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Verbeugung vor britischer Kultband
Verbeugung vor britischer Kultband
02.12.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (urs) - Eine Genesis-Coverband hat es nicht leicht. Wer kann den Sängern Peter Gabriel und Phil Collins sowie Steve Hacket, Tony Banks und Mike Rutherford schon das Wasser reichen? Also ist es schon ganz schön mutig von der Band "Geneses", sich als "Europas größte Genesis-Tribute-Show" anzukündigen. Aber was die Band am Freitagabend vor rund 400 Besuchern im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl ablieferte, war nicht von schlechten Eltern.

Natürlich nicht ganz dem Original verpflichtet, das ist bei eingefleischten Fans schlichtweg nicht möglich, aber das "Genesis Feeling" schwappte trotzdem über, auch wenn das Bühler Publikum nur schwer aus der Reserve zu locken war. Applaus gab es zwar überschwänglich nach jedem Song, richtig Stimmung kam allerdings erst gegen Ende des Konzerts auf. Aber auch da konnten sich die Besucher nur schwer von ihren Sitzen lösen. Standing Ovations gab es dann nach 160 gespielten Minuten dennoch.

Schlicht in Schwarz gekleidet kamen die fünf Musiker gegen 20 Uhr auf die Bühne. Schon bei den ersten Tönen von "The Lamb lies down on Broadway" vom gleichnamigen Album durfte sich das Publikum in die Zeit der großen Erfolge von Genesis zurückversetzt fühlen. Präsentiert wurde ein Querschnitt aus der ersten großen Phase der Band mit Peter Gabriel als Frontmann in den 1970er Jahren und aus der Zeit, als Phil Collins als Genesis-Sänger mit von der Partie war. Die Musik war in beiden Schaffensperioden höchst anspruchsvoll und von rhythmischer Komplexität und daher eine große Herausforderung für jeden Musiker.

Keyboarder Bert Böttcher erwies sich dabei als einfach mitreißend gut, hielt die Band zusammen und agierte auf einem hohen Level, währende Gitarrist Kai Hildebrand und Bassist Viktor Sirjanow eine solide Lei stung dazu ablieferten. Auch "Hauptschlagzeuger" Kim Schwarz wusste seine Qualitäten einzubringen. Wenn er sich mit Sänger und Drummer Alex van den Berg bei einigen Songs den Rhythmuspart teilte - denn ja, es gab zwei Schlagzeuge auf der Bühne - bestach dieses Schlagzeugduo durchweg durch eine kaum zu überbietende Synchronizität.

Sänger van den Berg schaffte es nahezu, die Stimmung der alten Songs einzufangen. Die Lieder von Phil Collins klangen beinahe perfekt, auf jeden Fall viel besser als erwartet. Die Herzen der Zuschauer waren in Minuten gewonnen bei Ohrwürmern wie "Mama", "No Son of Mine" und "Carpet Crawlers". Einige Songs aus dem letzten Album mit Peter Gabriel hätte man dagegen lieber weglassen sollen. "The Chamber of 32 Doors", ging völlig daneben, fast schon ein Sakrileg. Auf diesem Album erzählt die Band die surreale Geschichte des puerto-ricanischen Jungen Rael, der in New York City lebt und in große Abenteuer voller Gefahren hineingezogen wird. Mit "Lilywhite Lilith" machten "Geneses" jedoch alles wieder wett und blieben nahe am Original.

Ein echter Gewinn waren die Momente, wenn Sänger Alex van den Berg hinter sein Schlagzeug kletterte und gemeinsam mit Schwarz eine grandiose Leistung auf den Drums ablieferte - ein reines Instrumentalgewitter. Und obwohl der Sänger eine Erkältung hatte, schafft er es mit seiner (etwas gebremsten) Energie und Leidenschaft, die Show anzuheizen.

So schwelgten nicht nur die eingefleischten Genesis-Fans im Publikum in der "guten alten Zeit". Obwohl es ein Rätsel bleibt, warum die Besucher immer mitsingen sollen bei einem Konzert. Zumal das bei so einem wunderbaren Song wie "Carpet Crawlers" gar nicht nötig gewesen wäre. Dennoch wurde an diesem Abend einmal mehr der Beweis erbracht, dass wirklich gute Musik einfach zeitlos ist und keine Animation braucht.

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