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Ein Feuer, das man nicht sieht
Ein Feuer, das man nicht sieht
14.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl - Feuerwehrkommandant Günther Dussmann ist nicht mehr in dem Alter, in dem man die Nächte schon mal durchmacht. Von Dienstag auf Mittwoch war er aber zwangsläufig die ganze Nacht auf den Beinen. In der Summe hat er rund sieben Kilometer zurückgelegt, wie ihm sein Handy anzeigt. Auf Trab hielt ihn und seine Mannschaft der "komplizierteste Brand", seit er 1991 bei der Bühler Feuerwehr tätig ist.



Wie in der gestrigen Ausgabe berichtet, war am Dienstag kurz nach 17 Uhr in der Johannespassage eine Dehnfuge zwischen zwei Gebäudeteilen über drei Stockwerke in Brand geraten. Es qualmte gefährlich wie kräftig, doch Flammen zeigten sich nicht. "Ein Feuer, das man nicht sieht, lässt sich nur schwer bekämpfen", schildert Dussmann 17 Stunden später die Krux. Es raucht nun nicht mehr, doch Gewissheit, ob dem versteckten Feuer endgültig der Garaus bereitet ist, herrscht noch nicht. Indiz dafür sind die Innenwände, deren Temperatur sich allmählich abkühlt. Bis zu 37 Grad wurden in der Spitze gemessen. Auf der anderen Seite, dort, wo man nicht reinschauen kann, hat der Schwelbrand gewütet und seinen schwarzen Rauch auch in die Wohnungen gepresst, wo er aus allen Öffnungen wie Deckenleuchten, Steckdosen oder WC-Schüsseln kroch.

Zehn Bewohner der Johannespassage mussten evakuiert werden; sie kamen teils privat, teils in zwei nahe gelegene Hotels unter, berichtet Andreas Bohnert, Leiter des Ordnungsamts. Sechs Wohnungen des Wohn- und Geschäftskomplexes wurden in Mitleidenschaft gezogen, zwei davon bleiben vorerst unbewohnbar. Glücklicherweise sei der Brand sehr frühzeitig entdeckt worden, so Dussmann: "Nachts wäre das wohl schlimmer ausgegangen." Hätte sich unbemerkt eine größere Hitze entfachen können, hätte dies zur Folge gehabt, dass die Tapeten Feuer fangen und der Brand auf den Dachstuhl übergreift.

So aber konnten fünf Führungskräfte mit jeweils 16 Floriansjüngern aus allen Bühler Abteilungen im Wechsel den Schwelbrand unter Kontrolle halten. Da der Einsatz von Wasser nur begrenzte Wirkung zeigte, wurden zudem 15 Liter eines PFC-freien Netzmittels eingesetzt, um mit dessen Schaumbildung die Nässe dauerhafter in der Fuge zu halten. Mit sogenannten Fognails (wasserführende Lanzen, die durch die Wand gebohrt werden) startete die Feuerwehr zusätzliche Löschangriffe.

Die Architektur des massigen Gebäudes mit steilen Außentreppen und ebensolchen Dächern stellte die Einsatzkräfte vor weitere Herausforderungen, zumal auch Dachpfannen zu entfernen waren. "Wir haben alles an Höhensicherung gemacht, was geht, damit keiner vom Dach stürzt", erläutert der Kommandant.

Seinen Ausgang nahm das Ganze offensichtlich bei Bitumenarbeiten an einer Türschwelle im ersten Obergeschoss. Die Polizei geht von fahrlässiger Brandstiftung aus.

Der Schaden dürfte sich auf mehrere 100 000 Euro beziffern. Betroffen ist auch der Discounter Aldi Süd, in dessen künftigen Geschäftsräumen mit Zubern das herabtropfende Löschwasser aufgefangen wurde. Die Eröffnung der Filiale soll dennoch wie geplant am 21. November erfolgen.

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