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Musica Sacra in zeitlosem wie strahlendem Glanz
Musica Sacra in zeitlosem wie strahlendem Glanz
26.11.2019 - 00:00 Uhr
Ottersweier (kkö) - Es war ein besonderer Abend für den Kirchenchor St. Johannes Ottersweier - wie auch für unzählige Besucher: Mit einem grandiosen Konzert beschloss die Formation am Sonntag in der Johanneskirche ihr Jubiläumsjahr zum 150-jährigen Bestehen, das mit der Aufführung der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart beim Festgottesdienst an Pfingsten begonnen hatte. Dem Titel "Mein ganzes Herz erhebet Dich" wurde das Konzert mehr als gerecht.



Wie ein einziger Lobpreis Gottes, mal introspektiv-erhaben, zumeist aber jubilierend, erfüllte die Musica Sacra das Kirchenschiff. Elisabeth Gliosca-Benz und Fabio Reimold an der Orgel sowie ein Bläserquartett der Burg-Windeck- Musikanten verliehen dem Gesang zusätzlichen Glanz. Tiefberührend auch die meisterlichen, glockenhell erstrahlenden Soli von Sopranistin Cornelia Baumgärtner im zweiten Konzertteil. Die Gesamtleitung des Abends oblag Chorleiter Harald Volz, die Moderation Philipp Mies.

In der Begrüßung gratulierte Pfarrer Jörg Seburschenich dem "aktiven und guten Chor" zum Jubiläum und dankte dafür, dass dieser die Gottesdienste festlich mitgestaltet. "Sie haben unendlich viel für unsere Pfarrei, unsere Gemeinde und auch den heutigen Abend getan." Der Vorsitzende des Chors, Markus Henrich, kündigte eine "Zeitreise durch 150 Jahre Kirchenmusik" an.

Die Unterteilung des Programms in Abschnitte, jeweils einer Phase der Chorgeschichte zugeordnet, erwies sich als spannendes Konzept: Der Weg bis in die Gegenwart konnte sehr gut mitvollzogen werden. Die Linie, der das Repertoire dennoch folgte, definierte Mies: "Die Stücke sind fast alle Lob- und Danklieder."

Zu Beginn erklang mit dem "Agnus Dei" von Peter Griesbacher ein Stück, das die Formation in ihrer ersten dokumentierten Aufführung 1922 sang. Seine majestätische Würde und tiefe Frömmigkeit, vom Chor sensibel umgesetzt, ergreift bis heute. Ähnliches gilt für Franz Philipps "Betend ich mich beuge" und "Tantum ergo". Weniger liturgisch-streng sind im zweiten Konzertteil die Werke Mozarts und Haydns als Vertreter der Wiener Klassik: Ob Ausschnitte aus Haydns Orgelsolomesse oder Mozarts "Ave Verum" und "Halleluja" - diese Klänge fesseln, leicht wie expressiv, stets auf dem Fundament des profunden Gottvertrauens.

Mit einem Intermezzo des Seniorenchors Mittelbaden, ebenfalls unter Leitung von Harald Volz, rückten Kompositionen aus der Romantik in den Fokus, darunter die "Klänge der Freude", eine deutsche Version von Elgars "Land of Hope and Glory". Die Professionalität des Dirigats zeigte sich auch hier in einer überaus seriösen Auseinandersetzung mit der Musik und ihrer Zeit.

Der letzte Konzertteil schließlich spiegelte die Entwicklung der Kirchenmusik in den vergangenen Jahrzehnten. "Sie wurde neugierig", erklärte Mies. Auch diesen Übergang bewältigte der Kirchenchor St. Johannes mühelos: Wunderschön erklang etwa das "Vater Unser" von Nikolas Kedrov - meditativ, streckenweise fast zärtlich.

Einen eher heiteren Kontrapart bildete ein Lied des Komponisten Markus Pytlik, der einen Korintherbrief aufgreift: "Wenn ich alle Sprachen dieser Welt sprechen könnte ... - meine Sprache wär' nur Sprachlosigkeit, hätte ich die Liebe nicht." Mit Rutters imposantem "Nun danket alle Gott" endete das Jubiläumskonzert.

Dass als Zugabe mit den Zuhörern "Großer Gott, wir loben dich" angestimmt wurde, entsprach dem liturgischen Leitgedanken - und sublimierte ihn zugleich. Die Musica Sacra, so zeigt es diese "Reise", ist zeitlos schön, ihre Botschaft heute vielleicht bedeutender denn je.

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