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Tannheimer Tal statt Wallfahrtskirche
15.10.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (gero/jo) - Es gab in der Stadt mal eine OB-Wahlentscheidung, als deren Folge der SPD-Fraktionsvorsitzende (Heinz Ziegler) am Tag danach barfuß in die Wallfahrtskirche Maria Linden pilgerte. Und der turnerprobte Stadtrat Siegfried Eith schlug auf der Hauptstraße, völlig enthemmt und enthusiastisch, mehrere Flickflacks. Das alles trug sich im September 1989 zu, als der Sozialdemokrat Gerhard Helbing das Bühler Rathaus eroberte. Vergangenen Sonntagabend ging es in der Innenstadt erheblich leiser und weniger sportlich zu.



Statt Tausende Bühler wie damals waren gerade mal 300 auf dem Kirchplatz erschienen. Sie lauschten der Bühler Stadtkapelle, die das "Bühler Lied", komponiert von Rolf Hille, und natürlich das Badnerlied intonierten. Nach den Reden stellten Mitarbeiter des Bauhofs und der Stadtwerke den obligatorischen Maien; eine Weißtanne, geschlagen oberhalb der Burg Windeck und geschmückt mit Bändeln in den Bühler blau-gelben Stadtfarben. Danach gab es Freibier auf dem Kirchplatz und auch noch im "Schwanen". Die Stimmung war gut, fast ausgelassen. Es wurde viel gelacht und geflachst. Ein lauer Oktoberwind fächelte dazu noch über 20 Grad durch die Gass'. Einziger Wermutstropfen war die magere Wahlbeteiligung. Sie warf ein schlechtes Bild auf das Demokratieverständnis. Politikverdrossenheit statt Bürgerpflicht und Bürgerrecht wurde beklagt - und zwar allenthalben im Land. Aber auch dieser Missklang wurde einfach weggefeiert.

Bei der Wahlanalyse fällt auf, dass in Balzhofen lediglich 80,6 Prozent für den Alleinbewerber Hubert Schnurr gestimmt haben; 19,4 Prozent gaben dort ihre Stimme anderen Personen - so viele wie in keinem anderen Stadtteil. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 24,7 Prozent immerhin den dritthöchsten Wert.

Sein bestes Einzelergebnis erzielte der Wiederbewerber erwartungsgemäß in seinem Wohnort Altschweier (94,6 Prozent) bei einer passablen Wahlbeteiligung von 25,5 Prozent. Auch auf die Oberbrucher ist Verlass. Hier votierten 94,1 Prozent für Schnurr, gingen 25,7 Prozent ins Wahllokal; so viele wie nirgendwo sonst. Die übrigen Ergebnisse (Wahlbeteiligung in Klammern): Kernstadt 92,3 Prozent (13,5), Moos 91,4 Prozent (20,3), Neusatz 86,2 Prozent (12,1), Oberweier 85,5 Prozent (18,1), Vimbuch 92,3 Prozent (16,6), Weitenung 93,9 Prozent (16,7), Briefwahl 93,6 Prozent.

Auffällig ist vor allem die außergewöhnlich schlechte Wahlbeteiligung in der Kernstadt, obwohl hier die mitgliederstarken Vereine wie der TVB, dessen Präsident Schnurr ist, und der VfB zuhause sind. Letzterer erhielt gerade einen Kunstrasenplatz. Auch die Feuerwehr fuhr mit Schnurr so manchen erfolgreichen Einsatz, durfte sich stets der Modernisierung des Fuhrparks sicher sein und jüngst die Übergabe der Gerätehauses West in Balzhofen feiern.

Für Gesprächsstoff sorgte auch gestern noch ein Facebook-Eintrag von Ralf Heinrich. Der ehemalige wie erfolglose OB- und Gemeinderatskandidat hatte in der Bühler Gruppe zur Wahl von CDU-Stadtrat Johannes van Daalen aufgerufen. Das wiederum sorgte für Empörung bei anderen Gruppenmitgliedern. Eines von ihnen empfand den Aufruf als "politische Ungeheuerlichkeit". Bislang sei stets Konsens gewesen, "dass wir uns nicht politisch auseinandersetzen". Das Ganze habe den Geruch eines "(hoch)politischen Heckenschützentums". Ein anderer Nutzer unterstellt als Motiv, "Wahlkampf über das Hintertürchen" betreiben zu wollen. Die Bühler seien aber "nicht so blöde, dass sie das nicht merken". Ralf Heinrich wundert sich in einer Antwort, dass jemand ein Poblem damit haben könnte, wenn zum Thema OB-Wahl informiert werde: "Das hier ist alles transparent und gelebte Demokratie. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!"

Stadtrat Peter Hirn (SPD) nannte den Profilierungsversuch "unterirdisch und lächerlich", Bernd Broß (CDU) "völlig unnötig." Johannes van Daalen (er erhielt 45 Stimmen, entsprechend einem Prozent, selbst betonte auf BT-Anfrage, dass er im Vorfeld keinen Kontakt mit Heinrich gehabt habe: "Der Eintrag war auch nicht in meinem Sinne" und eher dazu angetan, mit seinem Namen Missbrauch zu betreiben.

Derweil ging der Gratulationsmarathon für den alten und neuen OB gestern Vormittag nahtlos weiter: Gut 100 Stadtbedienst ete standen zu einer Gratulationscour Schlange im Rathaus, die bis auf den Marktplatz reichte. Dazu hatten die Mitarbeiter Luftballons in Bühler Farben in Händen, die später das Geländer im Treppenhaus zierten. Vor dem Empfangszimmer hing ein Glückwunschtransparent. Aktives Relaxen ist für Schnurr und Gattin Beatrix erst nächste Woche angesagt: mit Bergwandern im Tannheimer Tal. Dort warten ganz andere Gipfel.

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