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Die Sprache der Musik funktioniert überall
07.11.2019 - 00:00 Uhr
Bühl - Mit dem vielfach preisgekrönten Ensemble Quadro Nuevo reist Evelyn Huber um die Welt - da trägt zuweilen auch mal ein Kamel ihre Harfe. Neben ihrer Hauptband betreibt die klassisch ausgebildete Weltmusikerin weitere innovative Projekte, um die gestalterischen Möglichkeiten ihres Instruments ausreizen zu können - wie etwa eine Kooperation mit den Streichern des Sirius Quartet aus New York. In dieser Konstellation wird sie im Rahmen des Bühler Jazztivals erstmals in der Region zu hören sein. Wie eine klassische Instrumentierung und der Jazz zusammenpassen, das erklärt sie im Gespräch mit BT-Redakteur Joachim Eiermann.



BT: Frau Huber, "Para un mejor mundo" ist Ihr neues Album zusammen mit dem Sirius Quartet betitelt. Kann Musik zu einer besseren Welt beitragen, wie der Albumtitel suggeriert?

Evelyn Huber: Ja, weil die Musik keine Barrieren und Grenzen kennt. Wenn die musikalische Chemie stimmt, ist es völlig egal, aus welchen Ecken der Erde die Musiker kommen. Wenn sie sich treffen, ist die Musik Völker verbindend. Ich habe bei Reisen mit Quadro Nuevo erlebt, dass die Sprache der Musik überall funktioniert, egal ob im Jazz-Club in Peking oder im Tango-Club in Argentinien. Ob in London, Malaysia oder anderswo, Musik ist eine so unmittelbare Sprache, dass Hautfarbe und ethnischer Hintergrund völlig egal sind.

BT: Das Album "Para un mejor mundo" werden Sie gemeinsam mit dem Sirius Quartet in Bühl vorstellen. Es sind Kompositionen für Harfe, Violinen, Viola und Cello - eine wohl einzigartige Besetzung für ein Jazzfestival. Wie viel Jazz steckt da drin?

Huber: Ich hatte vor einigen Jahren den Impuls, Jazz-Kompositionsunterricht zu nehmen. Ich knüpfte Kontakt zum Geiger Gregor Hübner, der in Harlem lebt, aber in München eine Professur für Jazz-Komposition hat. Das ist schon einmal eine gute Voraussetzung für den Jazz. Gregor Hübner hat mir von seinem Quartett erzählt, das zwar klassisch ausgebildet, aber auch im Jazz versiert ist. Das heißt, alle Musiker improvisieren auch. Das fand ich höchst spannend, weil dieses Element ganz maßgeblich für meine Arbeit ist. Bei unseren Konzerten gestaltet sich jeder Abend anders, weil wir eben viel improvisieren.

BT: Wie haben das Sirius Quartet und Sie zusammengefunden?

Huber: Nachdem Gregor Hübner mir von seinem Quartett erzählte, haben wir uns spontan bei mir Zuhause getroffen. Ich habe mir erst gar nicht vorstellen können, dass dies funktionieren kann: Dass vier Streicher und ich mit meiner Harfe zeitgleich zusammen improvisieren. Das heißt, jeder muss die Ohren offen halten, Impulse aufnehmen und diese weiterstricken. Dass das so gut klappte, war für mich eine Offenbarung.

BT: Inwieweit lassen die Stücke des Albums Freiräume für Inspiration und Improvisation auf der Bühne?

Huber: Die Kompositionen sind, bis auf eine Ausnahme, nicht geschlossen und bieten deshalb viel Raum für Spontanes - wie im klassischen Jazz.

BT: Sie kommen viel in der Welt herum und waren zuletzt am Sinai. Was hat Sie dorthin geführt?

