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Soziale Werte vorgelebt
16.11.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (cn) - Gut 500 Gäste, viele Akteure auf der Bühne und bewegende Momente: Mit einem fast vierstündigen, anspruchsvollem und menschlich berührendem Programm bereitete die Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern ihrem scheidenden Geschäftsführer Harald Unser am Donnerstagabend im Bürgerhaus Neuer Markt einen feierlichen Abschied in seinen Ruhestand.

Am Ende des Festaktes, dem zahlreiche Honoratioren beiwohnten, stand ein von Demut ergriffener Protagonist und viele von Dankbarkeit erfüllte Gäste. Die vielen Besucher stellten ein Spiegelbild von Harald Unsers erfolgreichen Bemühungen in den vergangenen drei Jahrzehnten dar, darunter Politiker, Bürgermeister, Vereinsvertreter und Unternehmer, die Unser für sein Projekt von Integration und Inklusion gewinnen und begeistern konnte. So fielen an dem Abend bei den Rednern mehrere Male Begriffe wie Brückenbauer, Netzwerker, Wertschätzer oder Motivator, die Harald Unsers Werk treffend beschreiben sollten. Für die Zuhörer erschloss sich die Botschaft, dass er die Lebenshilfe nachhaltig prägte.

Die Laudatoren beschrieben den ehemaligen Geschäftsführer als eine Person, die sich uneitel, verbindlich und authentisch um die Menschen kümmerte. Wegbegleiter attestierten Harald Unser einen respektvollen Umgang und als eine Persönlichkeit, die für eine Idee leidenschaftlich brannte und somit viele Unterstützer überzeugen konnte.

Von einem "Muster an Zuversicht und Optimismus" sprach der Vorsitzende der Lebenshilfe, Frank Breuninger, der die markanten Wegstationen von Harald Unsers 35-jähriger Geschäftsführertätigkeit Revue passieren ließ. "Sie taten immer mehr als über den üblichen Arbeitsalltag hinaus. Sie waren auch oft am Wochenende für die Lebenshilfe unterwegs, bohrten dicke Bretter und brachten das Eis zum Schmelzen. Sie hinterlassen ein gut bestelltes Feld", befand der Laudator. Durch viele öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen sei es Harald Unser gelungen, das Thema von geistig und körperlich behinderten Menschen in die "Mitte der Gesellschaft" zu rücken. Er könne auf ein "großes Lebenswerk" zurückblicken.

"Harald war immer gut gelaunt", sagte der Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstätten, Axel Dietrich, bei einer unterhaltsamen und von Christian Lemcke moderierten Gesprächsrunde auf der Bühne. Als Vertreterin der rund 600 Angestellten berichtete Susanne Hasel, dass Harald Unser "mit Herzblut bei der Sache gewesen und seinen Mitarbeitern stets wertschätzend" begegnet sei. Als einen Menschen, der die Nöte und Wünsche von behinderten Personen sowie ihren Angehörigen verstanden hat, beschrieb Brigitte Maier als Interessenvertreterin der Angehörigen den scheidenden Geschäftsführer.

Einen "wahnsinnig lieben Kerl" nannte Andreas Spaetgens, Geschäftsführer der Grundig-Klinik, Harald Unser. Er habe ein "tolles Wertegerüst, das er ohne Phrasen lebt". Von einem verlässlichen Partner für die Kommunen sprach der ehemalige Landrat Jürgen Bäuerle. Allein 350 Menschen aus dem südlichen Landkreis Rastatt würden von der Lebenshilfe betreut.

Rolf Metzmaier erinnerte launig an eine erste Begegnung mit Harald Unser bei einer Wanderung. Später engagierte sich Metzmaier bei der Realisierung von drei Wir sind eins-Häusern in Bosnien Herzegowina für mehrfach schwerstbehinderte Menschen. Es folgten Videobotschaften von langjährigen Weggefährten Unsers. Dazu zählten die Baden-Badener OB Margret Mergen, Natalie Lumpp oder der frühere Bühler Musikschulleiter Bernd Kölmel, der heute in Vaterstetten lebt und unterrichtet.

Persönliche Worte wurden vom ehemaligen Präsidenten des Europäischen Rechnungshofs, Bernhard Friedmann, verlesen. Filmsequenzen aus Harald Unsers Anfangszeiten bei der Lebenshilfe mit Oberlippenbart und Gitarre spielend erheiterten bisweilen das Publikum. Danach übergab Frank Breuninger die Geschäftsführung symbolisch an Markus Tolksdorf.

In seinen persönlichen Dankesworten rang der scheidende Geschäftsführer zuweilen um Fassung: "Ich verneige mich vor allen Menschen mit einer Behinderung und ihren Eltern. Sie sind Helden des Alltags. Sie alle haben mein Leben bereichert. Danke für diese wertvolle Zeit!"

Am Ende stand ein fulminantes Finale mit Wir-sind- eins-Pate Marc Marshall. Alle im Bürgerhaus standen, klatschten, sangen, tanzten.

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