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Mit dem Rotstift an die Campus-Planung
Mit dem Rotstift an die Campus-Planung
29.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Bühl - Gleich mehrere verbale Ohrfeigen hat die Verwaltung in der jüngsten Gemeinderatssitzung für ihr Vorgehen beim Campus-Projekt kassiert. Dass die Kosten nun bei 6,4 Millionen Euro statt der anfangs genannten vier Millionen Euro für den geplanten Mensa-Neubau liegen sollen, passte im Gemeinderat niemandem. Die Verwaltung habe auch nicht ernsthaft versucht, Einsparpotenzial zu finden, wurde kritisiert.

Erst kurz zuvor hatte Bürgermeister Wolfgang Jokerst bei seiner Wiederwahl genau diesen Mensa-Bau für Aloys-Schreiber-Schule (ASS) und Carl-Netter-Realschule als wichtiges Ziel un d Baustein der Schulpolitik hervorgehoben - und war mit großer Mehrheit in seinem Amt als Beigeordneter bestätigt worden. Das hinderte die Stadträte allerdings nicht daran, das Projekt selbst im Verlauf der Sitzung sehr kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Dabei war man sich über die Fraktionsgrenzen hinweg einig, dass der Bau gebraucht wird. Lediglich die Bereitschaft, die explodierten Kosten mitzutragen, war in den einzelnen Fraktionen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Bereits in der vorangegangenen Sitzung war das Projekt vorgestellt worden (wir berichteten). Seitdem hatte die Verwaltung die Planung überprüft. Das Resultat: "Diese Kostenberechnung ist realistisch", betonte Oberbürgermeister Hubert Schnurr.

Die einst genannten vier Millionen Euro seien lediglich eine Schätzung gewesen, keine Berechnung. Und Letztere ergebe eben nun die 6,4 Millionen Euro. Fachbereichsleiter Wolfgang Eller verwies auf die explodierenden Kosten im Bausektor, mit denen man vor einigen Jahren noch nicht gerechnet habe.

Jokerst erinnerte schließlich noch daran, dass das Gremium sich für die Gemeinschaftsschule entschieden habe. Diese sei erfolgreich: "Mittlerweile haben wir 100 Schüler mehr als zum Start." Deshalb brauche man die von Anfang an geplanten Räume. Es gebe bereits Raumnot in den Schulen.

SPD-Fraktionschef Peter Hirn sagte vor diesem Hintergrund, dass man zwar in Anbetracht der Kosten hart mit sich gerungen habe, die Entscheidung für den Neubau aber mittragen könne: "Wir würden sonst auf halbem Weg stehenbleiben." Auch GAL-Fraktionschef Walter Seifermann kam letztlich zu dem Schluss, er könne "zähneknirschend" zustimmen.

Johannes Moosheimer (Freie Wähler) machte hingegen klar, dass die "gewaltige Kostensteigerung" für seine Fraktion nicht tragbar sei. Es gebe Vorschläge, die über der Mensa vorgesehenen Klassenräume in nur einem statt wie geplant in zwei Obergeschossen unterzubringen. Auch Hans-Jürgen Jacobs (CDU) zeigte sich überzeugt, dass dies möglich sei, wenn auf eine Terrasse verzichtet würde. Dass die Verwaltung diesen Vorschlag als nicht praktikabel zurückwies, ohne ins Detail zu gehen, ärgerte unter anderem seine Fraktionskollegin Margret Burget-Behm. Sie fühle sich wie ein "kleines Dummchen" behandelt, wenn Vorschläge "einfach vom Tisch gewischt" würden. Auch Karl Ehinger (FW) monierte heftig, dass die Ideen nicht ernsthaft geprüft worden seien. Bernd Broß attestierte der Verwaltung wenig Sparwillen. Daniel Fritz (CDU) und Ulrich Nagel (SPD) vermissten innovative Ideen und Fantasie bei der Suche nach Einsparmöglichkeiten. CDU-Fraktionschef Georg Feuerer forderte schließlich ebenfalls eine Umplanung, um Kosten einzusparen. Lediglich FDP-Chef Lutz Jäckel äußerte Zweifel, dass die Reduktion um ein Stockwerk viel einsparen könne. Wenn man nun spare und später nachrüsten müsse, werde es eher teurer.

Auf mehrfache Nachfrage hieß es vonseiten der Verwaltung schließlich, dass ein niedrigeres Gebäude mit der gleichen Zimmeranzahl rund 5,75 Millionen Euro kosten könnte. Dies müsse aber genauer geprüft werden. Die Verwaltung nahm den Antrag Seifermanns auf, das Thema zu vertagen und an den Technischen Ausschuss zurückzuverweisen. Man werde die Alternative durchrechnen und insgesamt Einsparungsmöglichkeiten suchen. Dies kostet allerdings Zeit und Geld: Die zusätzlichen Planungskosten wurden in der Sitzung auf 50 000 bis 100 000 Euro geschätzt. Das Ergebnis werde man erst im kommenden Jahr vorstellen können.

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