Streit um vermeintlich gestohlenes Handy

Streit um vermeintlich gestohlenes Handy

Bühl (bgt) - Nur mit äußerster Mühe konnten Richter und Staatsanwalt am Amtsgericht in Bühl den Ausführungen der beiden Syrer folgen, die einmal Freunde waren, es mittlerweile aber wegen eines vermeintlich gestohlenen Handys nun nicht mehr sind.

Der eine hatte den anderen angezeigt, sein Handy gestohlen und später aus Wut zerstört zu haben, so dass dieser in einem Strafbefehl wegen Diebstahls und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt worden war. Doch das wollte der 29-jährige Angeklagte nicht auf sich sitzen lassen und legte Einspruch ein.

Da beide Kontrahenten nur rudimentäre Deutschkenntnisse besitzen, hatte der Dolmetscher während des Verfahrens alle Hände voll zu tun. Und dennoch: Die Geschichte blieb ein Verwirrspiel, weil zum einen der blumige Variantenreichtum der arabischen Sprache offenbar zu viel Interpretationsspielraum bot, zum anderen aber auch die Einlassungen der beiden recht konfus gerieten.

Nach der Darstellung des Angeklagten hatte ihn sein ehemaliger Freund beauftragt, dessen Utensilien aus seinem Zimmer, aus dem er bereits ausgezogen war, in Verwahrung zu nehmen, darunter auch dessen Handy. Das allerdings sei schon nicht mehr funktionstauglich gewesen, beteuerte er. Als nun ein anderer Freund auftauchte, um diese Sachen abzuholen, habe er vor allem auf die Herausgabe des Handys bestanden, das nach Ansicht des gemeinsamen Freundes durchaus noch funktioniert haben soll. Da habe er es vor seinen Augen zerbrochen, um zu demonstrieren, dass das nun mal nicht gestimmte habe.

Die Version des Geschädigten dagegen lautete anders. Niemals habe er seinem einstigen Freund den Auftrag gegeben, seine Sachen aufzubewahren. Er habe lediglich irgendwann festgestellt, dass sein Handy nicht mehr in der Schublade gewesen war, in der es immer gelegen und wovon sein Freund auch Kenntnis gehabt habe. Schließlich habe er ja eine ganze Zeit lang bei ihm gewohnt. Dann habe er es einen schönen Tages bei ihm entdeckt, doch habe er aus Freundschaft kein Wort darüber verloren. Erst als er von dem anderen Freund erfuhr, dass das Handy mutwillig zerstört worden sei, habe er Anzeige erstattet.

"Wollen Sie denn, dass er bestraft wird?", wurde er vom Staatsanwalt gefragt. Erst nach einiger Überlegung kam das zögerliche Ja, und die Gestik der beiden deutete ohne Zweifel darauf hin, dass an dieser Freundschaft nichts mehr zu kitten war.

Die grundverschiedene Darstellung der beiden hatte wegen der Sprach- beziehungsweise Übersetzungsschwierigkeiten auch erhebliche Zeit in Anspruch genommen, so dass der Richter dem Angeklagten die Möglichkeit einräumte, den Einspruch zurückzuziehen. Inzwischen hatte der Angeklagte jedoch seine Bedenken geäußert, dass er möglicherweise Schwierigkeiten hinsichtlich seiner Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland bekomme, immerhin habe er eine gute Arbeit von zirka 2 000 Euro netto monatlich.

Angesicht dieser neuen Erkenntnisse regte der Staatsanwalt an, das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro einzustellen. Der junge Mann benötigte nicht lange, um sich damit einverstanden zu erklären.

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