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Feuerwehr braucht mehr Hauptamtliche
Feuerwehr braucht mehr Hauptamtliche
16.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Harald Holzmann

Bühl - Nur vier hauptamtliche Mitarbeiter hat die Bühler Feuerwehr. Patrick Kist ist in Elternzeit, Reiner Jägel auf Lehrgang in der Landesfeuerwehrschule Bruchsal. Kommandant Günter Dußmann und sein Kollege Urs Schneider müssen den Betrieb an diesem Tag zu zweit am Laufen halten. Das zeigt die Situation bei der Freiwilligen Feuerwehr in der 30 000-Einwohner-Stadt. "Mittelfristig brauchen wir mehr hauptamtliche Kräfte", sagt Dußmann.

"Mittelfristig" - das heißt für den Kommandanten in den kommenden drei bis fünf Jahren. Und "mehr" bedeutet, es besteht Bedarf für sieben oder acht Hauptamtliche in Bühl. Dußmann ist im Gespräch mit der Stadtverwaltung über das Thema - und er hofft, dabei in den kommenden Monaten weiterzukommen, trotz der leicht angespannten Haushaltslage in der Großen Kreisstadt.

Arbeit bei der Feuerwehr - das ist eben weitaus mehr als das Engagement bei den Blaulicht-Einsätzen bei Bränden, Unfällen, Rettungs- und Suchaktionen, Übungen oder bei Sicherheitswachen. Das wird bei einem Rundgang durch die Kellerräume in der Wache in der Steinstraße deutlich. Dort finden sich die Werkstätten und eine Wäscherei. In der großen Trommel der Waschmaschine drehen sich gerade Anzüge der Feuerwehr Forbach. Und auf dem Tisch in der Werkstatt liegen Atemschutzgeräte aus einer anderen Kreisgemeinde für die Überprüfung bereit. Die Feuerwehr in Bühl hat nämlich zentrale Funktion und erledigt deshalb Aufgaben für andere Wehren in der Umgebung mit. Und das machen die Hauptamtlichen. Zudem beraten sie Firmen und Privatleute in Sachen Brandschutz, und es werden Gutachten erstellt oder Betriebe besichtigt.

Dabei betont Dußmann: Ohne Ehrenamtliche ginge nichts in Bühl. "Wir haben derzeit 274 Freiwillige Feuerwehrleute in der Großen Kreisstadt", sagt er. "Und wir könnten mehr gebrauchen." Da in der Regel im Einsatzfall nicht immer alle abkömmlich seien, müsse immer die dreifache Menge an Einsatzkräften alarmiert werden. "Ein Löschzug besteht aus 21 Personen. Also müsste ich im Brandfall 63 Einsatzkräfte alarmieren. Die Abteilung Kernstadt hat aber nur rund 50 Mitglieder. Das reicht also nicht", macht Dußmann klar, dass auch das freiwillige Personal Mangelware ist.

Um ihre Sicherheit müssten die Bühler trotzdem nicht fürchten. In der Kernstadt arbeiten viele Feuerwehrleute bei großen Firmen im Stadtgebiet, wie Dußmann sagt. Sie seien gut abkömmlich. Und in Außenstadtteilen, in denen tagsüber fast niemand alarmierbar wäre, werde die Kernstadt-Abteilung automatisch mit alarmiert. Nachts ist die Situation anders, wie Dußmann erläutert. "Da kommen oft zu viele, wenn alarmiert wird", sagt er, "und können dann recht schnell wieder heimfahren". Insgesamt komme man als Ehrenamtlicher in Bühl aber auf 140 bis 150 Alarmierungen pro Jahr. "Das ist bewundernswert, dass die Leute trotz der hohen Belastung immer da sind", so Dußmann. Das sei gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Aber es geht dem Kommandanten nicht nur um die Menge an Personal, sondern um dessen Qualifizierung. "Uns fehlen Handwerker", sagt er. "Die sind wichtig. Wenn wir beispielsweise bei einem Einsatz Zimmerleute dabei haben, dann kann ich die ohne Bedenken auf ein Hausdach schicken." In diesem Zusammenhang sei er froh, dass bei dem Brand im Herbst in der Johannespassage alles gut gegangen sei.

279 Einsätze und 107 Sicherheitswachen haben die Bühler Einsatzkräfte 2019 zu stemmen gehabt. Die Anzahl der Brände hat zugenommen - ebenso wie die Türöffnungen: Durchschnittlich wird alle 14 Tage die Feuerwehr gerufen, um hinter einer Wohnungstür nach dem Rechten zu sehen, wenn sich dort Bewohner in einer hilflosen Lage befinden.

Die Ausrüstung der Wehr befindet sich laut Dußmann auf einem guten Stand. Für 2020 und 2021 ist die Anschaffung eines neuen Rüstwagens geplant - für etwa 600 000 Euro. Insgesamt haben die zehn Abteilungen 28 Fahrzeuge, die bis zu 25 Jahre alt sind - und einen Oldtimer aus den 50er Jahren, an dem Hobbybastler unter den Feuerwehrleuten abends werkeln. Auch das zeige die Verbundenheit der Ehrenamtlichen mit ihrer Tätigkeit, sagt Dußmann.

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