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Jeden Respekt vor den Tieren verloren
Jeden Respekt vor den Tieren verloren
10.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Martina Fuß

Bühl - "Das System ist aus den Fugen! Esst endlich wieder normal!" Ein leidenschaftlicher Franz Keller liest - man kann es nicht anders sagen - den zahlreichen Zuhörern mächtig die Leviten. Sein 2018 erschienenes, autobiografisches Buch "Vom Einfachen das Beste" ist zu einem Verkaufshit geworden. Es trägt den Untertitel "Ein Sternekoch greift an". Das ist auch der gefühlte Modus, in dem Franz Keller seine Lesung im Friedrichsbau bestreitet.

Im Rahmen des Jahresprogramms zur Förderung regionaler und fairer Produkte und des nachhaltigen Konsums hatten der Lenkungskreis der Fairtrade-Aktion sowie die Organisatorinnen des Bauernmarktes und des Welt-Ladens zu dieser Lesung mit dem einstigen Sternekoch eingeladen.

Das Thema brennt offensichtlich unter den Nägeln, es gibt ein ausgeprägtes Bewusstsein für gesundes, nachhaltiges Essen. "Mit so vielen Besuchern hatten wir gar nicht gerechnet", bekannte Bürgermeister Wolfgang Jokerst bei der Begrüßung.

Dann die Überraschung: Franz Keller geht ans Mikrofon - und lädt zunächst einmal zum Essen ein; zu einem Linsensalat mit Möggele von Lyoner à la Franz Keller. "Das ist eine echte Saucisson de Lyon, die hat nichts zu tun mit der Lyoner, die es im Supermarkt gibt", erklärt der Koch, der einst bei Paul Bocuse in Lyon gearbeitet hat.

"Schön wieder mal hier zu sein, ich habe ja hier in der Nähe gewirkt", erinnert Keller nur am Rande an seine Zeit im Schlosshotel Bühlerhöhe, wo er für das "Imperial" zwischen 1988 und 1990 einen Stern erkochte. Die begehrten Auszeichnungen folgten seinem jeweiligen Wirkungskreis bis ins Jahr 1993. Dann hat er es satt. Er verlässt den "blank gewienerten Sternenhimmel" und eröffnet ein Restaurant mit regionaler deutscher Küche, die "Adler Wirtschaft" in Hattenheim. Nachdem sein Sohn die Wirtschaft übernommen hat, betreibt Franz Keller heute den "Falkenhof", einen Öko-Bauernhof, wo die Tiere artgerecht leben.

"Schnell, billig, effizient - so muss Essen heut' sein. Eine Katastrophe!" Keller nimmt kein Blatt vor den Mund und hat keine Scheu, die Dinge ziemlich hart beim Namen zu nennen. Er spricht über die "adipöse Realität" durch falsche Ernährung, über eine "kollektive Essstörung" angesichts von Kochshows und dennoch zunehmendem Verbrauch industriell produzierter Lebensmittel. "Dafür nehmen wir extreme Massentierhaltung in Kauf, die jeden Respekt vor den Tieren verloren hat, die nie das Sonnenlicht oder ein Fleckchen echte Natur gesehen haben."

Und er setzt noch einen Gruselfaktor drauf: "Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal auf einem zähen Stück Billigfleisch kauen. Sie kauen auf der Todesangst eines auf barbarische Weise gezüchteten und geschlachteten Tieres." Keller gibt mehrfach Einblick in seine Gefühlswelt, er ist wütend, traurig und verzweifelt.

Im zweiten Teil der rasanten Lesung ohne Punkt, Komma und Pause, blickt er auf seine familiäre Prägung zurück, auf den kleinen Landgasthof mit landwirtschaftlichem Betrieb in den frühen 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In Oberbergen am Kaiserstuhl ist er aufgewachsen, dort wo heute sein jüngerer Bruder immer noch das Gourmet-Restaurant "Schwarzer Adler" führt - und nebenbei zu einiger Berühmtheit gelangt ist. Fritz Keller ist gerade erst zum neuen DFB-Präsident gewählt worden. Eine Tatsache, die sein Bruder Franz während der Lesung mit keinem Wort erwähnt, auch nicht das Weingut seines gleichnamigen Vaters Franz Keller. Er konzentriert sich völlig auf sein Buch.

Bei aller Klage über die Zustände betont Franz Keller, dass er nicht naiv sei. Er schlägt eine Kampagne vor, die klar macht: "Esst weniger und kauft das Beste!" Denn, so an anderer Stelle: "Man ist was man isst."

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