Sehnsucht nach menschlicher Wärme im kalten Büro

Sehnsucht nach menschlicher Wärme im kalten Büro

Ottersweier (mig) - "Drum grüß ich dich, mein Otterschwier, von Unzhurscht bis zum Waldrevier, Waldrevier, frischauf, frischauf ...": Mit einer eigenen Strophe des Badnerlieds ging der offizielle Teil des 19. Neujahrsempfangs der Gemeinde Ottersweier am Dienstag zu Ende. Selbstverständlich standen dazu alle rund 360 Gäste im voll besetzten Gemeindezentrum auf und sangen mit.

Ein politischer Rückblick auf das Erreichte im alten Jahr und die Aufzählung der Herausforderungen für 2019 sind nicht Jürgen Pfetzers Sache beim traditionellen Empfang zu Jahresbeginn. Stattdessen ließ der Bürgermeister die Ehrengäste erst einmal teilhaben am Entstehungsprozess seiner ungewöhnlichen Neujahrsrede: "... zwischen den Jahren im menschenleeren und ausgekühlten Rathausbüro mit klammen Fingern ..."

Ein wärmender Kaffee in den Händen habe ihm zum Durchbruch verholfen, berichtete er: Leitmotiv für das neue Jahr soll weniger Konsum sein. Der einsetzende Arbeitsalltag am Jahresanfang lasse zwar "gute Vorsätze fast wie an einer unsichtbaren Wand abprallen". Aber doch sei es sinnvoll, sich auf Neues auszurichten.

"Ein glückliches Leben hat nichts mit dem Stand des Bankkontos zu tun", meinte Pfetzer. Lebenszeit sei die einzige Ressource, die man nicht kaufen könne. Es gelte, jene Dinge zu schätzen, die unbezahlbar seien: Liebe, Zeit, Glück, Gesundheit und Freunde. Der größte Reichtum sei die Zufriedenheit. Sie habe etwas mit innerer Ausgeglichenheit zu tun: "Man verlangt nicht mehr als man hat." Letztlich seien "zwischenmenschliche Beziehungen der soziale Kitt, der unsere Gemeinde zusammenhält".

Verbunden war der Neujahrsempfang mit einem Dank an alle, "die ehrenamtlich in unserer Gemeinde viel Gutes tun". Sie leisteten einen Betrag zu einem "funktionierenden Gemeinwesen in sozialem Frieden", so der Bürgermeister. Er hob Rolf Meier und Markus Winter hervor, die die Tradition des Dorfbotts in Unzhurst, Zell und Breithurst wieder aufleben lassen wollen.

Hervorragend musikalisch begleitet wurde der Empfang von den Original Himbeer-Musikanten aus Unzhurst. Unter der engagierten Leitung von Dirigent Alexander Weber eröffneten sie den Empfang mit dem "Champagner-Galopp" und einem Knalleffekt mit goldenem Glitterregen. Sie spielten "Kaiserin Sissi" und "Lord of the Dance" und bekamen viel Applaus.

Zum Anschnitt der neuen Jahreszahl 2019 aus Hefegebäck versammelten sich die Bürgermeisterkollegen und der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Wald um Pfetzer. Schnell waren die Stühle von den Gästen beiseite geräumt, und das Gemeindezentrum bot Raum für freudiges Wiedersehen und gute Wünsche, für Umarmungen und Verabredungen. Bewirtet und bedient wurden die Gäste von der Volkstanzgruppe Ottersweier. Die Freiwillige Feuerwehr war für die Regelung des Verkehrs verantwortlich und der DRK-Ortsverein bot einen Fahrdienst an.

In Foyer war der neue Messestand der Marketing-Kampagne "Ottersweier lohnt sich" zu sehen. Dort wurden Spenden für das Tierheim Maria Münter in Ottersweier gesammelt, das 2019 umfangreiche Sanierungsarbeiten anpacken muss und dafür noch auf Unterstützung angewiesen ist. "Familie Schmitt leistet im Tierheim 365 Tage im Jahr unglaublich tolle und engagierte Arbeit für Fund- und Pensionstiere", lobte Bürgermeister Pfetzer.

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