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Streng geschützten nächtlichen Jägern auf der Spur
Streng geschützten nächtlichen Jägern auf der Spur
04.09.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (red) - "Ruf, Philipp - je öfter du rufst, umso besser kannst Du Dich orientieren." Rund 60 Teilnehmer der Fledermaus-Exkursion im Rahmen des städtischen Umweltdiploms in der Schlossberghalle in Neusatz bilden einen Kreis. Philipp steht mit verbundenen Augen in der Mitte und übt die Technik des Echolots, mit der Fledermäuse nachts auf Insektenfang gehen.



Er versucht, ein anderes Kind zu orten, das ihm auf jeden "Fledermaus-Ruf" eine "Falter-Antwort" geben muss. "Eine echte Fledermaus erjagt in nur einer Nacht bis zu 3 000 Schnaken auf diese Weise", erläutert Biologin Beate Link, die die Exkursion leitet. "Mit Ultraschall machen sich Fledermäuse heimlich, still und leise und vor allem giftfrei als Schädlingsbekämpfer nützlich. Auf der Speisekarte stehen neben Schnaken auch Motten, Wickler, Zünsler und Käfer".

Link, so heißt es in einer städtischen Mitteilung, berichtet von Untersuchungen, die die kostenlosen Dienstleistungen der nächtlichen Jäger mit 22 Milliarden Euro an Gewinn für Baumwollbauern in den USA pro Jahr beziffern. Die Fledermäuse dezimierten den Baumwollkapselbohrer, was die Ernteausfälle verringere und zu höheren Erträgen führe. Zudem würden Gelder für Spritzmittel eingespart. Wertvoll sei auch der aus Insektenresten bestehende Kot der Fledermäuse. Er werde wie jener von Seevögeln als wertvoller Guano-Dünger geschätzt und verkauft und könne im heimischen Gemüsebeet ausgestreut werden.

"Wie alt wird eigentlich eine Fledermaus?", möchte Laura wissen. Die Antwort lautet: "Tatsächlich wird sie nur drei Jahre alt, obwohl ihr biologisches Alter mit über 15 Jahren viel höher wäre". Die Todesursachen seien überwiegend vom Menschen gemacht, so Link - Insektenmangel durch naturferne Gärten und Äcker, Spritzmittel, Wohnungsmangel und direkte Tötung durch Renovation zum falschen Zeitpunkt und Verkehrsunfälle. Alle rund 20 in Baden-Württemberg heimischen Fledermausarten sind gefährdet und daher streng geschützt, erläutert die Biologin.

Die weiblichen Tiere gebären nur ein Junges pro Jahr. Sie ziehen dieses in der Gemeinschaft mit anderen in einer Art Mutter-Kind-Gruppe, einer sogenannten Wochenstube, zwischen Mai und August auf. Dazu suchen die gebäudebewohnenden Arten Speicher, Scheunen oder Gebäudespalten auf und sind in dieser Zeit besonders schutzbedürftig. "Es ist wichtig, dass Baumaßnahmen an Quartieren außerhalb dieser Zeit durchgeführt werden", so Link, "und dass die Tiere danach entweder den gleichen Raum mit gleicher Einflugöffnung oder einen geeigneten Ersatz vorfinden". Fledermäuse sind ihrem Quartier treu. Ehrenamtliche Naturschutzwarte für Artenschutz beraten Hausherren bei Renovierung und Umbau. Ihre Adressen können bei der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt erfragt werden.

"Wie kann man den seltenen Fledermäusen helfen?", fragt Link die Kinder. Und die haben gute Ideen. Sie reichen vom Einsägen von Einfluglöchern in Scheunen und Speicher, damit diese von Fledermäusen bewohnt werden können, über die Renovation zum richtigen Zeitpunkt bis hin zum Aufhängen von mehreren Fledermauskästen auf unterschiedlichen Hausseiten. Damit die nächtlichen Jäger auch etwas zu futtern haben, würden die Kinder Naturgärten mit heimischen Pflanzen anlegen, selbstverständlich ohne Gift zu spritzen.

Nach der theoretischen und spielerischen Einführung geht es mit dem sogenannten Bat Detector im Freien auf die Suche nach Fledermäusen. Mit "Klack-Klack-Klack" übersetzt das Ortungsgerät die Ultraschall-Laute und macht sie für das menschliche Ohr hörbar. Gleich im Umfeld der Schlossberghalle meldet es sich. Die Teilnehmer entdecken nun auch optisch drei kleinere Fledermäuse, die wie bestellt über Muhrbach, Baumkronen und ihren Köpfen akrobatisch anmutende Loopings sowie Höhen- und Tiefflüge vollführen.

Krönender Abschluss für die Kinder ist das handaufgezogene Pflegetier. Das verwaiste Fledermausjunge erobert die Herzen der Mädchen und Jungen im Sturm. Sein "flauschiges Fell" und seine "niedliche Schnauze" werden bewundert. Es darf mit Mehlkäfern von den Kindern gefüttert werden. Die Teilnehmer sind sich einig: "Fledermäuse sind sympathisch und viel hübscher als vermutet - und sie brauchen unsere Hilfe."

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