Visionär und Pionier für einen modernen Einkaufsstandort Bühl

Edgar Pfeiffer. Foto: privat

Von Gerold Hammes

Bühl - Der Bühler Einzelhandel trauert um den bedeutendsten Textilkaufmann in der Geschichte der Stadt: Edgar Pfeiffer. Der gebürtige Schwabe verstarb vergangenen Donnerstag im Alter von 89 Jahren. Er galt als Visionär und Pionier beim Aufbau eines leistungsfähigen Einzelhandels weit über die Grenzen Bühls hinaus.

Dabei war ihm die Textilbranche nicht wirklich in die Wiege gelegt. Im Ortsteil Tumlingen der Gemeinde Waldachtal (Landkreis Freudenstadt) erblickte er am 22. Juli 1928 das Licht der Welt. Aufgewachsen ist er in der Nachbarkommune Lützelhardt, wo die Eltern das Kurhotel Pfeiffer besaßen. Er selbst hatte zunächst eine Konditorenlehre absolviert. Es war die Zeit nach dem Krieg, da die jungen Männer überwiegend "auf Reise" waren, um sich mit allerlei Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens eine Existenz aufzubauen.

Edgar Pfeiffer hatte sich vor allem auf Textilien spezialisiert. Auf solch einer Tour lernte er seine spätere Ehefrau Helene Weck in Bühlertal kennen. Von Beruf war sie Modistin (Hutmacherin) in Baden-Baden. Mit ihrer Affinität zur Mode und seinem unternehmerischen Mut sowie seiner gewinnenden Art im Umgang mit Menschen war die Grundlage für die erste Betriebsgründung rasch gelegt: 1953 eröffneten Edgar und Helene Pfeifer in der Hirschbachstraße in Bühlertal im Haus der ehemaligen Kohlehandlung Stolz ihr erstes Textilfachgeschäft.

Die Umsätze mit Blusen, Hemden und Kurzwaren auf der 40 Quadratmeter kleinen Fläche entwickelten sich prächtig, so dass der Umzug und der Erwerb in ein weitaus größeres Anwesen in der Hauptstraße 130 nicht lange auf sich warten ließ.

Während die Ehefrau für das operative Geschäft zuständig war, pflegte der Ehemann weiterhin das "Reisegeschäft", vornehmlich im Acher- und Renchtal. Mit seiner fadengeraden, offenen, lebenslustigen und kommunikativen Art flogen Edgar Pfeiffer die Sympathien nur so zu. Verkaut wurde, wie damals üblich, "aus dem Auto heraus". Die Ware kam zum Kunden, nicht umgekehrt, Einzelhandelsgeschäfte waren die Ausnahme.

Es war die Zeit des Aufbruchs, des deutschen Wirtschaftswunders. Weil sich Pfeiffer in der Ortenau einen exzellenten Ruf erworben hatte, kaufte er 1970 die damalige Kaufstätte auf dem Adlerplatz im Herzen der Stadt Achern.

Die größte Zäsur aber brachte das Jahr 1978. Auf dem Gelände der damaligen Obstabsatzgenossenschaft (OAG) in Bühl sollte nach den Vorstellungen der damaligen Oberbürgermeister Burger und später Wendt ein neues Marktzentrum entstehen.

Und wieder bewies Edgar Pfeiffer unternehmerischen Weitblick, gepaart mit hoher finanzieller Risikobereitschaft: Er kaufte das OAG-Verwaltungsgebäude in der Eisenbahnstraße 22, ließ es abreißen und errichtete darauf das Modehaus Pfeiffer. Der ruhende Verkehr kam in eine Tiefgarage mit 40 Stellplätzen, übrigens die erste in der Stadt.

In der Folge kamen weitere Anbauten hinzu. Aus einer Verkaufsfläche von zunächst 1 500 Quadratmetern sind 2 500 geworden, rechnet man zwei weitere Stores in der Hauptstraße und den Acherner Betrieb mit hinzu, sind es 3 700 Quadratmeter.

Die Familie Pfeiffer sorgte für eine Initialzündung und Aufbruchstimmung. In der Folge entschloss sich auch die benachbarte Sparkasse zur Expansion und einem Neubau.

Initialzündung für Stadtsanierung

Aus der alten OAG-Halle wurde als Kristallisationspunkt des westlichen Stadtquartiers das Bürgerhaus Neuer Markt. Pfeiffer war damit auch ein Vorreiter und Signalgeber für die Bühler Flächen- und Objektsanierung. Er hat die Stadtentwicklung nachhaltig mitgeprägt und befruchtet.

Aber auch die Nachbarstadt Achern profitierte von seinem Unternehmergeist: 1991 wich das Modehaus am Adlerplatz einem Neubau. In jener Zeit traten auch die beiden Kinder Ralph und Simone in die Unternehmensleitung ein. Die Zukunft als inhabergeführtes Familienunternehmen war damit gesichert.

Das Modehaus Pfeiffer gehört heute zu den größten in Mittelbaden. Das Einzugsgebiet der Kunden reicht von Karlsruhe bis Offenburg, umfasst das Murgtal und Teile des Landkreises Freudenstadt. In der Summe wurden viele Millionen Euro investiert. Edgar Pfeiffer war eben nicht nur schwäbisch sparsam, sondern auch Visionär und Pionier. Wer ihm begegnete, traf auf einen hochgebildeten, anpackenden, bestens informierten, vor allem aber auch humorvollen Menschen. Er stand für Bodenständigkeit, Verlässlichkeit, Bescheidenheit und Authentizität. Und er konnte so herrlich alemannisch schwäbeln.

Sein Geschäft und die Kundenzufriedenheit waren seine Passion. Urlaubstage waren an zwei Händen abzuzählen. Den einzigen "Luxus", den er sich gönnte, waren sonntägliche Mittagessen in einem guten Restaurant.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr bezeichnet Pfeiffer als "großen Unternehmer, der im Textilbereich Pionierarbeit geleistet hat und dem westlichen Stadtquartier mit Weitsicht Leben eingehaucht hat". Die Campus-Gestaltung werde davon profitieren. Schnurr sprach von einem "großen Verlust" für Stadt und Einzelhandel.

Die Beisetzung von Edgar Pfeiffer findet morgen, Mittwoch, um 14.30 Uhr in der Einsegnungshalle des Bühler Stadtfriedhofs statt.

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