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Sorgen um die Zukunft von Kimbondo
Sorgen um die Zukunft von Kimbondo
19.10.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (kkö) - "Es gibt Menschen", sagt Pater Hugo, Leiter des Straßenkinder- und Waisenheims Kimbondo bei Kinshasa, "die den Bedürftigen aus einem besonderen Geist heraus helfen, ohne damit zu prahlen". Solche Menschen seien Wolfgang und Michaela Sauerbeck. "Sie unterstützen unsere Einrichtung seit mehr als einer Dekade und sind zu ihrer wichtigsten Säule geworden, ganz leise im Hintergrund." Pater Hugo ist an diesem Morgen bei Sauerbecks zu Gast, deren Bühler Verein nach dem Heim "Kimbondo" benannt wurde.

Zum ersten Mal begegnet er ihnen nicht auf kongolesischem Boden. Der gebürtige Chilene erklärt: "Ich bin zwei Wochen in Italien bei unseren dortigen Spendern. Es war mir ein Anliegen, auch Sauerbecks zu besuchen, da Wolfgang gesundheitsbedingt derzeit nicht in den Kongo reisen kann." Er empfinde beide als Teil seiner Familie. 800 Kilometer ist er für das Wiedersehen gereist.

Der Pater spricht Französisch, wechselt aber ab und an ins Spanische oder Italienische. Sauerbecks sind daran gewöhnt, auch an die philosophisch-religiösen Gedanken, in denen sich der Pater gern verliert. Ihnen gelingt es, den 70-Jährigen immer wieder behutsam zum Kern einer Frage zurückzulenken. Wesentlich ist ja: Was sind die aktuellen Herausforderungen für Kimbondo? 2019, sagt der Pater dazu, sei ein schweres Jahr. "Heftige Regenfälle führten zu Erosion, ein Gebäude auf dem Areal stürzte komplett ein." Mit staatlicher Hilfe, bisher eine Seltenheit ("Wir mussten immer alles über Spenden finanzieren"), werden nun Kanäle verlegt. "Mit der Natur ist es wie mit den Kindern", befindet Pater Hugo: "Wenn man sie nicht hegt und pflegt, rebelliert sie." Ihm zufolge gibt es viele Krankheitsfälle, im Moment grassieren die Röteln, zugleich fehlt es an Medikamenten; auch beklagt er den Verlust von Menschen, die ihm zur Seite standen. "Wir werden alle alt." Auch dank Sauerbecks sei es gelungen, die Verwaltung des Heims so zu strukturieren, dass die Arbeit inzwischen weitgehend von Kongolesen erledigt werde, von der Leitung des Krankenhauses über die Aufnahme von Waisenkindern bis hin zu den Finanzen. "Ich sorge nur noch dafür, dass dieses System funktioniert", sagt der Pater, und deutet die Mentalität der Einheimischen an, nicht "zack, zack" wie in Deutschland: "Man muss ihre Kultur verstehen lernen, aber es geht auch nicht ganz ohne Kontrolle."

Ein weiteres aktuelles Problem sei die Einführung eines staatlich auferlegten Mindestlohns, der zur Entlassung einiger Mitarbeiter führte. "Wir setzen uns dafür ein, dass das Behindertenhaus Casa Patrick personell gut betreut bleibt", betont Michaela Sauerbeck. "Wir überweisen das Gehalt für Erzieher und ,Mamas', und es gibt ein Hausgeld für alle Belange, mit dem nun sogar Lebensmittel gekauft werden müssen, so prekär ist die Lage." Auch projektbezogen engagiert sich der Verein, aktuell etwa zur Erweiterung eines Zauns zum Schutz der Kinder oder die Einrichtung einer Wäscherei. "Für die neu entstandene Bäckerei, betrieben von jungen Erwachsenen aus dem Heim, haben wir einen Backofen finanziert, so dass die Kinder jetzt täglich frisches Brot erhalten." Zudem fließe Geld in Ausbildung und Studium jugendlicher Heiminsassen. "Und wenn eine Notsituation eintritt, sind wir die finanzielle Feuerwehr." Sauerbecks hoffen, dass ihre Arbeit bald von jüngeren Menschen fortgesetzt wird. "Ich spüre zunehmende Müdigkeit", sagt auch Pater Hugo. "Aber ich setze auf die Kraft der Jugend, im Kongo und auf der ganzen Welt. Letztlich liegt alles in Gottes Hand."

www.kimbondo.de

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