A cappella vom Allerfeinsten

A cappella vom Allerfeinsten

Bühl (urs) - Auf der Bühne brauchen die fünf Männer in den schwarzen Anzügen nicht viel: ein wenig changierendes Licht im Hintergrund, dazu fünf Mikrofone. Ihre Stimmen können sich fürwahr hören lassen. Das Quintett kann nicht nur brillant singen, die Akteure erzeugen mit Mund, Nase und Rachen die unglaublichsten Töne wie Drumcomputerbeats, Scratches und Percussions. Die Rede ist von der A-cappella-Formation "Alte Bekannte", die am Donnerstag die Wände im Bürgerhaus Neuer Markt zum Vibrieren brachte und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Vielen ist der Bandname "Wise Guys" noch ein Begriff. Die Guys sorgten über 20 Jahre lang für viele Ohrwürmer - 2017 war dann Schluss. Drei Mitglieder der Formation (Daniel "Dän" Dickkopf, Björn Sterzenbach und Nils Olfert) hoben mit zwei Neuzugängen (Ingo Wolfgarten und Clemens Schmuck) die "Alten Bekannten" aus der Taufe. Wie sagte Dän am Anfang des Abends so schön: "Wir wollen genau da weitermachen, wo Kölns erfolgreichste Boyband aufgehört hat". Nicht umsonst laute der Titel ihres neuen Albums daher: "Wir sind da!"

Stets präsent und doch lässig sind die fünf Herren auf der Bühne allemal. Fast beiläufig bringt das Quintett eine Mischung von nostalgischen Chansons bis zu zeitgenössischem Pop auf die Bühne. Dabei decken die Sänger das gesamte Spektrum menschlicher Stimmungen ab: von berührend und melancholisch, über wütend bis hin zu optimistisch oder hintergründig-heiter.

Die heitere Seite überwiegt. Die Texte sind oft ebenso einfach wie eingängig. Geschaffen werden dabei liebevolle Songs, die sich um alles drehen, was das Leben so bietet. Zum Beispiel, "Billig Jeans" nach Michael Jacksons "Billie Jean" oder "Unprofessional", nach Nat King Coles "Unforgetabble".

Doch so profan, wie es jetzt klingen mag, ist das Ganze nicht. Es gibt auch Lieder, die unter die Haut gehen und aus eigener Feder stammen: "Liebe ist bedingungslos" oder ein Lied, das sich mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzt. Dän dazu: "Man ist äußerlich unversehrt, aber innerlich gähnt ein schwarzer Abgrund."

Er und seine Bandkollegen sind auch charmante Plauderer. Zwischen den Songs gibt es kleine Geschichten, und immer wieder wird Björn, der jüngste "Alte Bekannte", auf die Schippe genommen. Björn dazu: "Die Herren sind aufgewachsen mit Frank Sinatra und Ella Fitzgerald, haben aber keine Ahnung von Social Media". Ihm (Jahrgang 1982) ist es wohl zu verdanken, dass ein Song von Justin Bieber, den Ed Sheeran geschrieben hat, auf die Bühne kommt: "Love yourself" - eine Coverversion, die sich hören lassen kann. Ebenso wie "Junimond" von Rio Reiser.

Erwähnt werden soll auch Clemens Schmuck, ein echtes Talent in Sachen Beatboxing. Er baut mit seiner Stimme Snares, Basses und Scratches in die Songs ein. Die Bandbreite ist groß: So lebt der Song "Der Dings" von Latin-Pop, "Kleiner Terrorist" bedient sich im Jazz, und "Wir sind Alte Bekannte" zitiert den Reggae.

Auch Songs der "Wise Guys" sind im Repertoire. Die Fans sind textsicher und singen kräftig mit. Nach zwei Stunden ist das ganze Bürgerhaus auf den Beinen. Zugabe um Zugabe wird gefordert. Mit der Liedzeile "Bühl ist die schönste Stadt der Welt, ich hätte es mir noch so fantastisch vorgestellt", ziehen die fünf Sänger noch einmal alle Register.

Nachdem das traditionelle Afterglow-Singen im Foyer ausfallen muss (Dän: "Sorry, wir sind etwas angeschlagen") treffen sich die größten Fans und die Sänger nach dem Konzert noch zu einem Plausch in der Halle. Die "Alten Bekannten" sind "Neue Freunde" geworden.

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