Von Klosterfrauen, Medikussen und Badern

Bau des Seniorenwohnheims in Stollhofen: Anknüpfung an ein früheres Gesundheitswesen. Foto: Gutmann

Von Ernst Gutmann

Rheinmünster - Im Ortsteil Stollhofen wird derzeit ein Seniorenwohnheim errichtet. Die Geschichte der Kranken- und Altenpflege in der ehemaligen Stadt reicht weit zurück. Sie lässt sich bis ins Spätmittelalter zurückverfolgen.


1377 bereits befand sich auf dem Gelände des heutigen Friedhofs, neben der Kirche St. Cyriak, ein Haus der Beginen. Die Klosterfrauen übernahmen unter anderem auch die Kranken- und Altenpflege. Anna von Lomersheim, eine Adlige aus dem Haus Lomersheim (Enz), führte das Haus. Ritter Werner von Lomersheim, ihr Vorfahre, war unter anderem Stifter des Klosters Maulbronn.

Wie kam Anna von Lomersheim nach Stollhofen? Ihre Schwester Irmel war mit Ritter Albrecht von Rust (dem Älteren) verheiratet. Die Herren von Rust dienten dem Markgrafen von Baden über drei Generationen lang als Obervögte in Stollhofen. In der letzten Generation stiftete Elisabeth von Rust, Witwe von Ritter Albrecht, zwei Häuser, mehrere Äcker und eine große Geldsumme. Dieses Vermögen ging als Stiftung an die St.-Erhards-Kaplanei in der Stadt. Hiermit sollte auf ewige Zeiten in der Kirche jeden Samstag eine Messe am Marienaltar zugunsten der Stifterfamilie gelesen werden.

Die Spurensuche führt des Weiteren zu einem Spittel-Stückel (Spital-Acker) aus dem Jahre 1398. Tatsächlich befand sich schon um 1478 eine Quarantäne-Station südlich von Stollhofen. 1590 wurde zur weiteren Finanzierung eine Stiftung gegründet, getragen von der Stadt und dem Amt Stollhofen sowie den Klosterdörfern Schwarzach und Vimbuch. 1616 wurde die Stiftung um das Amt Beinheim erweitert. Als "Siechenmeister" war damals Sebastian Knäbel tätig. Gutleuthaus und Stiftung bestanden bis zur Zerstörung der Stadt um 1707.

In einer von 1472 bis 1511 aufgeführten Badestube in der Rathausgasse amtierte ein Bader als Heilkundiger. Er hatte das Amt als markgräfliches Lehen erhalten. Die Badestube wurde danach zu einem privat geführten Unternehmen unter Aufsicht der Stadtverwaltung.

Der Stiftung Elisabeths von Rust wurde 1583 das sogenannte Pfründehaus bei der Kirche St. Erhard entnommen und darin ein Spital eingerichtet. Es diente zur Aufnahme von Alten, Kranken und "zugelaufenen Kindern".

Die Spitalstiftung überlebte die folgenden schlechten wirtschaftlichen Zeiten nicht. Markgraf Fortunat hatte sein Land in große Schulden gestürzt. 1594 übernahm das Haus Baden-Durlach das überschuldende Baden-Baden. Die Stiftung fiel dem Schuldenabbau zum Opfer.

Nach Einrichtung einer Garnison 1594 übernahmen die Medikusse des Militärs einen Teil der Gesundheitsversorgung. Einer von ihnen, Johann Heinrich Holl Chirurg, starb am 16. August 1689 bei einem Überfall der Franzosen. Parallel dazu gab es weiterhin den städtischen Barbier.

Auch nach der Zerstörung der Stadt 1707 sind Ärzte in Stollhofen aufgeführt. So ist im Totenbuch der Pfarrei der 1777 verstorbene Joseph Mayer als Chirurg und Wundarzt zu finden. Sein Sohn Johannes wurde ebenfalls Chirurg. Dessen Tochter Maria Viktoria heiratete einen Franz Weber, ebenfalls "Chyrugus". Er übernahm von seinem Schwiegervater die Praxis in Stollhofen.

Nochmals findet sich ein Nachkommen der Arzt-Dynastie Weber, als die Tochter Maria Anna des Medikus Xaver Weber einen Joseph Lehmann von Offenburg ehelichte, den letzten Arzt in der Geschichte Stollhofens. Beide hatten sechs Nachkommen, von denen nur drei die Kindheit überlebten. Die Söhne zogen weg: Martin wanderte in die USA aus, Karl ging nach Steinmauern. Tochter Maria Anna heiratete am 18. Februar 1847 den zugewanderten Johann Eder, der die Praxis weiterführte. Er war allerdings nur "Wundarznei-Diener", vergleichbar mit einem Barbier, und somit kein Arzt. Noch im Alter von 83 Jahren wurde Eder 1909 auf der Liste der Gemeinde als Leichenschauer geführt.

Vor 1900 bis in die 1970er Jahre hinein wurde Stollhofen durch medizinisch ausgebildete Schwestern aus dem Orden der Franziskanerinnen versorgt. Somit kann das neue Seniorenwohnheim als eine wünschenswerte Erneuerung uralter Einrichtungen gelten.

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