Filigrane Kunst aus Lindenholz

Die Weihnachtskrippe von Familie Seebacher. Erschaffen hat sie Holzschnitzer Bernhard Geißler. Foto: Seiler

Von Hermann Seiler

Bühlertal - Auch nach mehr als 2000 Jahren beschwingt die biblische Weihnachtsgeschichte in einer digitalen Welt die Fantasie, Kreativität und den Ideenreichtum von Kunstschaffenden und Krippenbauern. An einer ganz besonderen Krippenlandschaft erfreuen sich seit 27 Jahren Monika und Günter Seebacher in Bühlertal.

Familie Seebacher wohnt im Zinken Schwarzwasen. Dort, in der guten Stube des Hauses, wenige Meter vom wärmenden Kachelofen entfernt, baut Günter Seebacher gemeinsam mit Ehefrau Monika seit knapp drei Jahrzehnten seine Weihnachtskrippe auf: ein Familien-Weihnachtsgeschenk, mit dem die Ehefrau und die Kinder einst das Familienoberhaupt überraschten.

Über mehrere Jahre wurde die Weihnachtskrippe durch weiteren Figurenkauf vergrößert. Das Kunstwerk aus Lindenholz hat mit viel Liebe zum Detail Holzschnitzer Bernhard Geißler gestaltet, der auch das große Kruzifix im Innenraum der Liebfrauen-Bergkirche im Obertal gefertigt hat.

Günter Seebacher hat seit seiner Kindheit eine besondere Vorliebe zur Weihnachtskrippe. Bereits mit zehn Jahren fertigte er Figuren in Laubsägearbeit für die Weihnachtskrippe im Elternhaus im Schwarzwasen. Als späteres Gründungsmitglied der "Narren der Bergstaaten" blieb ihm hierfür nicht mehr die Zeit - die sparte er für seine eigene weihnachtliche Hauskrippe auf. Bereits 14 Tage vor Weihnachten und unter liebevoller Mithilfe seiner Ehefrau baut er die Krippenlandschaft auf und arrangiert sie dabei immer wieder neu.

Bis Mitte Januar ist die Geburt Jesu der Mittelpunkt im gemütlich-großen Wohnzimmer. Die Vorarbeit für den Krippenbau beginnt indes viel früher. Bereits im Oktober ist Seebacher im Bühlertäler Bosch unterwegs, um "Krippele-Moos" zu sammeln - an streng geheimen Orten natürlich. Dieses wird dann längere Zeit zum Trocknen ausgelegt, damit nicht unliebsames Ungeziefer in der traditionell gestalteten Krippe die Ruhe des Kindes stört.

Felsformation aus Sandstein

Der Stall ist weit offen, damit alle zum Kind in der Krippe kommen können. Maria und Josef, das heilige Paar, sind versunken in den Anblick des Neugeborenen. Ochs und Esel versinnbildlichen den friedlichen Gleichklang mit der Schöpfung. Übers weite Feld sind die Heiligen Drei Könige gekommen, um ihre Gaben dem neugeborenen Friedensfürsten zu bringen. In unmittelbarer Nähe hüten Hirten ihre Schafe. Orientalischen Flair vermitteln dem Geschehen ein sitzendes und ein würdevoll schreitendes Kamel mit Kamelführer. Einen kleinen künstlerischen Beitrag leistete Krippenvater Günter Seebacher, indem er aus Speckstein ein Schaf und einen Esel fertigte. Die kleinen Felsformationen im Krippenbild sind nicht aus hartem Gertelbach-Granit, wie einmal geplant, sondern aus normalem Sandstein.

Das hervorragende künstlerische Schaffen, mit dem Geißler der Weihnachtskrippe von Familie Seebacher einst blühendes Leben einhauchte, offenbart sich dem, der einmal die Kunstwerke zum Betrachten in Händen hält. Sollte es möglich sein, würde Monika Seebacher gern noch die eine oder andere Krippenfigur aus dem Fundus von Bernhard Geißler erwerben, um damit ihrem Ehemann weihnachtliche Freude zu bereiten.

zurück
1