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Operetten-Juwelen funkeln in voller Pracht
13.08.2019 - 07:58 Uhr
Von Udo Barth

Bühl - Das Wetter zeigt sich von seiner heitersten Seite, die Musik ist es auch - was will man mehr erwarten vom musikalischen Entrée des Bühler Kultursommers auf dem Europaplatz. Die Zutaten zu einem beschwingten Operettenabend entstammen aus den Federn von Johann Strauß oder Franz Lehar, der gerne anscheinend die Frauen geküsst haben soll. Aber "Die Lippen schweigen", so die mit natürlichem, aber durchaus eindrucksvollem Sopran agierende Ingrid Fraunholz.



Das Salonorchester Bühl, verstärkt durch Lehrerinnen und Lehrer der Städtischen Schule für Musik und darstellende Kunst, widmet sich der nicht einfachen Kunst, die eine Unbeschwertheit tonmalerisch in der kleinen Schwester der Oper offenbart. Der Drei-Viertel-Takt des Wiener Walzers hüpft geradezu durch die Mitte Bühls, wenn "Leichtes Blut" angesagt wird. Champagner muss es fürwahr nicht sein, denn zur gleichnamigen Polka des Walzerkönigs taugen auch die Perlen eines Produkts aus Affentaler Gemarkung, um die Gaumen zu reizen.

Das vom Musikschulchef Bernhard Löffler mit sichtlicher Energie geleitete Ensemble liefert Argumente, dass es sich bei der oft unterschätzten, ja sogar belächelten Operette durchaus um eine veritable Gattung handelt, die nichts weiter will, als tonmalerisch der Unterhaltung zu dienen. Frisch und schwungvoll sorgt das Salonorchester für einen entspannenden Freiluft-Musikabend, bei dem keiner ob der nicht vorhandenen enormen Dezibelmarken seinen Unmut äußern wird.

Im Gegenteil: Während Ingrid Fraunholz mit schlank, auch in höheren Regionen gekonnt geführtem Sopran der Liebe in Lehars "Paganini" huldigt oder der mit einschmeichelndem Tenor und überzeugender Bühnenpräsenz agierende Burkhard Solle die Frauen küsst, ist an diesem Abend der Donauwellen einfach nur Wohlklang zu verspüren.

Nun gut, als Badener hätte man gerne auf die "Sieben Schwaben" von Carl Millöcker verzichten können, aber wenn es sich denn nur um sieben handelt, kann man dies angesichts des bestens gefüllten Europaplatzes problemlos wegstecken. Die Juwelen der Operettenkultur dieses Abends funkeln in aller Pracht.

Die vom moderierenden Dirigenten Löffler angekündigte Mitmach-Nummer "Bacchus-Polka" ist so schwer nicht, das "Tralala" geht dem Publikum gut über die Lippen. Schlag auf Schlag legt Löffler Partituren aufs Dirigentenpult, die wahre Meisterleistungen des Ensembles zum Leuchten bringen.

Für die emotionale Achterbahnfahrt durch die Liebeswirren sorgt das Vokalduett, "Tanzen möchte ich ja so gerne", und wer will der Aussage widersprechen "Gern hab ich die Frauen geküsst."

Es ist ein rundum gelungener Kultursommer-Eröffnungsabend, der da mit viel Schwung und tollen Melodien dem musikalischen Himmel zustrebt.

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