Huber: Das war eine spannende Reise zusammen mit den Quadro-Nuevo-Kollegen und unseren Freunden der ägyptischen Band Cairo Steps, mit denen wir zusammen immer wieder in süßer Regelmäßigkeit sowohl in Deutschland als auch in Ägypten auf der Bühne stehen. Wir wollen mit unserer Musik Geschichten erzählen und sind mit unseren Instrumenten auf den Mount Catherine, den höchsten Berg Ägyptens, gestiegen. Unser Ziel: das bisher noch unberücksichtigte elfte Gebot "Die Bewahrung der Schöpfung" zu suchen und mit zu unserer Menschheit herunterzuholen. Und wir hoffen, dass diese Botschaft Gehör findet.

Mit der Harfe auf 2630 Meter hohen Berg

BT: Ihre Stimme klingt etwas angeschlagen, rührt das von dieser Reise?

Huber: Ja, es war eine sehr anstrengende Besteigung bis zum 2 630 Meter hohen Gipfel. Wir mussten morgens um drei Uhr los - nach nur zwei Stunden Schlaf. Meine Harfe trug Gott sei Dank ein Kamel. Es waren fantastische Bilder einer faszinierenden Bergwelt, die sich eigentlich nicht in Worte fassen lassen. Diese Eindrücke werde ich mein ganzes Leben mit mir führen. Ich fühle mich reich beschenkt, denn ich habe schon so viele schöne Ecken der Erde mit meiner Musik bereisen dürfen.

BT: Die Einflüsse verschiedener Kulturen von Latin bis zum Orient prägen Ihr Spiel und Ihre Musik. Wohin reisen Sie am liebsten?

Huber: Das kann ich so nicht sagen. Ich bin total neugierig, was alles noch so passieren wird.

BT: Die Region um Baden-Baden dürfte Ihnen von Auftritten mit Quadro Nuevo gut bekannt sein. Einmal gastierten Sie auch in Bühl, vor zweieinhalb Jahren bei einem "Feuerabend" im Kaminstudio Anselment. Erinnern Sie sich?

Huber: Ja natürlich, und vor wenigen Wochen erst waren wir in Gaggenau. Wir kommen immer wieder gerne in diese Ecke im Schwarzwald.

Noch viel Pionierarbeit zu leisten

BT: Sie haben klassische Konzertharfe in München studiert. Wieso gerade dieses Instrument, das so schwer zu transportieren ist? Dafür ein Kamel zur Verfügung zu haben, ist ja eher die Ausnahme.

Huber: Es ist lustig, nach Konzerten kommen immer wieder Mädchen im Alter von etwa zehn Jahren auf mich zu: Sie möchten auch gerne Harfe lernen. Am liebsten würde ich ihnen sagen, lernt etwas Ordentliches. So schön das Instrument auch ausschauen mag, man tut sich damit nicht wirklich einen Gefallen. Andererseits ist das Spannende an der Harfe, dass es noch viel Pionierarbeit zu leisten gibt. Das Instrument bietet Möglichkeiten, die man ihm nicht zutraut. Damit das Publikum zu überraschen, das macht mir am meisten Spaß.

BT: Harfenspielerinnen im Jazz gelten bis heute als Exotinnen. Wie sehen Sie das?

Huber: Das wird auch so bleiben, was an den Gegebenheiten des Instruments liegt. Es ist eigentlich ein diatonisches Instrument mit Pedalen zur Einstellung chromatischer Veränderungen. Damit ist die Harfe im Tonartwechsel sehr behäbig, da sind einfach Grenzen gesetzt. Sie wird deshalb immer ein Rand-Instrument im Jazz bleiben. Umso spannender ist es, eigene Wege zu suchen, einen eigenen Stil zu kreieren. Der Erste, der mit der Harfe jazzmäßig unterwegs war, war übrigens Harpo Marx von den Marx Brothers; seine Mutter war klassische Harfenistin. Ich nehme zu meiner größten Freude wahr, dass eine junge und frische Harfengeneration heranwächst, die offen und selbstverständlich mit Jazz, Pop und Weltmusik umgeht. Die sozialen Medien sind voll davon. Ich finde es total spannend, was sich im Moment bei dem Instrument im Jazzbereich bewegt.

BT: Was wäre eine Welt ohne Musik?

Huber: Es wäre eine ganz traurige. Für mich unvorstellbar. Musik berührt die Seele. Für mich ist es das, was mein Leben ausmacht!

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