Windpark auf Hundseck, VfB und SVB fusionieren

Windpark auf Hundseck, VfB und SVB fusionieren

Januar

Der Friedrichsbau, Bühls funktionale und gesellschaftlich gute Stube, steht bis auf Weiteres nicht zur Verfügung. Grund: Dort tagt mehrere Wochen das Preisgericht eines europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerbs für die neue Bühler Weihnachtsbeleuchtung. Das bedeutet, dass dort auch das traditionelle Wassersuppenessen der Stadt am Schmutzigen Donnerstag nicht stattfinden kann. Fieberhaft wird nach einem Alternativstandort gesucht. Der entscheidende Tipp kommt von Stadtbrandmeister Günter Dußmann. Er erinnert sich nur zu gut an einen Großeinsatz an Heiligabend in einem Wohn- und Geschäftshaus am Johannesplatz, in dessen erstem OG ein Asia-Restaurant untergebracht ist. Nach einem Wasserrohrbruch mussten aus dem Keller 160 000 Liter Wasser abgepumpt werden. "Hubsi" Schnurr als Schirmherr des städtischen Narrenempfangs schaltet gewohnt spontan und verkündet beim Neujahrsempfang, dass das Wassersuppenessen ins "Taumi" verlegt wird.

Februar

Der Baden-Airpark wird immer mehr zu einer Oase der Ruhe. Nach der Insolvenz von Air Berlin und Niki und den seit Wochen streikenden, undankbaren Piloten von Ryanair, denen inzwischen immerhin der Mindestlohn von 8,84 Euro (pro Flugstrecke) zugestanden wird, befinden sich im Söllinger Luftraum inzwischen mehr Saatkrähen und Fischreiher als Flieger. Der Deutsche Bund für Vogelschutz (DBV) beantragt, Starts und Landungen nur noch für Segelflugzeuge zuzulassen.

März

In der Mannheimer SAP-Arena wird deutsche Volleyballgeschichte geschrieben: Im Pokalfinale nehmen die Bisons aus Bühl die Fischköpfe des VfB Friedrichshafen auf die Hörner und filetieren sie regelrecht. Der japanische Superstar aufseiten der Zwetschgenstädter, Masahiro Yanagida, versenkt die "Häfler" mit seinem typischen Kamikaze-Stil fast im Alleingang. Der Boulevard titelt geschichtsträchtig: "Der Bodensee erlebt sein Pearl Harbor!" Dietmar Hopp nennt daraufhin seine SAP-Arena in JAP-Arena (Japanese Arena) um. Zurück in Bühl, gibt die Stadt einen großen Empfang in der Ulrika-Nisch-Kapelle. OB Schnurr und sein Beigeordneter Jokerst geben eine Autogrammstunde und überreichen jedem Spieler ein handsigniertes Bühler Jahrbuch.

April

Zügig voran kommt die Neugestaltung des Markt- und Kirchplatzes. Auf Vorschlag der bauausführenden Baden-Badener Firma wird alternativ auch die Oberflächengestaltung mit Beton oder Asphalt geprüft. Die mit ursprünglich 1,3 Millionen Euro veranschlagten Kosten könnten damit um 30 Prozent unterschritten werden. Das stätische Bauamt hebt die Auftragsvergabe auf und schreibt die Arbeiten neu aus. Das Ergebnis der zweiten Submission kommt einem kommunalpolitischen Erdbeben gleich: Die Kosten explodieren auf 2,6 Millionen Euro. Und auch das Zeitfenster ist nicht mehr zu halten. An eine Fertigstellung ist vor Herbst 2020 nicht zu denken. So lange wird es auf den Plätzen kein Zwetschgenfestweindorf, keinen Bauernmarkt, keinen Adventsmarkt, keine Bühler Samstage und auch keinen Wochenmarkt mehr geben. Ein Gutachterbüro wird eingeschaltet. Es empfiehlt als Zwischenlösung, den Bauhof mit dem bewährten Einbau von Kaltasphalt zu beauftragen. Damit entsteht Bühls erster Campus.

