Emotionale musikalische Zeitreise

Auf eine musikalische Zeitreise begibt sich Liedermacher Wolfgang Ambros im Bühler Bürgerhaus. Foto: Klöpfer

Von Ursula Klöpfer

Bühl - Geradezu frenetisch gefeiert wurde am Mittwochabend im Bürgerhaus die österreichische Liedermacher-Legende Wolfgang Ambros, die auf Einladung des Schüttekellers nach Bühl gekommen war. Sichtlich gerührt stand Ambros nach dem Konzert auf der Bühne - gestützt auf zwei seiner Musiker. Doch der Applaus wollte und wollte nicht enden, ebenso die stehenden Ovationen. Um 23.30 Uhr fand Ambros schließlich doch einen Schlussakkord und damit ging eine emotionale Exkursion durch 40 Jahre Musikgeschichte zu Ende, gespickt mit vielen Erinnerungen.

Zuvor hatte der Sänger zusammen mit vielen Fans der ersten Stunde lautstark noch zwei seiner Mega-Hits "Schifoan" und "Es lebe der Zentralfriedhof" geschmettert. Dabei hätte wohl keiner zu Beginn des Abends für möglich gehalten, dass diese Stunden in solch einem Begeisterungstaumel enden würden.

Spricht man über österreichische Popmusik, kommt man an Wolfgang Ambros nicht vorbei. 2015 wurde er mit dem großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, bereits Jahre zuvor wurde ihm das goldene Ehrenzeichen des Landes Wien verliehen.

Ohne Frage, die Zeiten haben erkennbare Spuren bei Ambros hinterlassen - die Melancholie, die er ausstrahlt, ist fast greifbar. So singt er von Aufstiegen und Stürzen, Verletzungen und Triumphen, von Freundschaft und Liebe.

Lieder voller Sehnsucht und Einsamkeit

Auch seine Stimme hat sich verändert, ist noch ein wenig rauchiger geworden. So kommen auch einige alten Titel als Hörgenuss auf die Bühne, etwa "Frage der Zeit" (1981), "Du bist wia de Wintasun" (1972) oder "Langsam wochs ma z'amm" (1985), das der Liedermacher als "mein Meisterwerk" bezeichnet.

War der heute 65-jährige Ambros einst ein stattlicher Kerl, möchte man den Österreicher heute, ehrlich gesagt, einfach unterhaken. Auf einem Stock gestützt kommt er schwerfällig auf die Bühne. Er wirkt angeschlagen, schwach, seine Stimme zeitweise unsicher. Oft scheint er beim Sprechen auch den Faden zu verlieren. Nur beim Singen findet er zurück zu seiner alten Form, allerdings erst später.

Doch der Kult-Liedermacher singt mit Herz, unterhält und witzelt von der Bühne. Pur, ehrlich und vor allem direkt, so sind seine Lieder und seine Sprache schon immer gewesen. Und da ist ganz eindeutig diese Traurigkeit. Sie ist spürbar und auch sichtbar.

Doch die ungezähmte Liebe zur Musik und die unbändige Lust aufs Spielen kommen bei der Austropop-Legende in jeder Minute zum Vorschein. Selbst jetzt, wenn er seinen Auftritt nur sitzend bewältigen kann, seit einer schweren Wirbelsäulen-Operation vor ein paar Jahren.

Aus seinem überreichen Leben weiß Ambros zu erzählen. Dazwischen immer wieder Lieder und Songs. Bei dieser Fülle merkt man, was dieser Mann alles geschaffen hat, etwa die Dylan-Adaption "Für immer jung". Und oftmals stehen Beziehungen im Mittelpunkt: längst vergangene Liebe, unendliche Einsamkeit und Sehnsucht.

Auch seinem verstorbenen Freund und Sänger-Kollegen Georg Danzer schickt er einen Gruß in den Himmel: "Er war mein Herzensmensch", erklärt er anrührend, und erneut schwingen Melancholie und Schwermut mit.

Seine beiden Begleiter glänzen an diesem Abend nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihrem Einfühlungsvermögen: Sie stützen, wo es nötig ist, und lassen gleichzeitig viel Raum für Improvisation. Von Anfang an sind Günter Dzikowski (E-Piano, Akkordeon) und Roland Vogel (Gitarren) auf Ambros fokussiert, brillieren aber auch an verschiedenen Tasten- und Saiteninstrumenten.

Als um 23.30 Uhr die wirklich allerletzte Zugabe verklungen ist, sind einige der Zuhörer hellauf begeistert, andere ein wenig von Erinnerungen übermannt. "Sehr gefühlvoll", meint ein Besucher. "Man sieht, dass ihn die Last des Lebens am Rücken gebeugt hat, aber innerlich ist er ein aufrechter Mensch geblieben", sagt ein anderer. Und "Woiferl", der in seiner Jugend im Plattenladen gejobbt hat und heute eine Legende ist, geht mit einem frommen "Gott schütze Euch" und "Ich komme gerne wieder" von der Bürgerhaus-Bühne. Ein Abschied, der auch etwas Trauriges innehat.

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