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Ein Ort zum Trauern und Versöhnen
28.11.2019 - 00:00 Uhr
Ottersweier (mig) - Mit großem Einfühlungsvermögen habe Manfred Emmenegger-Kanzler ein Kunstwerk geschaffen, das an die Namen der Opfer des Nationalsozialismus in der Hub erinnert. Das sagte der Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, Jürgen Jung, in der Feierstunde in der Hub-Kirche. Landrat Toni Huber, Vertreter des Landratsamtes und des Kreisrates, Aufsichtsräte, Gemeinderäte und Bürgermeister Jürgen Pfetzer waren gekommen, außerdem Mitglieder des Historischen Bürgervereins Ottersweier und der Stiftung Hub, Bernhard Friedmann sowie Bewohner der Hub.



Mit dem leise gesungenen Lied "Gott hört dein Gebet" der Hub-Bewohnerin Alvina Zajc begann die Feier in der Hub-Kirche, in der unzählige weiße Kerzen brannten. Sophia Schaffer an der Harfe zögerte, als müsse sie erst Mut fassen, legte dann aber viel Ernst und hohes Können in die musikalische Umrahmung. Unruhige, getriebene Melodien bot sie dar, liebliche, verspielte und vergnügte Töne waren zu hören, aber auch unendlich traurige und dunkle. Aus Hadamar bei Limburg an der Lahn war Esther Abel angereist. Dort starben zehn Bewohner der Hub, nachdem die Vergasung in Grafeneck Ende 1940 eingestellt worden war. Die psychisch Kranken seien als Opfer immer noch nicht im öffentlichen Bewusstsein verankert, sagte sie. Jetzt zeige sich, dass die Gedenkkultur sich entwickelt habe: "Hier kann man sich nicht vor dem Hinschauen drücken." Man habe ein "Ausrufezeichen" auf das Gelände gestellt als Ort zum Trauern und Versöhnen.

Es sei der deutsche Staat gewesen, der von Januar bis Dezember 1940 in Grafeneck 10 654 Menschen vergasen ließ, machte der Leiter der Gedenkstätte Grafeneck, Thomas Stöckle, in seinem Vortrag klar. Sie seien alle aus Einrichtungen wie der Hub in Ottersweier oder der Illenau in Achern gekommen und hätten in den Augen der Täter als unnütz gegolten. Dass das Morden dort Ende 1940 aufhörte, habe nur einen Grund gehabt, den eine der Täterinnen in einem Prozess benannte: "Das Gebiet war erschöpft." Exklusion statt Inklusion habe der Staat damals verfolgt, so Stöckle. Der Boden dafür, dass die Verbrechen geschehen konnten, sei das Denken gewesen, dazu die Diktatur der Nazis und der Krieg.

Schon in den ersten Tagen sei eine der neu aufgestellten Kurzbiografien mit Gewalt von einer Stele gerissen worden, musste die Leiterin des Pflegeheims Hub, Lilian Heck, in der Feierstunde berichten. "Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung haben bei uns keinen Platz", rief sie den Gästen zu und erntete Applaus zur Bestätigung. Zusammen müsse man sich dafür einsetzen, dass jeder sein Leben in Frieden leben könne - ohne Angst und in die Gemeinschaft aufgenommen.

Treibende Kraft zur Erinnerung an die Namen der umgebrachten Bewohner sei der vor zwei Jahren plötzlich verstorbene Pflegedienstleiter der Hub, Wolfgang Marx, gewesen. "Er wäre stolz auf uns", sagte Lilian Heck.

Sie dankte den vielen, die an dem Projekt mitgewirkt haben - finanziell, handwerklich, organisatorisch und kreativ. Heutige Bewohner der Hub seien mit nach Grafeneck gefahren, hätten beim Aufbau der Tafeln geholfen und eine Vitrine für das alte Buch gebaut, in dem die Namen der meisten Opfer gefunden wurden. Nach den fehlenden Namen solle weiter gesucht und weitere Lebensgeschichten der Ermordeten erforscht werden, wünscht sich Lilian Heck. Und dass die Menschen heute Mut haben, aufzustehen, wenn Unrecht geschehe: "Dass wir es schaffen, Intoleranz entgegenzutreten. Dass wir nicht wegsehen."

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