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Priorität für Arbeitsplatzsicherung
Priorität für Arbeitsplatzsicherung
05.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Nadine Fissl

Bühl - Die Krise der Automobilbranche zieht weiter ihre Kreise. Durch Bekanntgabe der Stellenstreichungen bei Audi und Daimler wurde die prekäre Situation, in der sich die Automobilindustrie befindet, noch einmal deutlich. Auch Zulieferer wie Schaeffler können sich nicht mehr dieser Negativ-Spirale entziehen. Der größte Arbeitgeber Bühls befindet sich im Krisenmodus.


Die Anspannung in der Bühler Großsporthalle sei deutlich zu spüren gewesen, berichtet Betriebsratsvorsitzender Volker Robl von der jüngsten Betriebsversammlung bei Schaeffler, an der rund 1 700 von 5 200 Mitarbeitern teilnahmen. Sie sollen aber noch einmal in gesonderten Abteilungsversammlungen informiert werden.

Das Hauptaugenmerk der Versammlung lag auf der geplanten Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Die Unternehmensleitung der Schaeffler-Sparte Automotive OEM verhandelt momentan darüber, die wöchentliche Arbeitszeit um fünf Prozent zu reduzieren. Robl bezeichnet diesen Vorschlag als "gangbaren Weg" und "solidarisch", da er alle Mitarbeiter gleichermaßen betreffe. Ob Geringverdiener mit der kleinsten Stundenanzahl davon ausgenommen werden, darüber werde allerdings noch verhandelt. Sollte der Arbeitgeber sich für diese Maßnahme entscheiden, würde er für deren Laufzeit betriebsbedingte Kündigungen komplett ausschließen. Ein "Schutz", der laut Robl von "enormer Bedeutung" wäre.

Eine Arbeitsreduzierung ist jedoch nicht in allen Abteilungen in gleicher Weise realisierbar. Wo die Arbeitsbelastung zunehme oder gleich bleibe, könne nicht einfach gekürzt werden, so Robl.

Petra Wolf, Leiterin der Standortkommunikation, berichtet von einer zurückgehenden Nachfrage nach reinen Verbrennungsmotoren. In der E-Mobilität, also bei elektrifizierten Antrieben, sehe man durchaus Wachstumsimpulse. Aus diesem Grund wäre eine "Querverschiebung von Arbeitsplätzen" nötig, wie Robl hinzufügt. Ingenieure würden mit Weiterbildungsmaßnahmen für die Elektromobilität qualifiziert.

Der Bau eines neuen Entwicklungszentrums für die Elektromobilität in den Bußmatten wurde erst einmal "aufgeschoben und nicht aufgehoben", wie Robl meint. Neuentwicklungen würden dadurch aber nicht behindert. Wolf ergänzt: "Das Entwicklungszentrum E-Mobilität befindet sich bereits in der Automotive Unternehmenszentrale in Bühl, "und das wird auch so bleiben". Es werde lediglich der Bau des neuen Gebäudes zurückgestellt.

Dass die neue Technologie trotz der wirtschaftlichen Situation nicht vernachlässigt werde, zeigten weitere Pläne: Ab 2021 will Schaeffler sich auch an Elektro-Motoren versuchen. Entwickelt werden sollen diese in Bühl, die Produktion nach der Serienreife sei jedoch in Ungarn vorgesehen. Es sei eine reine Kostenfrage, ob man den Auftrag überhaupt erhalte. "Da geht es um jeden Cent", erklärt Robl. Bei ganz neuen Produkten wie bei der E-Mobilität sei es wichtig, erst einmal "den Fuß in der Tür zu haben".

Norbert Göbelsmann, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Offenburg, lässt verlauten: "Mit der heutigen Arbeit sollen zukünftige Arbeitsplätze gesichert werden." Dafür bestehe noch Klärungsbedarf. Die Beschäftigten hätten in vergangenen Jahren schließlich "fantastische Renditen" beschert. Ob Elektromotoren in Zukunft in das Produktionsportfolio aufgenommen werden können, sei noch unklar.

Stellen müssen trotzdem abgebaut werden. Mit dem Freiwilligenprogramm plant Schaeffler, rund 1 300 Stellen in ganz Deutschland einzusparen. "Wir sind gut davongekommen", kommentiert Volker Robl. Das Programm gelte für alle Mitarbeiter nach dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit. Ein Aufhebungsvertrag erfolgt nur, wenn Arbeitnehmer und -geber gleichermaßen damit einverstanden sind.

Petra Wolf versichert, dass betriebsbedingte Kündigungen "zurzeit ausgeschlossen" seien. Wie die Verhandlungen weiter verlaufen, bleibe abzuwarten.

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