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"Arche Achern" ist voll belegt
22.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Michaela Gabriel

Achern - Seit einem Jahr gibt es die "Arche Achern". In einem Wohnhaus in der Kernstadt werden Menschen aufgenommen, die in akute Wohnungsnot geraten sind. Die katholische Kirchengemeinde als Träger freut sich darüber, dass das Haus nun erstmals voll belegt ist. Drei Frauen, vier Männer und sieben Kinder finden derzeit Obdach und Unterstützung.

"Fast alle mir bekannten Projekte zielen auf Wohnungslose direkt. Die Arche Achern zielt darauf, Menschen zu unterstützen, bevor sie in diese Situation geraten", sagt Pfarrer Joachim Giesler. Dass er selbst wenig Zeit in die Arche investieren müsse, verdanke er dem hohen Maß an ehrenamtlichem Engagement, das vom Ehepaar Bäuerle aus Oberachern und anderen für die Bewohner der Arche Achern geleistet wird. "Das ist außerordentlich bemerkenswert und alles andere als selbstverständlich", so Giesler.

Oliver Bäuerle wurde vom Stiftungsrat der Kirchengemeinde mit einer Vollmacht ausgestattet, das Projekt zu leiten. In den ersten Monaten seit dem Start im November 2018 sei die Nachfrage gering gewesen, berichtet er. Im Frühjahr sei sie dann deutlich gestiegen. Den ersten Bewohner habe man schon nach sechs Monaten in eine andere Wohnung vermitteln können. Ein Vater mit zwei Kindern werde die Arche am Jahresende verlassen. Doch es sei generell schwierig, geeigneten bezahlbaren Wohnraum zu finden. "Wir würden uns freuen, wenn Vermieter auf uns zukämen", sagt er: "Wir können die Arche-Bewohner auch nach ihrem Auszug noch eine gewisse Zeit unterstützen."

Oft sei es eine Verquickung unglücklicher Umstände, die zu den Nöten der Menschen führen, sagt Monika Bäuerle. Sie gebe gern ehrenamtlich Hilfe zur Selbsthilfe: "Weil ich selbst Zeiten erlebt habe, in denen ich Menschen an meiner Seite gebraucht habe." Es sei wunderbar, dass viele das Projekt unterstützen: Ehrenamtliche brächten ihre Freizeit und ihre Fähigkeiten ein. Wichtig sei auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Acher-Renchtal. Er unterstützt das Projekt mit einer 30-Prozent-Stelle.

Das bislang einmalige Wohnprojekt ist Carmelo Scalisi vom Caritasverband ans Herz gewachsen: "Bei uns kamen und kommen so viele Anfragen von Menschen an, die eine Wohnung suchen. Jetzt können wir darauf zumindest teilweise eine Antwort geben." Anfragen nach einem Zimmer in der Arche gebe es nahezu wöchentlich. Wer in die Arche einziehe, müsse akzeptieren, dass er dort nicht auf Dauer leben kann. Er müsse die Bereitschaft mitbringen, sich auf dem Weg in ein neues Mietverhältnis helfen zu lassen und sich in die Wohngemeinschaften einzubringen.

"Wir mussten feststellen, dass nicht alle Bewohner bereit waren, mit dem Sozialdienst und den Ehrenamtlichen zusammenzuarbeiten und Unterstützung anzunehmen", bestätigt Oliver Bäuerle. Bei Einzelnen habe man das Wohnverhältnis vorzeitig kündigen müssen. Das Konzept habe sich dennoch bewährt.

Eine weitere Herausforderung sieht Pfarrer Giesler in der dauerhaften Finanzierung der Sozialarbeit für die Bewohner. Viele seien schon bereit gewesen, das Projekt finanziell zu unterstützen. Dazu gehören die Franz-und-Margarete-Striebel-Stiftung, die Gemeinschaftsstiftung und der Zukunftsfonds der Erzdiözese Freiburg, die Glücksspirale, das Kolpingwerk, die Regionalstiftung der Sparkasse und mehrere Privatpersonen. Die Arche Achern werde dauerhaft auf Spenden angewiesen sein.

Wer Fragen hat oder sich praktisch einbringen möchte, zum Beispiel bei der Gartenarbeit oder bei Gesprächsangeboten, kann sich per Mail melden unter arche@kath-achern.de.

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