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Gänsehautfeeling gepaart mit kindlicher Fantasie
Gänsehautfeeling gepaart mit kindlicher Fantasie
14.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Ursula Klöpfer

Bühl - Der erste Auftritt der Schneekönigin sorgt unweigerlich für Gänsehautfeeling: Von hinten schreitet die weiße Frau in ihrem schimmernden Kleid, mit passendem Turban und roter wallender Robe durch die Publikumsreihen Richtung Bühne. Dort wallt Nebel auf. Da bekommt so manches Kind doch ein wenig Angst und schmiegt sich schnell an die Mama oder Oma.

Doch schon ist der Spuk vorbei und der freche Kobold Karl-Heinz nimmt die Spannung aus dem Geschehen und macht einen Scherz. Die Kleinen lachen wieder. Die Rede ist von der Kinderoper "Die Schneekönigin", die die Kammeroper Köln in einer rund einstündigen Inszenierung am Sonntag im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl auf die Bühne brachte. Keine leichte Kost, bekanntlich sind ja die Märchen von Hans Christian Andersen nicht gerade die einfachsten. Umgearbeitet von der Komponistin Esther Hilsberg (Musik) und Kerstin Weiß (Libretto) präsentierten die sechs Schauspieler jedoch eine kindgerechte Aufführung mit Tiefe, aber auch spielerischen Elementen. Damit das Mädchen Gerda ihren Freund Kay vor der bösen Schneekönigin retten kann, war nämlich die tatkräftige Unterstützung des jungen Publikums im Saal unumgänglich. Rund 100 Kinder und ihre Eltern waren gekommen, um die Abenteuer des mutigen Mädchens zu erleben.

In der Geschichte spielen die Themen Freundschaft und Erwachsenwerden eine große Rolle. Für Gerda (Alishia Funken) und ihren besten Freund Kay (Kelsey Frost Steele) gibt es nichts Schöneres, als im Sommer neben blühenden Rosen zu spielen. Doch eines Tages wird Kay von zwei Eissplittern ins Auge und Herz getroffen. Die Splitter stammen von einem zerbrochenen Zauberspiegel, der alles Gute und Schöne verzerrt und hässlich aussehen lässt. So kommt es, dass Kay seine Freunde plötzlich langweilig findet und über die Rosen spottet. Als die böse Schneekönigin mit ihrer Kutsche vorbeifährt, folgt der Junge ihr ins Reich der Kälte.

So begibt sich auch Gerda auf die gefährliche Reise ins Land der Schneekönigin (Carrie-Anne Winter), um ihren Freund zu retten. Doch sie geht nicht alleine: Der stets zu Späßen aufgelegte Kobold (Markus Lürick) steht ihr zur Seite. Viele Hindernisse müssen die beiden auf ihrem Weg umschiffen: Bald treffen sie unter anderem einen Prinzen, der das Mädchen zum Bleiben überreden möchte, und werden von Räubern überfallen.

Doch das Mädchen lässt sich nur von ihrem Herzen leiten, und so gelingt es nach vielen Abenteuern, Kay aus dem Palast der Schneekönigin zu retten und seine Freundschaft zurückzugewinnen: Als Gerda ihren verzauberten Freund sieht, weint sie um ihn. Ihre Tränen lassen sein gefrorenes Herz schmelzen und spülen die Zauber-Splitter aus seinem Auge. Beide können nach Hause zurückkehren.

Es stellt sich die Frage: Passen klassische Oper und Kinder zusammen? Ohne Zweifel ist es ein schöner Ansatz, Kinder spielerisch an die Oper heranzuführen. Und doch ist es oft schwierig, die gesungen Worte zu verstehen. Vor allem die hohen Sopranstimmen erfordern genaues hinhören und konzentrierte Aufmerksamkeit. Doch dieses Defizit macht die ansteckende Spielfreude der Darsteller (vor allem die des Kobolds), mehr als wett. Immer wieder werden die Kinder zum Mitsingen und Mithelfen aufgefordert. Vor allem in brenzligen Situationen. Wunderbar ist natürlich auch die Tatsache, dass die Oper live am Flügel begleitet wird.

Über das Bühnenbild kann man geteilter Auffassungen sein. In seiner Schlichtheit fordert es die Fantasie, kommt aber auch ein wenig farblos daher. Ein wenig mehr Liebe zum Detail hätte der Oper gutgetan. So aber steht immerhin die Handlung, nicht die Ausstattung im Vordergrund.

Wie ein roter Faden durchzieht das Lied "Rosen sie blühen, Rosen verwehen, wir werden das himmlische Christkind sehn" die Inszenierung. Um diese Zeilen zu verstehen, muss man einen Blick ins Kunstmärchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen werfen, denn dort erfährt der Neugierige, warum es sich lohnt, im Herzen Kind zu bleiben und so die Welt mit ungetrübtem Blick zu betrachten.

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