Nicht mehr als ein Wimpernschlag im Weltgefüge

Nicht mehr als ein Wimpernschlag im Weltgefüge

Bühl (ub) - Wie passt die moderne Naturwissenschaft, in diesem Fall die Astrophysik, zum Gottesglauben? Schließt sich dies nicht aus? Dass gerade das eine das andere bedingen kann, darüber referierte der am KIT Karlsruhe lehrende Professor Thomas Schimmel in einem spannenden Vortrag in der gut gefüllten Mensa des Windeck-Gymnasiums.

Es ist kaum anzunehmen, dass die Physik mit ihren vier fundamentalen Grundkräften, von Schülern nicht immer geliebt, schlüssiger und unterhaltsamer dargestellt werden kann. Zu Beginn räumt Schimmel schon mal mit vermeintlichen Tatsachen auf, indem er konstatiert, dass der Mensch die Naturgesetze nicht erklären könne. Das Universum folge diesen, ob es der Mensch nun wolle oder nicht.

Viele Wissenschaftler, darunter etwa Albert Einstein, hätten sich gefragt, ob es nicht "dort oben" jemanden gibt, der den Urknall auf den Weg brachte. Für Schimmel jedenfalls stellen wissenschaftliche Erkenntnisse und Glaube keine gegensätzlichen Positionen dar.

Zunächst verblüfft einmal seine Darstellung von Licht als Zahlenspektakel. Da ist selbst unser Sonnensystem nur ein Wimpernschlag im Weltgefüge. Mit viel Humor bezeichnet der Physiker die Milchstraße als "ziemlich vernachlässigbar", sei sie doch nur eine von geschätzten 400 Milliarden Galaxien.

Unglaublich: Wird der Andromedanebel von den Bühler Sternguckern in faszinierenden Fotos aufgenommen, hat diese Nachbargalaxie schon zweieinhalb Millionen Jahre auf dem Buckel. Schimmel zeigt Bilder, die mit dem Hubble-Weltraumteleskop gemacht wurden. Licht rast auf unsere ziemlich mickrige Erde zu, deren Ursprungs-Galaxien schon längst nicht mehr existieren. Die Maxwell-Gleichnungen muss man auch nicht wirklich verstehen, und das Spannendste hat der Mensch eh verpasst, wie Schimmel anmerkt: die Erschaffung des Universums. War es ein Akt Gottes? Wir staunen und ahnen nur, beweisen lässt es sich nun mal nicht. Anderes aber schon, etwa dass weit mehr als 90 Prozent der Bausteine des menschlichen Körpers nicht aus unserem Sonnensystem stammen, sondern von weit außerhalb. Woher? Das könne kein Wissenschaftler erklären, die Existenz eines Schöpfers auch nicht. Schimmel sagt selbst, dass er nicht imstande sei, Gott mit naturwissenschaftlichen Methoden zu beweisen. Ihn erkennen, das könne die Wissenschaft nicht. Aber fragen dürfen wir ja schon, wir wissen nicht alles - und das ist vielleicht ganz gut so. Auf die Frage, wie Gott nun zu finden sei, gibt Schimmel eine Botschaft der Bibel wider: "Nicht wir müssen Gott finden, sondern Gott fin det uns".

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