Moderne Begegnungsstätte statt alter Muff

Moderne Begegnungsstätte statt alter Muff

Bühl (sie) - Die junge Frau zückt ihre Kamera und hält mit einem Druck auf den Auslöser das Bild des Pritschenlagers fest. Von der holzvertäfelten Decke hängen Kleiderhaken mit Netzen wie im Schwimmbadspind. "Hier kann man auf alle Fälle sehr viel machen", meint die Architekturstudentin. Sie und ihre Kommilitonen erkunden die Heidelberger Hütte im Bühler Stadtwald. Noch sind die Räume hinter der Schindelfassade durchzogen von jahrzehntealtem Muff. Doch mit Hilfe der Studenten soll das Gebäude komplett umgekrempelt werden und künftig Firmen als Veranstaltungsort dienen. Zu diesem Zweck will es das Gründerzentrum Bühler Innovations- und Technologie Startups (BITS) kaufen.

BITS-Geschäftsführer Jürgen Braun hatte den Gemeinderat Ende Oktober bei der Präsentation des Wirtschaftsplans mit der Ankündigung überrascht, die Hütte in der Nähe der Sand-Kapelle erwerben zu wollen. Im BITS-Etat für 2018 steht dafür eine erste Rate in Höhe von 70000 Euro bereit. Laut der städtischen Wirtschaftsförderin Corina Bergmaier ist das Geschäft mittlerweile so gut wie eingetütet. Es fehle quasi nur noch die Vertragsunterschrift, noch im Frühjahr solle Vollzug vermeldet werden.

Damit in der Hütte, die einst im Dritten Reich als Offiziersunterkunft errichtet wurde, Seminare und Teambuilding-Maßnahmen veranstalt werden können, ist aber viel Arbeit notwendig. Erste Ideen für eine Umgestaltung sollen 20 Architekturstudenten des Karlsruher KIT liefern, die sich am Mittwoch vor Ort einen Eindruck verschafften. Sie befassen sich mit dem Thema im Rahmen einer Studienarbeit. Bis Mai erarbeiten sie nun Entwürfe, die im besten Fall auch monetär belohnt werden. Das Projekt ist als Wettbewerb konzipiert, die Stadt will die besten Ergebnisse mit Hilfe von Sponsoren honorieren. Preisgelder stiften könnten laut Bergmaier Firmen auch außerhalb des BITS, die ebenfalls Interesse an einer Nutzung hätten. Dazu zählten die Max-Grundig-Klinik sowie Bosch und LuK.

Noch bis zum vergangenen Jahr hatte der Ski-Club Heidelberg die Hütte als Vereinsheim bewirtschaftet. Aus Altersgründen sahen sich die Verantwortlichen laut Bergmaier dazu aber nicht mehr in der Lage und suchten deshalb den Kontakt mit der Stadt. "Da wir in Gesprächen mit Unternehmen immer mehr auf das Thema Work-Life-Balance stoßen, kamen wir auf die Idee, die Hütte für diesen Zweck zu erwerben", erläuterte sie den Studenten die Hintergründe.

Die angehenden Architekten haben für ihre Entwürfe lediglich die Vorgabe, dass die Kubatur der Hütte erhalten bleiben soll. Ansonsten dürfen sie sich austoben. Professor Ludwig Wappner vom KIT gab ihnen mit auf den Weg: "Eine solche Hütte ist etwas ganz besonderes." Er verglich ihr Inneres mit einer Matroschkafigur, die viele Überraschungen in sich berge. Dr. Ulrike Fischer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Architektur-Fakultät, zeigte sich optimistisch, dass die Studenten in ihren Entwürfen sensibel mit dem historischen Bestand umgehen, beispielsweise mit der markanten Schindelfassade: "Die heutige Generation ist bei solchen Dingen sehr verantwortungsbewusst."

Neben der künftigen architektonischen Gestaltung stellen sich für die Stadtverwaltung aber auch weitere Herausforderungen, beispielsweise bei der Energieversorgung. Früher gab es auf der Hütte Strom, als Zwischenstation fungierte dabei die ehemalige Berghof-Klinik. Seit dem Großbrand dort im Jahr 2013 ist die Leitung tot. Auch einen Festnetzanschluss gibt es nicht, Handys haben ebenfalls keinen Empfang.

Stadtförster Martin Damm, der den Studenten die Hütte aufschloss, scherzte: "Das ist doch optimal für Erholungssuchende." Er freue sich sehr, dass das Gebäude wieder mit Leben erfüllt werden soll. "Hier hängt Herzblut dran", betonte er und wünschte den Studenten "viele kreative Ideen".

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