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Gemeinsam verschieden sein
23.09.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (urs) - "Es war ein gelungener und ermutigender Auftakt", zog Bürgermeister Wolfgang Jokerst am Ende des 1. Bühler Inklusionstags, der am Samstag im Bühler Friedrichsbau stattfand, ein Fazit. Vorausgegangen waren zahlreiche Aktionen, Musikbeiträge sowie ein Fahrtraining mit Rollstühlen und Rollatoren. Besonderer Höhepunkt war der Auftritt des Theologen Rainer Schmidt mit seinem kabarettistischen Vortrag: "Däumchen drehen".

An dieser Stelle sollte man vielleicht nicht unerwähnt lassen, dass der mehrfache Goldmedaillengewinner im Tischtennis ohne Unterarme zur Welt gekommen ist und trotzdem, oder gerade deshalb, mit sich und der Welt im Reinen zu sein scheint. Die subtile Schwere, die dem Thema Inklusion oft anhaftet, quasselte Schmidt (und das ist durchaus positiv gemeint) einfach weg - mit viel Humor. "Inklusion braucht Mut", sprach Schmidt und redete sich in die Herzen der Besucher. "Wir brauchen eine offene Gesellschaft", betonte er den "Sense of Belonging" - das Gefühl des Dazugehörens. "Das bedeutet Inklusion in Wirklichkeit!"

Morgens um 9 Uhr hatte OB Hubert Schnurr den Inklusionstag eröffnet: "Mit dieser Veranstaltung, machen wir in Bühl aus unserer Sicht einen weiteren wichtigen Schritt in Sachen kommunaler Inklusionspolitik." Es sei sicherlich ein Meilenstein gewesen, als der Gemeinderat 2015 die Stelle eines Beauftragten für Menschen mit Behinderung bewilligte. Seither kümmere sich Thomas Kist "sehr engagiert um die Belange von Menschen mit Behinderung in unserer Stadt", so Schnurr. Sein Pensum reiche von der Beratung von Menschen mit Behinderung bis zu konkreten Hilfestellungen im Alltag.

Hilfe im Alltag lautete das Stichwort. So startete um 9.30 Uhr bei der Bushaltestelle am Rathaus ein Einstiegs- und Fahrtraining für Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren. Außerdem gab es hinter dem Friedrichsbau, in der Franz-Conrad-Straße, einen Rollstuhl- und Rollator-Parcours. Dabei galt es, Steigungen zu überwinden und mit Gefälle zurechtzukommen. Auch Kist setzte sich in den für ihn ungewohnten Rollstuhl. "Das ist schwieriger, als man denkt", gestand er ein.

Im Friedrichsbau gab es ein vielfältiges Rahmenprogramm. Neben Infoständen und kulinarischen Köstlichkeiten wurde auch für Auge und Ohr viel geboten. So zierten Werke der Kunstmalerin Pia Becker die Wände des Ratsaals. Großformatige, ausdrucksstarke Gemälde sind die Leidenschaft der gehörlosen Malerin. Einfühlsame Lieder wie Leonard Cohens "Halleluja" präsentierte der Projektchor "Voce Bella" aus Vimbuch zusammen mit dem Chor der Lebenshilfe der Region Baden-Baden/ Bühl/ Achern - eine wunderbare Kooperation mit eindrucksvollem Gesangsvortrag.

Bewegend und sehr berührend stellte anschließend Silke Stricker, Vereinsvorsitzende der Marahaba Behindertenhilfe Tansania, ihre Arbeit in Afrika vor. Ein Kurzfilm zeigte erschütternde Bilder.

Viel zu lachen gab es indes anschließend, was nach dem so zu Herzen gehenden Film guttat. Der Kabarettist Rainer Schmidt lebt das Motto: "Danke dass ich nicht so langweilig aussehe!" Sein Humor ist geradezu entwaffnend: "Was meine Mutter nach der Geburt sagte? Ganz einfach! Ein Handwerker wird der wohl nicht!"

Doch seine Botschaft ging weit über das Humoristische hinaus. Sie lautete: "Gemeinsam anders sein." Inklusion sei "die hohe Kunst des Zusammenlebens verschiedenster Menschen". Mit diesen starken Worten hatte Schmidt die Botschaft des 1. Bühler Inklusionstag auf den Punkt gebracht.

Bürgermeister Wolfgang Jokerst, der gegen 15 Uhr die Idee eines "Aktionsplanes für ein inklusives Bühl" vorstellen wollte, sah dies genauso und warf seine vorbereitete Rede über den Haufen. "Ich habe gerade von Rainer Schmidt gelernt, dass man das Thema Inklusion mit sehr viel Humor und einfach ein wenig lockerer angehen sollte", stellte er fest. "Seit heute Morgen haben wir unendlich viele Informationen erhalten." Der Aktionsplan soll die verschiedenen Handlungsfelder zusammentragen, erklärte der Bürgermeister. Alle Interessierten seien herzlich zur Mitarbeit eingeladen.

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