Mai

Die Fußballsensation kommt nicht aus München, wo der FC Bayern seine 148. deutsche Meisterschaft feiert, sondern aus der Landesliga Südbaden: Der VfB Bühl und der SV Bühlertal steigen direkt beziehungsweise nach einer erfolgreichen Relegationsrunde in die Verbandsliga auf. OB Hubert Schnurr und sein Kollege Hans-Peter Braun erkennen die Gunst der Stunde und wollen die IKZ (Interkommunale Zusammenarbeit) weiter ausbauen. Nach den erfolgreichen Kooperationen im Wasser- und Abwasserbereich, im Feuerwehrwesen, beim Bäderbetrieb und im Tourismus steigen sie in Sondierungsgespräche ein. Am Ende steht eine Fusion. Der neue Verein heißt VSB BühlTal. Beide Kommunen profitieren. Die Stadt Bühl kann sich das Geld für einen Kunstrasenplatz sparen, im Gegenzug verspricht VfB-Präsident, Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler, bei personellen Engpässen in den Pfarrgemeinden St. Michael und Liebfrauen auszuhelfen. Auch sichert er zu, keine Schmähpredigten mehr von der Kanzel, wie in der Vergangenheit vor Lokalderbys auf Kosten des SVB, zu halten. Stattdessen präsentiert er mit der Erzdiözese Freiburg einen neuen, überaus großzügigen Trikotsponsor. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Der favorisierte Trainer Carlos Ancelotti sagt ab. Grund: Auf dem Platz, vor allem aber in der Kabine ist kein Zigaretten-, sondern allenfalls Weihrauch erlaubt.

Juni

Bei der Unterbringung des ruhenden Verkehrs auf dem Lörch-Gelände ist der Deckel endlich drauf. Statt einer Tiefgarage fordert die Stadtverwaltung nun ein Parkdeck. Die Schulkonferenz der Carl-Netter-Realschule, bestehend aus dem Lehrerkollegium, der SMV und den Elternvertretern, hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, dieses auf dem Pausenhof zu errichten. Dieser war ohnehin viel zu groß dimensioniert. Die Schüler würden die Pausen eh größtenteils im Octomedia mit der Suche nach neuen Smartphone-Modellen verbringen. Weiterer Vorteil: Die Lehrer hätten für ihre Autos endlich einen überdachten Stellplatz, und auch die Kinder der Helikopter-Mütter könnten trockenen Fußes über eine verglaste Brücke die Klassenzimmer erreichen.

Juli

Das "dog inn", Deutschlands erstes Hallenschwimmbad für Hunde im Baden-Airpark, boomt. Aber nur in den Wintermonaten. Jetzt, im Hochsommer, wollen Bello & Co. im Freien planschen. Aber wo? Der Rheinmünsteraner Bürgermeister Helmut Pautler erinnert sich an goldene Wellness-Zeiten, da im Kriegersee völlig losgelöst und ungeniert gebadet wurde - und zwar FKK (Friedlichste Kreis Kommune). Die Infrastruktur ist perfekt, weil das Gelände zum Schutz vor halb- oder total nackten Menschen bereits mit einem Zaun hermetisch abgeriegelt ist. Die restlichen Sicherheitslücken schließen die Vierbeiner selbst: mit ihren "Tretminen". Und das Kürzel FKK bekommt eine ganz neue Bedeutung: Fifi, Köter, Kriegersee.

August

Im Stadtgarten hat das Abstreuen der Beete und Wurzeln mit Hackschnitzel bei den After-Work-Partys und beim Zwetschgenfest ungeahnte Auswirkungen auf die Qualität des Erdreichs. Die von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten bei renommierten Bühler Bodenverlegern bestätigen einen extrem hohen PVC-Anteil (Polyvinylchlorid). Die Stadtwerke schlagen einen Tiefbrunnen und legen eine Direktleitung ins Vimbucher Klärwerk, um das Grundwasser mit biologisch wertvollen Schlämmen anzureichern und danach ins Bühler Trinkwassernetz einzuspeisen.

September

Die Kommunal- und Landespolitiker in der Region atmen auf: Auch für die Hundseck-Ruine ist endlich eine Lösung gefunden. Das Land zieht sich endgültig aus der Verantwortung zurück.

