Keine Hexerei, sondern viel Teamarbeit

Keine Hexerei, sondern viel Teamarbeit

Bühl - Die Bühler Narren fiebern dem kommenden Samstag entgegen. Mit dem Sturm aufs Rathaus beginnt in der Zwetschgenstadt die Hochphase der Fastnacht. Auch für die Bühler Hexen wird es an diesem Tag ernst. Sie veranstalten im Bürgerhaus Neuer Markt den BH-Ball. Zunftmeister Gernot Baumann erklärt im BT-Interview mit Holger Siebnich, welche Fallstricke bei der Organisation solcher Großveranstaltungen lauern.

Interview

BT: Herr Baumann, bis zum Schmutzigen Donnerstag dauert es noch drei Wochen. Trotzdem sind die Bühler Hexen schon schwer gefordert.

Gernot Baumann: Ja, wir haben schon sieben oder acht Veranstaltungen absolviert, beispielsweise den Umzug in Lahr. Wir sind meistens ganz froh, wenn die eigentliche Hochsaison der Fastnacht beginnt. Dann haben wir die meisten Fremdveranstaltungen und die Organisationsarbeit für unsere eigenen Events schon hinter uns.

BT: An diesem Samstag steht die erste Hexen-Großveranstaltung an: der BH-Ball im Bürgerhaus. Wie viele Helfer sind dafür notwendig?

Baumann: Wir haben für den BH-Ball und den Hexenball am Fastnachtssonntag jeweils 35 bis 40 Helfer im Einsatz. Wir arbeiten im Schichtdienst und schauen, dass jeder Helfer nur bei einer der beiden Veranstaltungen im Bürgerhaus einen Dienst übernehmen muss. So schaffen wir es in der Regel ganz gut, die Aufgaben zu verteilen.

BT: Wie lang dauert die Planungsphase für solche Großveranstaltungen?

Baumann: Wir ziehen zwei bis drei Wochen nach jeder Kampagne Bilanz. Seit vergangenem Jahr folgt darauf ein Arbeitswochenende der Vorstandschaft, bei dem es um die Frage geht, wie wir unsere Veranstaltungen verbessern können. Die Planung ist langfristig. Ich habe zum Beispiel jetzt gerade den Vertrag für die Band unterschrieben, die am Hexenball 2020 auftritt. Dann findet die Veranstaltung übrigens erstmals am Fastnachtssamstag und nicht mehr am Sonntag statt.

BT: Das Thema Jugendschutz spielt gerade in der Fastnacht eine immer größere Rolle. Wie werden Sie dem gerecht?

Baumann: Als einer der ersten Fastnachtsvereine in der Region haben wir schon seit mehreren Jahren eine Zertifizierung des Projekts "Hart am Limit" (HaLT). In diesem Rahmen nehmen drei unserer Mitglieder regelmäßig an Fortbildungen des Landratsamts zum Thema Jugendschutz teil. Unsere Bürgerhaus-Veranstaltungen können Jugendliche ab 16 Jahren mit dem sogenannten Partypass besuchen. Sie zeigen am Eingang ihren Ausweis vor und geben den Partypass ab. Um Mitternacht müssen sie die Veranstaltung dann verlassen. Das klappt in der Regel reibungslos.

BT: Wie sieht es mit dem Alkoholausschank aus?

Baumann: Die Minderjährigen bekommen ein separat gekennzeichnetes Bändchen für das Handgelenk. So sehen unsere Helfer, dass diese Besucher keinen harten Alkohol kaufen dürfen. Unser Barteam ist sehr eingespielt. Trotzdem gibt es vor jeder Schicht noch ein Briefing. Bei jeder Veranstaltung haben wir außerdem einen Barchef. Das sind Mitglieder aus unseren Reihen mit langjähriger Gastronomieerfahrung.

BT: Gab es in den vergangenen Jahren trotzdem Zwischenfälle?

Baumann: Wir haben glücklicherweise keine Probleme mit jugendlichen Alkoholexzessen. Auch handfeste Auseinandersetzungen sind vollkommen außer der Reihe. Wir haben immer ausreichend Securitykräfte im Einsatz, die auch bereits an den Eingängen selektieren.

BT: 2012 gab es allerdings Knatsch. Securitymitarbeiter verwehrten einigen Besuchern, die eine Eintrittskarte hatten, den Zugang zum Hexenball, weil das Bürgerhaus angeblich schon voll war.

Baumann: Ja, das war sehr ärgerlich. Wir hatten damals den Verdacht, dass Tickets gefälscht wurden. Wir haben reagiert und unser Einlasssystem überarbeitet. Seitdem gab es nie wieder Probleme.

"An Fastnacht wurde immer getrunken"

BT: Sie verkaufen für die Veranstaltungen jeweils 1 000 Tickets. Die Stadt gibt vor, wie viele Besucher ins Bürgerhaus dürfen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?

Baumann: Hervorragend. Wir treffen dort stets auf offene Türen und Ohren. Wenn wir ein Anliegen haben, finden wir mit der Stadtverwaltung eigentlich immer eine gemeinsame, konstruktive Lösung. Es war zum Beispiel gar kein Problem, den Abschluss unseres diesjährigen Sternmarsches am 27. Februar erstmals in der 38-jährigen Geschichte vom Markt- auf den Kirchplatz zum Narrenbrunnen zu verlegen.

BT: Großveranstaltungen versprechen Gewinn, bergen aber auch ein finanzielles Risiko. Wie sichern Sie sich ab?

Baumann: Wir haben das Glück, dass uns viele Sponsoren, Freunde und Werbepartner unterstützen. Unser Ziel ist es, dass mit deren Hilfe die schwarze Null gesichert ist. Das ist aber kein Selbstläufer. Auch bei Sponsoren gilt: Wie man in den Wald hineinruft, so ruft es hinaus.

BT: Die Bühler Hexen gibt es seit 64 Jahren. Bei jüngeren Zünften hat man öfter mal den Eindruck, dass Party und Alkohol wichtiger sind als Brauchtum. Wie kann man da gegensteuern?

Baumann: Man muss offen sagen: An Fastnacht wurde schon immer getrunken. Aber wir bieten auch mehrere Veranstaltungen für Kinder an, wie den Fackelumzug durch den Stadtgarten im Vorfeld des Sternmarschs. In diesem Jahr gibt es auch erstmals eine Hexenrallye. Ziel ist es, dass die Kinder wie früher im Kostüm durch die Stadt ziehen. Wir wollen ihnen die Freude am Verkleiden und am Brauchtum vermitteln.

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