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Winnetou reitet durch das Hänferdorf
Winnetou reitet durch das Hänferdorf
13.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Udo Barth

Bühl - Eigentlich ist der Name des Gitarristen schon Programm: Claus Boesser-Ferrari. Also der Formel-Eins-Rennwagen der Gitarristenszene. Zum Boxenstopp im Bühler Schütte-Keller hat er sich vorsichtshalber einen anderen Gitarristen der Extraklasse zur Seite gestellt. Volker Schäfer ist nachhaltig angereist, denn er wohnt in Ettlingen, und betreibt dort eine eigene Musikschule.

Was Boesser-Ferrari, der Stilist der deutschen Akustik-Gitarrenszene über sich selbst sagt, könnte auch gut für beide gelten: "Es geht mir vor allem um die Authentizität und Wahrhaftigkeit in der Musik." Ja, es handelt sich um Vielschichtigkeit bei diesem Konzert der Extraklasse, um stilistisches Überschreiten von Grenzen, um dynamisches Überwinden von Grenzen, die der Hörer einer Gitarre gar nicht vermutet.

Volker Schäfer, der erklärte Beatles-Fan, steigt mit ruhigeren, fast traurigen Liedern ein ("obwohl ich ein humorvoller Mensch bin") und arbeitet sich mit "Wolkenbildern" zu den Fab Four vor. "Ä bissel ebbs Romantisches" - seine akustische Pilgerfahrt führt von Mallorca direkt nach Liverpool, wo "Penny Lane" grüßen lässt. Seine artistischen Tonartenwechsel sind schlichtweg phänomenal.

Wenn dann sein Kollege Boesser-Ferrari die Bühne entert, wird gehörig aufgerüstet. Denn sein reichhaltiges Instrumentarium schließt auch eine zwölfsaitige Gitarre mit ein, mit der er improvisierte Variationen en masse zaubert. Da reitet Winnetou durch das Hänferdorf, also Klänge der Prärie, Pferde und andere Tiere auf der Flucht, Pfiffe, ein leises Quietschen, lauter werdend und übergangslos in eine Fleetwood-Mac-Melodie mündend. Boesser-Ferrari donnert Akkordfolgen herunter, dass einem schier schwindelig wird.

Der Schütte-Keller ist ja bekannt für seine Präsenz von Gitarristen-Eliten, aber das gemeinsame Konzert von Schäfer und Boesser-Ferrari setzt dem Ganzen noch einmal eine Krone auf. Boesser-Ferrari hat nicht angekündigt, was er spielt, das ergebe sich, er könne seinen eben geschriebenen Spickzettel eh aus der Ferne nicht mehr lesen (er geht freundlich auf die Siebzig zu) und er habe es danach auch gleich wieder vergessen, was er soeben gespielt hat, er folge dem, was er soeben gespielt hat, gemeinsam mit dem Publikum. Welches schlichtweg begeistert ist.

Und die Gitarre wird nicht nur virtuos als Saiteninstrument eingesetzt, sondern auch perkussiv, beklopft und mit Tönen versorgt, die sprachlos machen. Dazu nutzt er auch ein fußbedientes Eigenbau-Gerät ohne Gehäuse, dessen Schweller, Kondensatoren und Transistoren allen sichtbar waren und notfalls Hall und andere Effekte zufügen oder absetzen. Wenn dann die beiden Gitarristen sich zu gemeinsamen Taten vereinigen, ist nichts weniger als pure Freude angesagt. Und der lang anhaltende Beifall gibt Rüdiger Schmitt vom Schütte-Keller recht, wenn er sagt, er lade immer die Besten ein.

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