Bürgermeister bittet zum Brainstorming

Historisch gewachsen und in schlechtem Zustand: Die Ortsdurchfahrt von Hatzenweier soll erneuert werden. Foto: Gabriel

Ottersweier (mig) - Historisch gewachsen und sowohl oberflächlich als auch im Untergrund in die Jahre gekommen ist die Ortsdurchfahrt von Hatzenweier. "Ihrem Zustand nach zu urteilen, ist schon Julius Caesar darüber gegangen": So leitete Bürgermeister Jürgen Pfetzer am Mittwoch einen Informationsabend ein. Rund 40 Zuhörer saßen im Gemeindezentrum St. Johannes. Sie und alle anderen Hatzenweierer wurden aufgerufen, Ideen in die Planung einer neuen Ortsdurchfahrt einzubringen.

Keine Vorschläge, sondern nur Grundlagen präsentierte das Ingenieurbüro Wald & Corbe aus Hügelsheim. Vermessungen und Verkehrsmengenzählungen waren schon gelaufen. Sie hatten ergeben, dass Richtung B3 täglich im Schnitt 750 Fahrzeuge unterwegs sind. In Richtung L 86a sind es 950. Der Anteil an Schwerlastverkehr wurde mit zwei Prozent in Richtung B3 und sieben Prozent in Richtung L86a ermittelt. Es ließe sich diskutieren, ob man Hatzenweier nur noch für Lkw bis 7,5 Tonnen freigeben wolle, meinte Pfetzer und ergänzte: "Aber wir wollen nicht an ihnen vorbeiplanen." Damit sich jeder Betroffene einbringen könne, gebe es Rückmeldezettel, die bei der Gemeindeverwaltung abgegeben werden sollen. Die Informationen, die vorgetragen wurden, werde man auch auf der Internetseite von Ottersweier bereitstellen.

Die Anwesenden, darunter zahlreiche Gemeinderäte, brachten gleich einige Hinweise mit. Zu ihren Hauptthemen gehörten Ängste, die man als Fußgänger in Hatzenweier haben müsse: "Ich habe oft eine Warnweste an", lautete eine Wortmeldung. Lärm von der B3, der seit der Erneuerung des Asphalts schlimmer geworden sei, beschäftigte einige Besucher. Aber auch Durchgangsverkehr, der Hatzenweier als Abkürzung nutze, und parkende Lkw wurden als Ärgernisse genannt.

"Wir würden die Durchfahrt gern so unattraktiv wie möglich machen", hielt Pfetzer mit den Überlegungen der Verwaltung nicht hinterm Berg. Wenn der Verkehr verlangsamt werde und ein Zeitverlust entstünde, werde niemand mehr Hatzenweier als Bypass zur B3 nutzen. Er erklärte, dass es sich um eine Gemeindestraße handle und die Kommune die Kosten für die Sanierung selbst bezahlen müsse. Um zumindest für die Aufwertung von Plätzen Fördermittel beantragen zu können, wolle er beim Land eine Aufnahme ins Landessanierungsprogramm beantragen. Das hätte auch für die Anlieger Vorteile. Sie könnten dann Zuschüsse zu Modernisierungen, Wärmedämmung, Photovoltaikanlagen und mehr beantragen.

Anliegerbeiträge fallen für die Eigentümer der Grundstücke an der Straße Hatzenweier nicht an, machte Pfetzer deutlich. Auch notwendige Angleichungen der neuen Straße an die Hofeinfahrten würden bezahlt. Wasseranschlüsse werde man erneuern. Wer über Veränderungen an seiner Zufahrt nachdenke oder seine Wasserleitungen auf dem Grundstück erneuern lassen möchte, solle sich im Rathaus melden.

Weil die Durchfahrt sehr unterschiedliche Straßenbreiten aufweist, werde man jeden Bereich einzeln betrachten müssen, erklärte Daniel Ruschmann von Wald & Corbe. Selbst die schmalste Musterstraße ließe sich auf Hatzenweier nicht durchgängig anwenden. "Was ist, wenn ich Ihnen kein Gelände verkaufen will?", wurde gefragt. "Dann halten wir uns dran", antwortete Pfetzer. Wo Verbesserungen möglich seien, werde man sie gern umsetzen, doch Enteignungen werde es nicht geben. Engstellen, die sich nicht beseitigen ließen, blieben dann eben Zwangspunkte in der Planung.

Mit der Verwirklichung sei frühestens in zwei Jahren zu rechnen, auch über die Kosten wisse man noch nichts. In der nächsten Zusammenkunft werde man erste Entwürfe präsentieren, kündigte der Rathauschef an.

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