Nach neuesten Schätzungen explodieren die Kosten für das Besucherzentrum auf dem Ruhestein von ursprünglich 18 auf 62 Millionen Euro. Dagegen waren die Überschreitungen am Berliner Flughafen, bei der Elbphilharmonie in Hamburg, bei Stuttgart 21 oder bei der Kombilösung in Karlsruhe allenfalls die berühmten Peanuts. Es fällt allerdings selbst dem Rechnungshof inzwischen auf, dass drei dieser Planungspleiten im angeblich so sparsamen Ländle passieren. Auf Intervention des Landtagsabgeordneten-Dream-Teams Beate Böhlen (Grüne) und Tobias Wald (CDU) springt die UNESCO ein und erklärt die Trümmerlandschaft inmitten von Naturpark und Nationalpark zum Weltkulturerbe. Einzige Forderung: Die Energieversorgung für einen Stromzaun und die Ausleuchtung zum Schutz vor ungebetenen Nachbarn und Vandalismus muss durch einen Windpark auf dem Hohen Ochsenkopf (Auerhahngebiet) und auf dem Skihang des dann aufzuforstenden Bühlertallifts gesichert sein.

Oktober

Auch am Boden des Baden-Airparks herrscht inzwischen himmlische Stille. Einer Petition Schiftunger Bürger wird stattgegeben. Danach gilt im Fahrsicherheitszentrum ab sofort Tempo 30. Als Kompensation werden - dem Beispiel Ortsdurchfahrt Vimbuch folgend - Pflanzkübel aufgestellt, um gefährliche Ausweichmanöver zu trainieren. An Sonn- und Feiertagen darf außerdem, um den Lärmpegel weiter zu reduzieren, nur rückwärts gefahren werden. Der Petitionsausschuss legt zudem fest, dass mittelfristig nur Elektroautos zugelassen werden. Der ADAC zeichnet daraufhin das Driving-Center als Deutschlands innovativstes Fahrsicherheitszentrum aus.

Allein, was jetzt noch stört, ist das Summen von Bienen und Maikäfern. Ein Lärmgutachten wird in Auftrag gegeben. BUND und Nabu geben Vollgas und sprechen sich einhellig für eine Ostanbindung des Airparks an die A5 aus. Ansonsten drohen sie mit einem Gang durch die Verwaltungsgerichtsinstanzen.

November

Noch immer gibt es in Berlin keine Regierung. Die Wirtschaft boomt, es herrscht Vollbeschäftigung, die Inflationsrate sinkt, Steuerhöhungen sind kein Thema, und um Dokumentionspflicht bei mittelständischen Unternehmen, Hoteliers oder Gastronomen kümmert sich kein (Kuh-)Schwanz. 95 Prozent aller wahlberechtigten Bundesbürger sind mit diesem Zustand "zufrieden" bis "sehr zufrieden". 709 Abgeordnete haben nichts zu tun, weigern sich aber "stempeln" zu gehen oder Hartz IV zu beantragen. Das Reichstagsgebäude steht leer. Ihm droht das Schicksal der Hundseck. Der Bühler Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler schlägt deshalb einen Tausch mit dem Haus Alban Stolz vor. Das sei groß genug und stehe derzeit ebenfalls leer. Zudem sei Angela Merkel schließlich eine Pfarrerstochter und in der Partei mindestens genau so unumstritten wie Alban Stolz in Freiburg.

Dezember

Endlich: Auch die Folgenutzung für die Lörch-Villa ist gefunden. Und sie ist in mehrfacher Hinsicht naheliegend und sinnhaft. Der Historische Verein erhält den Zuschlag bei den Investoren und einen Mietvertrag auf Erbpachtbasis (99 Jahre). In vierteljährlichem Rhythmus werden in dem dreistöckigen Gebäude mit Kellergeschoss die Sitzungen des fünfköpfigen Vorstands einberufen. Allerdings stellt sich rasch heraus, dass hierfür das Gebäude mit 350 Quadratmeter Nutzfläche völlig unterdimensioniert ist. Vorsitzender Siegfried Eith beantragt bei der Stadt deshalb den Abbruch des Gebäudes und den Neubau eines Punkthauses. Ohnehin sei es einem Historischen Verein nicht zumutbar, ein Domizil in einem nicht einmal denkmalgeschützten Gebäude zu haben. In solch einem "Schuppen", so der Vorsitzende, könne man - wenn überhaupt - als Ergänzung zum neuen Wertstoffhof - ein Museum für Altglas einrichten.

Gerold Hammes

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