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Stadtbildprägendes Schmuckstück
Stadtbildprägendes Schmuckstück
09.11.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Die Eisenbahnstraße erhält wieder ein städtebauliches Gesicht. Dabei hing lange Zeit das Damoklesschwert einer wilden Brachlandschaft über dem Quartier südlich der Netter-Realschule. Jetzt ist die Bebauung des Lörch-Geländes auf die Zielgerade eingebogen. Noch vor Weihnachten können die ersten Bewohner einziehen.

Die jüngere Geschichte des Lörch-Geländes ist reich an Pleiten, Pech und Pannen. Diese begannen bereits kurz nach der Veräußerung im Jahr 2013 an einen in der Schweiz lebenden Glaskunst-Sammler, der auf dem Gelände ebenfalls Wohnungen und ein Museum realisieren wollte, aber in diesem Zuge auch die stadtbildprägende Villa Walchner plattmachen wollte. Dagegen regte sich Widerstand im Gemeinderat, der daraufhin eine Erhaltungssatzung erließ und eigens einen Bebauungsplan aufstellte. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hatte sich zudem mit der Normenkontrollklage eines Nachbarn zu befassen.

Nun aber wartet das Weihnachtsgeschenk nur noch auf seine Verpackung. Architekt Thomas Velten (Büro Planum) spricht von einem "strengen Zeitplan" - und von Überraschungen in der Villa, die vor allem dort auftraten, "wo man nicht hinsieht". In Spitzenzeiten wuselten bis zu 80 Arbeiter über die Baustelle, um eine Tiefgarage mit 56 Stellplätzen zu betonieren, drei Punkthäuser mit Lochfassade und Flachdach, zwei Wohngebäude mit Satteldach hochzumauern und schließlich die Villa zu sanieren.

Der Bauleiter der Firma Eisenbiegler, Hermann Westrich, spricht von "allerhöchsten Ansprüchen" und einem Projekt, "das es nicht von der Stange gibt". Thomas Velten ergänzt: "Die Formensprache zwischen Alt und Modern ist stimmig." Entstanden sind am Ende 40 Wohneinheiten, wahlweise mit drei Zimmern und 100 Quadratmetern, Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 60 Quadratmetern und Penthäuser mit bis zu 145 Quadratmetern.

Sie sind bereits längst verkauft. Die Nachfrage nach zentrumsnahem Wohnen in Bühl ist weiter ungebrochen. Das Angebot deckt bei Weitem nicht die Nachfrage. Und so ist der Preisspiegel in der Stadt auf nahezu 4 000 Euro pro Quadratmeter explodiert. Westrich benennt die Vorteile der Lörch-Bebauung: "Zentraler kann man in Bühl nicht wohnen, ein Auto braucht man nicht, und ruhig ist es auch noch." Von diesen Standort-Vorteilen auf einem der letzten innerstädtischen Filtegrundstücke könnten geschätzte 60 bis 80 Personen profitieren.

Als "super anspruchsvoll" (Westrich) erwies sich die Sanierung der Villa Walchner, bei der zusätzlich ein Statiker und ein Prüfstatiker hinzugezogen werden mussten. Grund: Die Deckenbalken waren durch die Feuchtigkeit stellenweise morsch. Mit Stahlseilen musste die Villa wie in ein Korsett zusammengespannt werden, damit sie nicht wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Insgesamt war die Bausubstanz "erheblich schlechter als gedacht", ein Abbruch wäre aus wirtschaftlicher Sicht vernünftiger gewesen. Der einzige intakte Gebäudeteil war der Dachstuhl, der Anfang der 90er Jahre erneuert worden war, weshalb der Denkmalschutz verloren ging. Architekt Velten erkannte gleichwohl den Reiz und die Herausforderung der Sanierung: "Das war der Aufwand wert. Das gibt jetzt ein Schmuckstück". Der Bauleiter stimmt mit ihm ein: "Wir haben ein Stück Bühl erhalten." Und das Ensemble mit den Hell-dunkel-Schattierungen sei ohnehin stimmig. Darauf freuen dürfen sich die neuen Eigentümer, die hier Mitte Januar eine Praxi s für Zahnheilkunde eröffnen. Die Energieversorgung für sämtliche Gebäude erfolgt über das Nahwärmenetz der Stadtwerke.

Eine weitere Besonderheit ist die Gestaltung der Außenanlagen, die komplett mit Pflanzen und Bäumen begrünt werden und damit nicht begehbar sind, sondern eine "innerstädtische Oase" darstellen sollen. Die Erschließung zu den Häusern erfolgt über die Eisenbahnstraße beziehungsweise Herbert-Odenheimer Straße.

Ein dickes Kompliment hat am Ende noch Hermann Westrich für die Nachbarn parat: "Alle haben viel Verständnis gezeigt. Das war ein tolles Miteinander."

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