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Begegnungen mit Auerhuhn und Papp-Wolf
Begegnungen mit Auerhuhn und Papp-Wolf
23.09.2019 - 00:00 Uhr
Ottersweier (mf) - Sehr gute Resonanz fand die Einladung aus dem Ottersweierer Rathaus, gemeinsam auf Tour zu gehen und sich schlauzumachen: Über Besonderheiten auf der Gemarkung, über Projekte, Aufgaben und aktuelle Herausforderungen wie Klima-, Natur- und Artenschutz. Mehr als 60 Bürger gingen mit Bürgermeister, Gemeinderäten, Verwaltungsmitarbeitern und Experten aus Forst und Naturschutz auf Fahrt in den Hochwald, wo die Gemeinde 450 Hektar Wald ihr Eigen nennt.

Wie Ottersweier zum Hochwald kam, das erklärte der Leiter des Forstbezirks Bühl Kay Karius, der seit vielen Jahren als Vertreter der Forstverwaltung den Ottersweierer Wald betreut. Nach Brandrodung und anschließender jahrhundertelanger Beweidung durch die Landwirte in den Talgemeinden wurde der Wald 1930 in das Eigentum dieser Gemeinden überführt. So erhielt Ottersweier 410 Hektar und Hatzenweier 40 Hektar. 1953 sei das letzte Mal oben gemäht worden. "Hätte man anschließend nichts gemacht, dann wäre die Fichte eingewandert und wir hätten hier Wald", erklärte Karius. Man habe sich aber früh entschlossen, die Flächen offenzuhalten und damit wertvolle Biotope zu schützen. Die Schonwaldverordnung lege drei Zonen fest: Die offene Grinde durch Beweidung, ein umliegender Gürtel mit Birken und schließlich lichte Wälder mit Heidelbeeren. "Ziel ist, die kulturhistorisch bedeutenden Biotope zu erhalten und gleichzeitig dem Auerhuhn den Lebensraum zu sichern."

Nach dem Einstieg auf Unterstmatt führte der Weg zum laut Bürgermeister Jürgen Pfetzer "wunderschönen Hotspot" der 120 Schwarzwaldberge mit über 1 000 Meter, auf den Pfriemackerkopf. Dort befindet sich der mit 1 035 Metern höchste Punkt der Gemarkung Ottersweier. Nach einiger Suche durch Revierleiter Klaus Vollmer, der im heimischen Wald jeden Baum und Busch zu kennen scheint, fand sich die Steinplatte, die diesen Punkt markiert.

Im Hatzenweierer Wald zeigte Vollmer Schäden, die durch Schnee- und Eisbruch im Januar dieses Jahres entstanden sind. An vielen Fichten fehlte die Spitze. Bäume, die mehr als ein Drittel geschädigt waren, habe man aufwendig herausgeholt. "Das war teuer und gefährlich", so Vollmer. Westlich des Waldwegs habe Sturm Lothar gewütet. Dort setze man auf die Naturverjüngung und habe daher nur Tannen und Buchen nachgepflanzt. Gerade diese naturverjüngte Fläche sei ein "Super-Auerhuhn-Habitat". Thomas Westermann von der Forstbezirksleitung Bühl hatte an einem Stamm einen mächtigen, vor 105 Jahren ausgestopften Auerhahn als Demonstrationsobjekt befestigt und zahlreiche Informationen über den bis zu fünf Kilogramm schweren Hühnervogel vorbereitet.

Westermann stellte das Projekt "Lücken für Küken" vor. Mit dem Sonderprogramm möchte das Land Baden-Württemberg die Artenvielfalt fördern. Trotz Schutzmaßnahmen seit vielen Jahren sei ein starker Rückgang des Vogels zu beobachten. Im Schwarzwald gebe es noch 160 Exemplare. "Das Auerhuhn ist in Baden-Württemberg nah am Aussterben", sind sich die Forstexperten einig.

Auf dem Weg zur Ski-Wiese Hundseck und zur Walderlebnisstation trat ein Überraschungsgast aus dem Gebüsch - freilich nur in Form eines Papp-Tieres. "Der Wolf wurde wenige Meter von hier fotografiert", erklärte Michael Hug vom Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz. Der Biologe nutzte die Möglichkeit, um über den Wolf fachlich zu informieren und damit dem kulturell geprägten "Rotkäppchen-Syndrom" entgegenzuwirken.

Mit dem Skihang Hundseck verbinden die Ottersweier viele Erinnerungen. Ein weiteres Kapitel der einhundertjährigen Skisport-Geschichte findet nächste Woche dort seinen Abschluss: Der Sprungturm wird mangels Finanzierung anderweitiger Nutzungsmöglichkeiten abgerissen. Der Skihang soll aber offengehalten werden, über 300 Heidschnucken finden dort schmackhafte Gräser. Über den Holzskulpturenweg gelangte die Gruppe schließlich zur UN-prämierten Walderlebnisstation, wo nächste Woche ein neues, spannendes Modul eröffnet wird.

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