Wiederbelebung unter reichlich Gebläse

Wiederbelebung unter reichlich Gebläse

Von Joachim Eiermann

Bühl - Acht Monate blieb die Big Band "Brass & Fun" völlig untätig. Nach dem Weggang ihres Gründers und langjährigen Leiters Bernd Kölmel nach Bayern kam der Bandbetrieb gänzlich zum Erliegen. Seit Dezember probt das städtische Jazzorchester wieder - für einen gemeinsamen Auftritt mit dem "FineFones Saxophon Quartet" am Freitag, 18. Januar, im Haus Alban Stolz. Die weitere Zukunft von "Brass & Fun" bleibt jedoch ungewiss.

Fast alle Mitglieder - Profis und ambitionierte Musiker aus Bühl und der Region von Offenburg bis Karlsruhe - sind wieder an Bord. Die Grundstimmung im Vereinsraum des Bürgerhauses ist locker. Peter Lehel von den "FineFones" steht vorn. Er leitet jenen Teil der Proben mit den von ihm arrangierten Stücken. Scherzhaft stellt der Gastsolist aus Elchesheim-Illingen das neben ihm stehende "Nachwuchstalent am Baritonsaxofon" vor: Pirmin Ullrich. Der Lehrer der Bühler Musikschule, fest verwurzelt in der Karlsruhe Jazz-Szene und ebenfalls Mitglied der "FineFones", grinst ob der Bemerkung.

In Charles Mingus' Komposition "Moanin'" (und weiteren Nummern) ist er als Solist gefragt. Bei anderen Stücken des zweistündigen Konzertrepertoires wird Ullrich sein Instrument hingegen zur Seite legen und die Big Band dirigieren. Lehel und er wechseln sich am 18. Januar in dieser Rolle also ab. "Es gibt keinen festen Leiter", erklärt Ullrich später im Gespräch. "Brass & Fun" werde vorerst als Projektband weitergeführt. Angedacht sei 2019 noch ein zweites Projekt in Zusammenarbeit mit einem Streichorchester, dann unter der Ägide des neuen Musikschulleiters Bernhard Löffler. Darüber hinaus gebe es (noch) keine Pläne.

Gastsolist Peter Lehel ist von der spielerischen Qualität der 18 Musikerinnen und Musiker angetan: "Die Big Band ist gut in Schuss und hat Substanz." Man spüre das jahrelange Zusammenspiel. "Bernd Kölmel hat hier etwas wirklich Gutes aufgebaut. Es wäre schade, wenn man das verschenken würde", so Lehel. Deshalb hätten Ullrich und er die Idee entwickelt, im Zusammenhang mit der Tournee der gemeinsamen Gruppe "FineFones" die Big Band wiederzubeleben.

Zwischen zwei Auftritten in Stuttgart und Karlsruhe war ein Termin in Bühl schnell gefunden. Schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem Auftrittsort, da das Autohaus Nagler & Steurer nicht schon freitagabends zur Verfügung steht. Die bisherigen Bühler "Jazzlight"-Konzerte mit Szenengrößen gingen dort stets samstags über die Bühne. Im katholischen Gemeindehaus, in dem vor vielen Jahren einmal Max Greger gejazzt hatte, wurde man schließlich fündig.

Mit Jim Snidero wird im Haus Alban Stolz ein US-amerikanischer Altsaxofonist mit von der Partie sein, in dessen musikalischer Vita sich eine Zusammenarbeit mit Weltstars wie Frank Sinatra, Tony Bennett oder Sting findet. Der 60-Jährige wird erst zur Generalprobe in Bühl eintreffen. Bis spätestens dahin muss der Feinschliff sitzen.

"Double Concerto", ein Orchesterwerk Lehels, für die Big Band neu arrangiert, liegt auf den Notenständern. Nunmehr dirigiert Pirmin Ullrich - mit einem Bleistift zwischen Daumen und Zeigefinger. Joachim Fischer (Klarinette) bläst zusammen mit Peter Lehel (Sopransaxofon) ein Duett. Dann eine Unterbrechung. "Super!", lobt Lehel. "Ich arbeite dran", antwortet Fischer mit Understatement.

Es folgt der zweite Satz. "Den hätte ich jetzt gerne richtig schön leise", sagt Lehel, was vor allem als Aufforderung an den Schlagzeuger Markus Faller zu verstehen ist: "Du bist balladesk dabei!" Auch dieser Part ist in seiner Klangwirkung rasch austariert. Die Noten werden weitergeblättert, ein weiterer anspruchsvoller Teil des "Double Concerto" steht an. Nun wird's fetzig. Lehel ist nicht zufrieden und stoppt: "Wir sollten diese Stelle nochmals machen, da waren viele falsche Tönchen drin." Zu guter Letzt kann er auch diesen Part abhaken: "Yeah, super! Das kriegen wir hin."

Bei diesem Bühler "Jazzlight" werden die Saxofone aller Stimmlagen in den Mittelpunkt gerückt - vom Bariton über Tenor und Alt bis zum Sopran. Dafür steht vor allem eine Komposition des Abends: Ray Charles' "Hallelujah I love her so", von Lehel als Solo für fünf Saxofonisten neu verfasst. Für reichlich Gebläse ist somit gesorgt.

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