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Herzensbrecher ein Serienmörder
Herzensbrecher ein Serienmörder
11.10.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (urs) - Welche Frau wäre da nicht schwach geworden? Gutaussehend, charmant und von raumgreifender Präsenz: Bruce Lovell ist ganz der leibhaftige Verführer, den SaÅ¡a Kekez beeindruckend spielt. Die junge Cecily (eindrucksvoll wandlungsfähig: Sarah Elena Timpe) ist jedenfalls hin und weg, als der geheimnisvolle Fremde plötzlich auf ihrer Türschwelle steht, angeblich, um die Wohnung zu besichtigen.

Was wie eine Seifenoper beginnt, entwickelt sich im Laufe des Stücks, das am Mittwochabend im Bürgerhaus Neuer Markt für Nervenkitzel, aber auch für viele Lacher sorgt, zum Albtraum. Der Herzensbrecher entpuppt sich als Serienmörder. Dass diese Wandlung gelingt, dafür ist schon große Schauspielkunst vonnöten. Von einem Moment zum nächsten schafft es SaÅ¡a Kekez, vom Sonnenschein zum Psychopaten zu mutieren - mit verzerrter Fratze und irrem Lachen.

Regisseur Thomas Rohmer, Intendant der Theatergastspiele Fürth, hat Agatha Christies Kurzgeschichte "Der Fremde im Haus" in die heutige Zeit übertragen und mit Handy, Selfies und schwindelnden Grundstückspreisen der aktuellen Zeit angepasst.

In dem Psychothriller darf nicht nur gegruselt, sondern auch viel gelacht werden. Vor allem vor der Pause, denn der zweite Teil entpuppt sich großteils als sehr spannungsgeladen. Musik gibt es auch; dramatische Szenen werden gekonnt unterlegt. Auch die Kostüme des "Bösen" sind perfekt gewählt: So trägt Bruce erst schwarze, dann weiße Kleidung, die das Katz-und-Maus-Spiel, die das Werk von Agatha Christie geprägt haben, geschickt untermauern.

Die Handlung scheint zunächst einfach: Cecily, die im Hochgefühl eines Lottogewinns gerade ihre Wohnung auflöst, träumt von einem Leben voller Abenteuer. Der Nachmieter mit seiner weltmännischen Art wickelt die verträumte Engländerin im Nu um den Finger. Die Zuschauer ahnen es schon nach wenigen Minuten: Mit dem smarten Lebemann stimmt etwas nicht. Dieser wird sich im Laufe des Abends nicht nur als Wahnsinniger entpuppen, sondern als gesuchter fünffacher Frauenmörder.

Kurzum: Dank der hervorragenden Schauspieler fesselt "Der Fremde im Haus". Das liegt neben den beiden brillanten Hauptdarstellern auch an Johanna Liebeneiner (als nervige Tante Lulu), Michael Kausch (Gärtner), Norbert Heckner (Landarzt), Franziska Janetzko (Freundin von Cecily) und Markus Baumeister (Ex-Verlobte Nigel).

Ohne Frage macht die furchteinflößende Darbietung von SaÅ¡a Kekez als entfesselter Psychopath auf jeden Fall die Quintessenz des Stücks aus. Mit beängstigender Wut schikaniert er Cecily. Er spielt mit ihr, treibt sie in die Enge, tobt und lacht gleichzeitig irre, zwischen Liebe und Wahnsinn. Nach und nach offenbaren sich seine pathologisch-sadistischen Züge, denn es geht ihm nicht nur ums Geld, sondern um "das gottgleiche Gefühl, Macht über einen anderen Menschen zu haben". Eine wahrlich überragende Leistung des Schauspielers.

Ebenso beeindruckt Sarah Elena Timpe. So bettelt die Hübsche um ihr Leben, sie weint, verführt und fleht, um schließlich erniedrigt auf dem Boden herumzukriechen. Doch so hilflos, wie es scheint, ist die junge Frau letztendlich nicht. Sie erinnert sich an ihr Lieblingsbuch, an die "Geschichten aus Tausendundeiner Nacht", in der die kluge Scheherazade ihrem Herrscher jede Nacht eine fesselnde Geschichte erzählt, um am Leben zu bleiben. Das tut Cecily auch: Sie erzählt und erzählt - bis das Gift wirkt, das sie ihm in den Kaffee gerührt hat.

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