Ein weitere Ära geht zu Ende

Ein weitere Ära geht zu Ende

Schwarzwaldhochstraße/Ottersweier (mig/gero) - Im Nordschwarzwald geht eine weitere Ära zu Ende. Seit einer Woche ist Leo Seiler (Oberbruch) damit beschäftigt, mit seinem 30 Tonnen schweren Kettenbagger den Skilift Hundseck Nordhang "zurückzubauen", wie man so schön sagt. Faktisch geht es um das Herauspoolen und Zermeißeln von bis zu acht Tonnen schweren Betonfundamenten und das Zerquetschen der Lift- und Flutlichtmasten.

Seiler ist ein alter Hase unter den Abbruchpiloten. Seit 27 Jahren sitzt er im Cockpit der stählernen Ungetüme mit 200 PS und mehr, 20 Jahre davon bei der Firma Regenold (Vimbuch) und seit sieben Jahren bei Krummholz (Moos). Die Aufgabenstellung in dem bis zu 43 Prozent steilen Gelände des sogenannten Waldheil-Hangs nennt er "extrem". Immer wieder muss er sich bei der Bergfahrt mit der Schaufel oder dem Greifer im Erdreich festkrallen, um überhaupt die Rampe zu meistern. Eine kleine Schieflage des Fahrwerks könnte den Bagger zum Umkippen bringen. Seiler weiß um die Gefahr, vertraut aber seiner langjährigen Erfahrung.

Am Ende seiner Arbeit Mitte/Ende kommender Woche bleiben mindestens 70 Tonnen Beton und zwei große Container voller Metallschrott übrig. Dabei darf Seiler als Arbeitsfeld allein die Lifttrasse nutzen, da sich auf dem ehemaligen Skigelände geschützte Pflanzenarten, Biotope und Brutpaare des Baumpiepers befinden. Michael Hug vom Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) in Vimbuch überwacht im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Rastatt den Rückbau. Auftraggeber ist die Gemeinde Ottersweier als Eigentümerin des Geländes. Sie hat hierfür 35 000 Euro im Haushalt bereitgestellt.

Begonnen haben die Arbeiten mit dem Durchtrennen des Stahlseils auf dem rund 500 Meter langen Hang. Die größeren Betonfundamente mussten mit dem Meißel zerkleinert und vorsichtig auf der extrem steilen Liftrampe nach unten gebracht werden. Als vergangene Woche Regen einsetzte, mussten die Arbeiten aus Sicherheitsgründen auf dem rutschigen Terrain ruhen.

Demontiert werden der große Lift des Schweizer Herstellers Städeli und der kurze Doppelmayr-Übungslift, der bis zum Bettelmannshaldeweg reichte. Kommende Woche geht es zum Finale den Aufbauten der Talstation an den Kragen, in dem sich die Lifttechnik, die Einlassdrehkreuze und die Kasse befanden. Der betonierte Keller soll als Lagerraum erhalten bleiben. Er könnte der Beweidung dienen, mit der der Hang seit 2015 offen gehalten wird. "Die Heidschnucken von Familie Burger aus Lauf kommen dazu im August/September über den Hochkopf hierher. Das läuft sehr gut", meint Michael Hug. Zurückgestellt hat die Gemeinde vorerst ihren Plan, auf den Keller der Talstation einen Unterstand für die Tiere aufzubauen. Dafür würden weitere Kosten von rund 10 000 Euro entstehen.

Offen ist, wann und ob überhaupt der von der Gemeinde Ottersweier geforderte Rückbau des Sprung- und Kampfrichterturms erfolgen wird. Beide Anlagen gehören dem Skiclub Bühlertal. Dessen Vorsitzender Berthold Fritz denkt aber nicht daran, diese zu entfernen. Sie seien statisch sicher, "und stören tun sie auch niemanden". Beide Anlagen seien "Kulturdenkmäler" des Wintersports im Nordschwarzwald. Vorsorglich hat der Club das Landratsamt Rastatt und den Verein "Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße" eingeschaltet.

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