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Angeklagte entschuldigt sich
Angeklagte entschuldigt sich
14.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Bodo G. Toussaint

Bühl (bgt) - Die Angeklagte durfte als Wiederholungstäterin im Hinblick auf ihr Strafmaß auf nicht allzu viel Milde hoffen, ihr persönliches Auftreten vor Gericht gereichte ihr dennoch nicht zum Schaden. Da die 46-jährige Mutter von zwei Kindern derzeit eine Strafe abbüßt, wurde sie aus der Haft in den Gerichtssaal nach Bühl gebracht. Angeklagt war sie wegen Betrugs und Urkundenf älschung und die Taten gab sie auch unumwunden zu.

Sie hatte sich ihre Wohnung neu renovieren lassen, doch die Rechnung über 1 400 Euro dann nicht beglichen. Damit nicht genug, fingierte sie auch noch die Unterschrift des Malermeisters und versuchte damit, von dessen Firmenkonto vier Mal Abhebungen im Gesamthöhe von 14 500 Euro zu tätigen. Weil die Bank irrtümlich zwei Überweisungsträger anerkannte, wurden davon tatsächlich 6 500 Euro ausbezahlt. Das spürbare Loch in der Firmenkasse wurde freilich von der Bank alsbald wieder ausgeglichen, doch auf der Lohnforderung blieb der Malermeister bis heute sitzen.

Von Richter Sebastian Wußler nach den Hintergründen ihres Vorgehens befragt, erklärte die Angeklagte dies mit der für sie äußerst fatalen Beziehung zu einem Mann, der sie ganz offensichtlich rigoros ausgenutzt und sie um sämtliche Ersparnisse gebracht habe. "Ich habe das bis heute noch nicht verarbeitet!", resümierte sie sichtlich bewegt. "Ich wollte es einfach nicht sehen. Ich war ja so blind!". Zudem habe ihr der Mann über die Jahre vorgemacht, ledig zu sein, obgleich er ganz in ihrer Nähe mit Ehefrau und zwei Kindern gelebt habe. "Der Mann hat heute noch Zugriff auf meine Konten, ich kriege ihn da nicht raus", erklärte sie.

Nach der Zeugenaussage des Geschädigten entschuldigte sie sich bei ihm und versicherte, dass der Schaden derzeit mit 20 Euro monatlich beglichen werde. Das löste zwar keinen allzu großen Jubel bei dem Geschädigten aus, sprach aber immerhin für die guten Absichten der Angeklagten, die darüber hinaus dem Gericht nachweislich darlegen konnte, sich in der Haft einer psychologischen Betreuung zur Tataufarbeitung zu unterziehen.

Der Staatsanwalt jedenfalls blieb mit seiner Forderung von sechs Monaten Freiheitsstrafe im unteren Bereich des Strafmaßes. Eine Aussetzung auf Bewährung freilich war angesichts ihrer 20 Vorstrafen (jeweils mehrfach Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Betrug, Urkundenfälschung, Computerbetrug, Unterschlagung), infolge derer die Angeklagte bereits mehrere Jahre Haft verbüßt hatte, nicht mehr möglich. Ihr Verteidiger führte zur Entlastung seiner Mandantin noch deren erheblich angeschlagenen Gesundheitszustand ins Feld und stellte die Höhe der zu bildenden Gesamtstrafe in das Ermessen des Gerichts. Die letzten Worte der 46-Jährigen, mit denen sie sich noch einmal für ihre Taten entschuldigte, wirkten glaubhaft.

So lautete letztlich auch das Urteil: Sechs Monate Freiheitsstrafe. "Das hätte bei Ihnen durchaus auch auf gewerblichen Betrug hinauslaufen können, doch Ihre Bereitschaft sowohl zur Schuldentilgung, als auch zur psychologischen Beratung haben mich überzeugt. Sie müssen an sich arbeiten", führte der Richter aus, und man bekam den Eindruck, als fiele die Ermahnung auf fruchtbaren Boden.

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