymnasium) letzte Details ab. Sie berichten en passant den Medienvertretern, dass die Idee für ein Bühler Friday-Happening am 7. Juni in Achern geboren wurde, wo ebenfalls Schüler auf die Straße gingen.

Gestern in Bühl waren es Kinder und Jugendliche im geschätzten Alter zwischen zehn und 18 Jahren. Gewöhnlich sitzen sie zu dieser Zeit in den Klassenzimmern des Windeck-Gymnasiums, der Carl-Netter-Realschule, des Wirtschaftsgymnasiums oder der Handelslehranstalt. Das weibliche Trio erklärt, dass es sich bei der Demo um keine Eintagsfliege handeln soll. Der Freitag sei auf jeden Fall gesetzt, zwangsläufig müsse dies aber nicht zur Unterrichtszeit sein. In der Zwischenzeit hat der "DJ" Tim Bendzko aufgelegt: "Muss nur noch kurz die Welt retten."

Katrin Khandali gibt danach die Einpeitscherin. Über das Mikro sendet sie die Parolen aus, die die jungen Klimaschützer laut nachbeten: "Hopp, hopp, Klimastopp!" Oder: "Streik in der Schule, Streik in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf Eure Politik!" Oder: "1,2,3,4 - für das Klima sind wir hier, 5,6,7,8 - RWE wird plattgemacht, 9 und 10, dieser Streik wird weitergeh'n!"

Danach spricht Oberbürgermeister Hubert Schnurr ein Grußwort. Er finde es "ganz toll", dass Schüler für den Klimaschutz demonstrieren würden, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Und er spricht eine Einladung aus: Noch vor der Sommerpause werde er Vertreter der Bühler Future-Bewegung und des Gemeinderats ins Rathaus bitten, um Ideen für einen besseren Klimaschutz zu besprechen. Er wünsche eine "kritische Auseinandersetzung" mit dem Thema, weil: "Nur gemeinsam können wir was bewegen."

Lauter Beifall schallt ihm entgegen, vermutlich der phonstärkste in seiner bisherigen OB-Amtszeit.

"Seid Ihr gut drauf?", fragt danach Sofi-Katrin Pfeifer: "Yeah!", schreit die Menge zurück. Timo Müller (Heimschule Lender) greift zur Gitarre und trifft mit seiner Eigenkomposition "Die Sonne scheint, der Himmel weint" den Nerv des Publikums, darunter auch viele Lehrer, Eltern und neugierige Bühler wie die zwei GAL-Stadträte Thomas Wäldele und Peter Teichmann sowie die CDU-Fraktionsvorsitzende Margret Burget-Behm.

In einer Regenpause strecken die jungen Demonstranten ihre Plakate hoch. Darauf zu lesen sind Botschaften wie "Fehlstunden verkraftet man, Klimawandel eben nicht", "Kohle bitte lieber in die Bildung", "Fuck the System", "Wir streiken, bis Ihr handelt" oder "Oma, was ist ein Schneemann?"

Der Windeck-Schüler Hendrik van Klinken thematisiert die "Heuchelei und Doppelmoral" in der Klimapolitik. Diese müsse versuchen, die Erderwärmung abzuwenden, zumindest aber zu lindern. Vor allem namentlich die CDU, aber auch "andere Parteien" bekommen ihr Fett ab, weil sie "grob fahrlässig" die Verantwortung beiseiteschöben und von Panikmache sprächen. Van Klinken fragt in die Menge: "Ist das Panikmache?" "Nein!", lautete das einhellige Echo.

Eine kalte, verbale Dusche bekommt auch der mittelbadische CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker ab. Er soll bei einer Podiumsdiskussion im Windeck-Gymnasium im Frühjahr gesagt haben, dass es für das Klima nicht entscheidend sei, ob der Einzelne morgens mit dem Fahrrad zur Schule fahre oder nicht. Dafür setzt es gellende Buh-Rufe aus dem Publikum. Der junge, leicht charismatische Redner schließt mit dem Appell: "Wir müssen große Ideen im Kleinen leben und in den Alltag integrieren. Nur dann haben wir eine Chance!"

Danach setzt sich der Demonstrationszug mit Polizeieskorte über Friedrichstraße, Europaplatz, Netter-Realschule, Elisabethenstraße, Rheinstraße und Hauptstraße in Bewegung, um sich auf dem Kirchplatz aufzulösen. Der Himmel weint nicht mehr, und im Turm von St. Peter und Paul schlagen die Glocken.

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